ARD-alpha - Schulfernsehen


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Die Stadt im späten Mittelalter Höllenangst und Seelenheil

Das späte Mittelalter - eine Zeit gesteigerter Daseinsängste. Teufel, Hexen und Dämonen lauern Menschen im Diesseits auf, im Jenseits drohen Fegefeuer und ewige Verdammnis. Die Rettung des Seelenheils ist Exklusivrecht der Kirche.

Von: Christian Sepp & Volker Eklkofer, ein Film von Sebastian Dorst

Stand: 14.09.2012

Symbolbild: Blick auf die Decke des Erfurter Doms | Bild: picture-alliance/dpa

Alles liegt in Gottes Hand: Raum und Zeit sind im Mittelalter überschaubare, im Vorwissen Gottes vorherbestimmte Dimensionen, in die sich der Mensch als Geschöpf Gottes einfügt. Auch die mittelalterlichen Zeitvorstellungen suchen dem göttlichen Plan auf die Spur zu kommen. Die Frage nach dem Zeitpunkt der Schaffung der Welt, ihrem Ende und in welcher heilsgeschichtlichen Phase man sich momentan befand, beschäftigt die Menschen.

Seelenheil und Seelenot

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Das Menschenbild ist maßgeblich geprägt von der Lehre des Sündenfalls und bestimmt von dem Dogma der Erbsünde. Gestellt zwischen Himmel und Erde ist er auf der einen Seite das Ebenbild Gottes, auf der anderen Seite Sünder. Als "Krone der Schöpfung" lebte der "engelhafte" Körper des Menschen im Paradies in "Heiliger Schamlosigkeit". Durch Sündenfall und Erbsünde wird er jedoch ausgestattet mit Begierden, die ihn an einem gottgefälligen Leben hindern.

Dieser Zwiespalt und die daraus resultierende Seelennot begleitet den Menschen sein ganzes Leben. Kaum ist ein Menschenkind geboren, muss man zusehen, es im rechten Augenblick taufen zu lassen, denn ungetauft gestorben, kommt es nach der Lehre der Kirche an einen Ort zwischen Himmel und Hölle. Wurde es getauft, so muss ein Exorzist, ein Teufelsaustreiber - immerhin die dritte Stufe der vier niederen Weihen, eine Durchgangsstufe für jeden Priester - mit einem Ritual tätig werden, damit nicht böse Geister den Taufakt stören oder gar unwirksam machen.

In jedem Augenblick ist sich der Mensch des Mittelalters der überirdischen Welt gewärtig. Erschütterungen aller Art, wie Krieg, Seuchen und Naturkatastrophen bewirken ein Unsicherheitsgefühl und verstärken das allgemeine Streben der Menschen nach Heilssicherung. Die Menschen ergreifen deshalb in der Sorge um ihre Seligkeit die von der Kirche angebotenen Formen des religiösen Lebens und die Möglichkeit der Frömmigkeitsübung.

Die ungebändigte Wildnis der Welt

Die moderne, oft romantische Natureuphorie, die wir heute kennen, ist dem mittelalterlichen Menschen fremd. Die Natur im Mittelalter hat für den Menschen etwas Unheimliches, gelegentlich Feindliches. Die Natur nährt zwar den Menschen, aber der Mensch beherrscht sie keineswegs. So werden Rodungen immer wieder von Wald überwuchert, das Wasser sucht sich fast ungehemmt seinen Lauf, die Witterung entscheidet über die Fülle der Ernte.

Missernten und ungenügende Ernten haben für den mittelalterlichen Menschen katastrophale Folgen, da die Agrarproduktion zum großen Teil auf Eigenbedarf ausgerichtet ist. Es gibt auch keine Lebensmitteltransporte über größere Strecken, man lebt von den Früchten des eigenen Bodens oder der Umgebung, die im Nahhandel angeboten werden. Meist sind die Hungersnöte räumlich begrenzt, aber es gibt auch Jahre, in denen ganz Mitteleuropa von Nahrungsmangel betroffen ist. Besonders die sozial niederen Schichten werden vom Hunger heimgesucht, der Scharen von Menschen bettelnd durch die Lande treibt. Mitunter rotten sie sich zu großen Banden zusammen, die sich ihre Nahrung zusammenrauben.

Seuchen und Krankheit als Geißeln der Epoche

Im Mittelalter beeinflussen Krankheiten, die als Seuchen epidemisch auftreten oder in endemischer Weise dauerhaft wirken, geschichtliche Abläufe und die gesamtgesellschaftliche Situation äußerst stark. Dabei können weder die Ärzte noch die volkstümliche Medizin prophylaktisch oder therapeutisch Schutz oder Hilfe bieten, sondern allenfalls durch symptomatisch angezeigte Mittel momentane Schmerzen lindern. Typhus, Cholera, Pocken und vor allem die Pest, der Schwarze Tod, fordern ungezählte Menschenleben.


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