ARD-alpha - Schulfernsehen


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Neue Heimat Deutschland In Russland Deutsche - in Deutschland Russen

Hunderttausende Spätaussiedler sind aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert, viele von ihnen nach Bayern. Die deutsche Staatsbürgerschaft bekamen sie schnell, doch längst nicht alle fühlen sich akzeptiert.

Von: Ein Film von Andrea Roth

Stand: 15.03.2013

Junge Spätaussiedler in Stuttgart | Bild: BR

In Russland wurden sie als Deutsche ausgegrenzt und isoliert, in Deutschland werden sie als Russen gesehen: russlanddeutsche Spätaussiedler wie Schena Minor aus Novosibirsk. Er hat lange von Deutschland geträumt. Jetzt lebt er mit Frau und Kind in einem Zimmer im Ingolstädter Piusviertel. Dort leben zu zwei Dritteln Ausländer. Die meisten Deutschen sind weggezogen, geblieben sind die sozial Schwachen.

Neuer Pass, alte Probleme

Für viele Russlanddeutsche bietet Deutschland keine neue Heimat - trotz der deutschen Staatsangehörigkeit und dem Pass, den sie hier sofort erhalten. Gerade die jüngeren, die mitgenommen wurden, haben große Probleme mit dem Übergang in Schule und Beruf - wie zum Beispiel Alena Varnavski, die mit 13 Jahren nach Deutschland kam und in der Schule versagte, in einer Fabrik arbeitete, bevor sie es schaffte, sich in ein neues Leben zu integrieren. Heute macht die junge Russlanddeutsche eine künstlerische Ausbildung, hat auch deutsche Freunde, möchte hierbleiben.

Erste Anlaufstation für die Neuankömmlinge ist ein Übergangswohnheim. Zu den Eingliederungsmaßnahmen gehört auch ein sechsmonatiger Pflichtsprachkurs. Die Einwanderer mussten zwar vor der Aufnahme im Herkunftsland einen Sprachtest ablegen, doch das heißt noch lange nicht, dass sie wirklich deutsch können. Vor allem die jüngeren Zuwanderer bringen in der Regel nur rudimentäre Kenntnisse über deutsche Kultur und Sprache mit.

Aussiedler unter sich

Die staatlichen Integrationsmaßnahmen helfen zwar über Startschwierigkeiten hinweg, garantieren aber keine soziale Eingliederung. Häufig stellt sich eine Art Ghetto-Bildung ein, die auch im Ingolstädter Pius-Viertel zu beobachten ist. Vor allem die jungen Aussiedler bleiben in der neuen deutschen Gesellschaft oft unter sich und haben nur wenig Kontakt zu Einheimischen. Ironie der Geschichte: In Russland waren sie „Deutsche“, in ihrer neuen Heimat gelten die Spätaussiedler als „Russen“. Nicht selten begegnet man ihnen mit Misstrauen.

Hürden bestehen zum Teil auch bei der Eingliederung in die Arbeitswelt, denn Schul-, Universitäts- oder berufliche Abschlüsse aus den Herkunftsländern werden in Deutschland meist nicht anerkannt. Die Folge: Viele hochqualifizierte Migranten müssen hier weit unter ihren Fähigkeiten arbeiten oder finden gar keinen Job.

Isolation, Arbeitslosigkeit – Faktoren, die vor allem junge Russlanddeutsche zum Griff zur Flasche verleiten oder in die Kriminalität treiben. Kommunale, kirchliche und private Initiativen versuchen gegenzusteuern. So hilft in Ingolstadt das Evangelische Aussiedlerforum aus den ärgsten Nöten.

Sendetermin: 23.04.2014


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