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Namenstage im Juni Johannes, Vitus und Quirin

Mit Johannes dem Täufer beginnt ein neues Weltalter: Als letzter Prophet des Alten Testaments ist er zugleich der erste Mensch, der den Messias erkennt: Er selbst taufe nur mit Wasser, sagt Johannes, Christus aber werde mit Geist und Feuer taufen.

Stand: 03.05.2013

Figur von Johannes dem Täufer | Bild: BR

Der heilige Johannes: Rufer in der Wüste und Wegbereiter des Herrn

Wer war Johannes der Täufer? Lebte er heute, würden wir ihn vermutlich als religiösen Eiferer bezeichnen, als fanatischen Untergangspropheten, der alle Hoffnung auf Buße und Umkehr setzt. Die Evangelien stellen ihn anders dar: Sie nennen ihn einen Rufer in der Wüste und Wegbereiter Jesu. Vor allem Lukas verwebt die Geburtsgeschichte Jesu eng mit der des Johannes, um den messianischen Anspruch Christi zu betonen. Über die Kindheits- und Jugendjahre erfahren wir nichts. Bei Lukas setzt die Johanneserzählung erst wieder mit Beginn des öffentlichen Wirkens als Täufer ein. Der Legende zufolge scharte Johannes etwa um das Jahr 29 in der judäischen Wüste einen Jüngerkreis um sich, betete, fastete und predigte Buße. Im Zentrum seines Wirkens stand die Verkündigung des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs und Strafgerichts über alle Sünder. Rettung vor dem Zorn Gottes, so lehrte Johannes, sei einzig denen verheißen, die ihre Sünden bekennen und sich vom ihm zum Zeichen der Umkehr im Jordan taufen lassen. Vieles spricht dafür, dass Jesus für eine bestimmte Zeit zum Kreis um den Täufer gehörte und von ihm entscheidende Impulse für sein Wirken empfing.

Die Kollision mit Herodes

Schließlich folgten immer mehr Menschen dem Täufer, der sie auf das Kommen des Messias einschwor. Da sein Einfluss im Volk anwuchs, wurde er offensichtlich zur Bedrohung für das politische Establishment Galiläas, das die Gesetze und Sitten Roms über die Gesetze Gottes stellte und jüdische Kultvorschriften missachtete. Als er zuletzt Herodes Antipas öffentlich wegen dessen "blutschänderischer" Ehe mit der Frau seines Bruders rügte, war das Maß voll: Herodes ließ den Aufrührer verhaften und hinrichten.

Aufgrund der prominenten Stellung, die Johannes im Lukasevangelium einnimmt, feiert die katholische Kirche den Täufer als letzten und größten Propheten, der Christus unmittelbar vorausging und für seinen Glauben den Märtyrertod starb. Die besondere Verehrung zeigt sich auch darin, dass er in jeder heiligen Messe mehrmals angerufen wird: "Groß ist der hl. Johannes wegen der Wunder, die seine Empfängnis und Geburt begleiten, groß in seiner Berufung als Vorläufer Christi, groß in seinem Martertod".

Der heilige Vitus: Sankt Veit besiegt den tanzenden Dämon

Seit dem 13., jedoch besonders im 14. und 15. Jahrhundert, überzogen mehrere Wellen einer rätselhaften kollektiven Tanzwut ganz Deutschland. Die Befallenen krampften unter epileptischen Zuckungen und Verrenkungen, "tanzten" so bis zur völligen Erschöpfung und brachten sich schwere, mitunter tödliche Wunden bei. Wie alle Zeitgenossen, führt auch der Reformator Johannes Agricola (1494-1566) das Übel auf den Teufel zurück:

"Ynn Deutschen landen sind der plagen vil gewesen, als do der Teuffel die leutte besessen hat und hat aussgerichtet, was er gewolt hat … Und eben daselbs wurden etliche leutte geplagt, dass sie tantzen mussten offt tag an eynander, offt zwen tag, drey tag und nacht."

Johannes Agricola

Da der böse Geist hinter allem steckte, da es keine weltlichen Mittel gab, um sich vor der epidemischen Krankheit zu schützen oder sie gar zu heilen, suchten die Menschen desto dringlicher Zuflucht im Himmel. Hilfe versprach den Bedrängten vor allem der heilige Vitus. Schließlich hatte Sankt Veit der Legende zufolge schon den Sohn des römischen Kaisers Diokletian von dieser Krankheit geheilt. Dieses Mirakel empfahl ihn Jahrhunderte lang als mächtigen, häufig angerufenen Helfer gegen den gefürchteten "Veitstanz" (Chorea Sancti Viti.

Der heilige Quirin: Ein Römer wird am Tegernsee heimisch

Im Jahr 761 bereitete sich das erst 20 Jahre zuvor gegründete Kloster Tegernsee auf ein besonderes Freudenfest vor. Der Papst hatte den Benediktinern die Reliquien des heiligen Quirinus zum Geschenk gemacht und nun sollten die Gebeine nach einem beschwerlichen Weg über die Alpen endlich an ihrem Bestimmungsort eintreffen. Die translatio, das heißt die Übertragung solcher Körperreliquien, war im Mittelalter nicht einfach ein Warentransport, sondern ein frommes Großereignis, das an allen Wegstationen zahllose Menschen versammelte, durch Messfeiern begangen und häufig von Wundern begleitet wurde.

Das Quellwunder von Gmund

Auch um die Übertragung der Quirinsreliquien rankt sich ein Kranz von Wundererzählungen. Besonders bekannt und folgenreich für die rasch zunehmende Verehrung des Heiligen in seiner neuen Heimat wurde ein Mirakel, das sich kurz hinter Gmund ereignete. Hier legten die Träger noch einmal eine Rast ein, um frische Kraft für das letzte Wegstück zu schöpfen. Dort, wo sie die Trage mit dem heiligen Leib zu Boden gesetzt hatten, begann eine bislang unbekannt gewesene Quelle zu sprudeln. "Sie war angenehm im Geschmack und heilsam bei Berührung, und viele Heilungen wurden dort durch die Kraft des Herrn gewirkt", weiß die Legende. Die Kunde des Wunders machte die Runde, lockte landauf, landab zahlreiche Pilger an und führte so zur Gründung des Wallfahrtsortes St. Quirin.

Ein Allheilmittel entpuppt sich als Petroleum

Weiteren Auftrieb erhielt die Quirinsverehrung ab 1430, nachdem Bohrungen auf der westlichen Seeseite, nahe einer ebenfalls dem Heiligen geweihten Kirche, Petroleum zu Tage förderten. Das austretende Erdöl floss in den See und zog mit der Strömung auf das unmittelbar gegenüber liegende Quellheiligtum St. Quirin zu. Diese schillernde Spur galt als erneutes Wunderzeichen des Tegernseer Schutzpatrons, und bald stand auch das Quirinus-Öl im Ruf besonderer Heilkraft. Einreibungen sollten Ekzeme abheilen, geschluckt sagte man dem Öl nach, dass es Kopfschmerz vertreiben könne. Noch im 18. Jahrhundert wurde das Allheilmittel in einer über dem Quellaustritt erbauten "Ölkapelle" an Wallfahrer ausgeteilt, oder in Flaschen verschickt.

Erst als im 19. Jahrhundert feststand, dass es sich bei der wunderwirkenden Substanz um schlichtes Erdöl handelte, ließ die Verehrung allmählich nach.


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