ARD-alpha - Schulfernsehen


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Namenstage im Januar Agnes - Severin - Vinzenz - Englmar

Teenager neigen zum Provozieren. Auch wenn sie Heilige sind, so wie Agnes: Sie fragt, was unsere Werte wiegen. Ein grausiges Martyrium wie sie erlitt auch der heilige Vinzenz. Sein missgedeuteter Name machte ihn zum Patron der Weinbauern.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Georg Antretter

Stand: 06.01.2013

Der heilige Vinzenz | Bild: BR

Agnes: Was wiegt die eigene Überzeugung?

Gerade 13 Jahre und strahlend schön ist Agnes, die fromme Tochter wohlhabender Römer, als der Sohn des Stadtpräfekten um ihre Hand anhält. Doch Agnes hat schon einen himmlischen Bräutigam: Christus. Der abgewiesene irdische Bewerber lässt sie foltern, um ihren Willen zu brechen. Vergebens! Agnes stirbt lieber den Märtyrertod, als ihr himmlisches Verlöbnis zu verraten. Die Geschichte soll sich im 3. Jahrhundert zugetragen haben und zählt zu den frühesten Heiligenlegenden des Christentums. Eine Herausforderung ist sie noch heute: Wir können die Legende als blutrünstiges Märlein oder Zeugnis einer längst überholten Glaubensepoche abtun. Oder wir können im stummen Dialog mit Agnes überprüfen, was uns die eigenen Überzeugungen wirklich wert sind.

Severin: Fels im Sturm der Völkerwanderung

Mit dem heiligen Severin betreten wir gesicherten historischen und noch dazu heimatlichen Boden. Als die Stürme der Völkerwanderung den bayerisch-österreichischen Raum erschütterten und von Grund auf veränderten, stand der ehemalige Heermeister den bedrängten christlich-römischen Bevölkerung des Donauraums zwischen Passau und Enns als Seelsorger und vor allem als hoch effizienter Manager der Zivilverwaltung bei. Er organisiert Verteidigung und Bevorratung, verhandelt mit germanischen Invasoren, evakuiert bedrohte Regionen, spendet den Menschen inmitten der Kriegswirren als geistlicher und politischer Führer nicht nur Zuspruch und Trost sondern vor allem eins: konkrete Lebenshilfe bei der Bewältigung einer krisenhaften Umbruchszeit.

Vinzenz: Ein Name stiftet Bedeutung

In Süddeutschland und Österreich wird der heilige Vinzenz noch heute als Patron der Weinbauern verehrt. Den Grund für den weit verbreiteten Kult legte ein Missverständnis. Der Name des Heiligen, der um 300 als Diakon im spanischen Valencia das Martyrium erlitt, wurde im Mittelalter als Hinweis auf das Wort französische und deutsche Wort für Wein gedeutet, das in beiden Spachen vin lautete. Warum sich in den bairisch-österreichischen Alpenländern vor allem die Holzknechte und Waldarbeiter unter den Schutz seines Patronats stellten, ist rätselhaft. Möglichweiser hängt die Verehrung damit zusammen, dass Vinzenz sein als besonders grausig geschildertes Martyrium an einem Holzbalken hängend erlitt.

Englmar: Ein Dorf sucht seinen Schutzpatron

Der selige Eng(e)lmar ist das Paradebeispiel einer ausgesprochen lokalen Märtyrerverehrung. Er lebte gegen Ende des 11. Jahrhunderts als Einsiedler im Bayerischen Wald bei Passau und genoss offenbar höchstes Ansehen bei der Bevölkerung. Eines Winters fanden die Besucher seine Klause verlassen vor. Englmar war spurlos verschwunden. Erst im folgenden Frühling gab der schmelzende Schnee seine Leiche frei. Der Eremit war erschlagen und verscharrt worden, allgemeinem Mutmaßen zufolge entweder von einem eifersüchtigen Mitbruder oder einem Räuber. Die von Wunderzeichen begleitete Auffindung des Leichnams begründete den noch heute lebendigen Brauch des "Englmarisuchens": Dabei wird im Ort Sankt Englmar eine Holzfigur des Seligen am Pfingstmontag im Wald versteckt, wieder entdeckt, auf einen Ochsenwagen gebettet und nach einer Feldmesse mit großem Prozessionsgeleit feierlich in die Pfarrkirche zurück gebracht.


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