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Natur und Technik Die liebe Verwandtschaft - Ordnungssysteme in der Natur

Ordnung hilft gleich doppelt: Das erste Mal beim Einsortieren, das zweite Mal beim Wiederfinden. Um im Reich der Natur den Überblick zu behalten, haben wir Pflanzen und Tieren ein cleveres Ordnungssystem verpasst.

Von: Petra Reinold & Hermann Deger, ein Film von Wolfgang Voelker

Stand: 14.12.2012

Schmetterling auf einer Wiesenblume | Bild: BR

Damit Ordnung ihren Zweck erfüllt, muss sie nachvollziehbar sein. Das heißt: Ordnung braucht ein System, eine klare Anweisung dafür, warum etwas an genau diesem Platz eingestellt wird. Sind die Einsortierungsregeln dieses Systems bekannt und eindeutig, fällt es nicht schwer, Dinge, Lebewesen oder auch abstrakte Begriffe am richtigen Ort abzulegen und wiederzufinden.

Auf die Methode kommt es an

Für die "Platzanweisungen", das heißt die Sortierung in einem Ordnungssystem, gibt es viele Möglichkeiten. Die Wörter eines Lexikons werden beispielweise alphabetisch geordnet. Damit bestimmen die Anfangsbuchstaben der Wörter und die Reihenfolge der weiteren Buchstaben innerhalb der Zeichenkette darüber, wo ein Wort seinen Platz im Lexikon findet. Damit das System funktioniert, muss man nur die Buchstabenfolge des Alphabets kennen und wissen, dass die Buchstabenfolge der Schriftrichtung gehorcht.

Kluge Register erleichtern die Orientierung

Nach einem ähnlichen Prinzip lassen sich Bibliotheken ordnen. Dabei werden Bücher zumeist alphabetisch nach Autorennamen sortiert. Um die Orientierung in sehr großen Bibliotheken zu erleichtern, kann man das Prinzip der alphabetischen Namensfolge durch ein übergeordnetes Aufstellungsprinzip ergänzen. Zum Beispiel, indem man die Bücher zuerst nach Sachgebieten, Epochen, Sprachen oder Gattungen gruppiert. Innerhalb eines derartigen größeren Ordnungsrahmens gilt wieder das Prinzip der alphabetischen Folge nach Verfassernamen.

Ordnung schafft Überblick

Solche Ordnungshierarchien lassen sich beliebig erweitern und übereinander schichten. So könnte man etwa innerhalb eines großen Sachgebietes, beispielsweise der Theologie, nochmals nach Epochen, Ländern, bestimmten Fragestellungen oder anderen Merkmalen gruppieren und auf der untersten Ebene wiederum autorenalphabetisch sortieren. Wichtig ist jeweils nur, dass die Methode der Einsortierung strikt eingehalten wird und leicht verständlich ist. Dieses Vorgehen bietet einen entscheidenden Vorteil: Es nutzt inhaltliche, thematische oder andere Verwandtschaften, um Ordnung ins Bücherchaos zu bringen. Da die Systematik nicht zum Suchfeld gehörende und damit im Suchzusammenhang überflüssige Werke ausschließt, ermöglicht sie ein rascheres Auffinden des gesuchten Buches uns stellt so eine möglichst übersichtliche, stabile Ordnung her.

Linné bändigt die Vielfalt der Natur

Das vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1797-1778) um die Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführte Ordnungssystem der Natur beruht auf ähnlichen Prinzipien. Um die Vielfalt der Pflanzen und Tiere in ein methodisches System zu bringen, entwickelte er ein Zuordnungsschema, das auf wenigen aber bezeichnenden und leicht vergleichbaren Merkmalen fußte. Je mehr dieser Merkmale übereinstimmten, desto enger waren die Lebewesen verwandt und desto klarer konnten sie zu einer Gruppe innerhalb des Ordnungssystems zusammengefasst werden.

SKOFGA: Alles am richtigen Platz

Um alle bekannten Lebewesen in ein Natursystem einzusortieren, führte Linné die noch heute gültigen Begriffe Reich, Unterreich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und Art ein. Die erste und gröbste Gliederung unterscheidet beispielsweise das Tierreich vom Pflanzenreich. Auf den darunter liegenden Ebenen liefert die Nähe der Verwandtschaft das entscheidende Zuordnungskriterium.


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