ARD-alpha - Schulfernsehen


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Namenstage im Mai Gisela, Renata und die Eisheiligen

Die "kalte Sophie" ist weder ein Cocktail noch eine spröde Dame. Das "Eismadl" gehört mit den drei "gestrengen Herrn" zu den Eisheiligen. An ihren Festtagen tritt der Winter oft nochmals kräftig nach mit Frost und böser Kälte.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Georg Antretter

Stand: 22.04.2013

Statue in Fulda vom Eisheiligen Bonifatius | Bild: picture-alliance/dpa

Gisela: Eine bayerische Fürstentochter auf dem Magyarenthron

Die selige Gisela, Tochter des Bayernherzogs Heinrich II., war eine hochpolitische, sozial engagierte Frau, die ihre ganze Kraft der Christianisierung Ungarns widmete. Mit König Stephan I. von Ungarn vermählt, unterstützte sie ihren Gatten dabei, die heidnischen Magyaren für den Glauben zu gewinnen und das Land zu befrieden. Gisela brachte zahlreiche bayerische Priester an den ungarischen Hof und stiftete Kirchen, Klöster und Schulen. Nach dem Tod des Königs wurde sie als engste Beraterin ihres Mannes verfolgt, inhaftiert und kehrte schließlich 1042 nach Bayern zurück. Sie wurde Benediktinerin und starb 1065 im Kloster Niedernburg bei Passau.

Renata: Eine volksnahe Landesmutter als Inbegriff der Liebe

Im Münchner Glockenspiel wird Renata mit ihrem Gatten dargestellt.

Als Landesmutter zeichnete sich Renata (1544-1602), Gattin des Bayernherzogs Wilhelm V., durch große Hilfsbereitschaft, Milde und Frömmigkeit aus. Täglich bediente sie selbst zwölf arme Frauen an ihrer Tafel, versorgte jährlich 72 Frauen mit Kleidung und Obdach und besuchte Bedürftige auch in ihren armseligen Behausungen am Rande Münchens. Ihr Mann, Herzog Wilhelm V. (1548-1626), sagte über sie: "Will man die Liebe malen, so muss man das Portrait der Herzogin anfertigen; denn in ihr sind alle vom Apostel angegebenen Eigenschaften der Liebe vereint." Obwohl Renata nie kanonisiert wurde, verehrte das Volk die ausgesprochen beliebte Fürstin wie eine Heilige.

Die Eisheiligen: Mamertus, Pankratius und Servatius bringen oft Kälte und Ärgernis

Eigentlich ist der Winter im Mai ja endgültig vorbei. Manchmal aber liefert er dem Frühling noch trotzige Rückzugsgefechte. Plötzliche Kälteeinbrüche drohen vor allem zwischen dem 11. und 15. Mai. An diesen Tagen können der keimenden Saat nur noch die "Eisheiligen" helfen. Ihre Namensfeste fallen mit einer Periode schädlicher Nachtfröste überein, die in der zweiten Maiwoche zeitig ausgebrachte Feld- und Gartenfrüchte gefährden. Den Auftakt machen die drei "gestrengen Herren" Pankratius, Servatius und Bonifatius, denen sich in einigen Ländern der hl. Mamertus zugesellt. Als "Eismadl" schließt am 15. Mai die "kalte Sophie" die Reihe der früher von Bauern, Winzern und Gartlern häufig um Schutz angerufenen Frostvertreiber.


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