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Bauberufe des Mittelalters Der Weg des Steins

Die Burgen und Kathedralen des Mittelalters begeistern noch heute. Aber wie wurden sie gebaut? Mit welchen Materialien und Techniken? Um das herauszufinden, versetzen sich französische Burgenbauer zurück ins 13. Jahrhundert.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Reinhard Kungel

Stand: 19.04.2013

Eine mittelalterliche Mauer wird nachgebaut | Bild: SWR

Der Name Guédelon steht für ein weltweit einmaliges Projekt: Mitten in Burgund, genauer gesagt im Departement Yonne, bauen rund 50 Menschen seit 1997 eine mittelalterliche Wehrburg ausschließlich mit Materialien und Techniken des 13. Jahrhunderts.

Guédelon: Ein historisches Live-Experiment

Was in einem aufgelassenen Steinbruch nahe der kleinen Stadt Saint-Sauveur-en-Puisaye langsam Gestalt annimmt, ist weit mehr als eine touristische Attraktion, die Geld in die Region spülen soll. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen, vor allem Architekten, Kunsthistoriker, Baukundler, erhoffen sich praxisnahe Einblicke in bislang unerforschte und theoretisch nicht rekonstruierbare Einzelheiten des mittelalterlichen Baubetriebs. In Guédelon können sie bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 alle Etappen der Errichtung buchstäblich hautnah mitverfolgen, dokumentieren und auswerten.

Bauen wie im Mittelalter

Die mittelalterliche Großbaustelle

Das zentrale Anliegen des Projekts besteht darin, den Mikrokosmos einer mittelalterlichen Baustelle wirklichkeitsnah abzubilden und dabei ein Höchstmaß an Autarkie zu erreichen. Daher werden alle benötigten Werkzeuge soweit irgend möglich von Töpfern, Seilern, Korbmachern, Schmieden, Zimmermännern und Böttchern unmittelbar vor Ort und mit den Mitteln und Materialien des 13. Jahrhunderts erzeugt. Auch die Steine werden in einem Steinbruch auf dem Gelände gebrochen, das nötige Bauholz stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Um den Eindruck einer mittelalterlichen Großbaustelle zu vervollkommnen, leben die Handwerker während der Sommermonate in Hütten auf dem Gelände. Schafe, Ziegen und Kühe sorgen für die wichtigsten Grundnahrungsmittel, sogar ein Teil der Kleidung wird in den über das waldige Gelände verstreuten Werkstätten angefertigt.

Vom Steinbruch bis zur Burg

In der ersten Folge stellt der Archäologiestudent Frank handwerkliche Tätigkeiten und Arbeitstechniken vor, die den "Weg des Steins" begleiten.

  • Der Steinbrecher schlägt im Steinbruch Steine aus dem Fels. Dazu braucht er neben geeigneten Werkzeugen vor allem genaue Kenntnisse über die Beschaffenheit des Materials, denn manche Steine sind zu weich oder porös und eigenen sich nicht für massive Mauern. Außerdem muss der Steinbrecher den Verlauf von Gesteinsschichten berücksichtigen, um große Steinblöcke gezielt entlang solcher Schichten mit Hammer und Muskelkraft zu spalten.
  • Der Steinmetz bearbeitet die grob behauenen Steinblöcke zu Mauersteinen. Die Werkzeuge, die er dafür hauptsächlich benutzt, sind Hammer und Spitzmeißel. Mit vielen kleinen Schlägen stellt er Steine her, die ganz genauen Vorgaben entsprechen. Um eine exakte Form zum Beispiel für einen Spitzbogen oder ein Fenster hinzubekommen, muss er geometrisches Wissen anwenden.
  • Der Maurer schließlich setzt die Steine, daher hat man diesen Beruf früher auch "Steinsetzer" genannt. Der Beruf des Maurers war sehr angesehen, da er viel von Physik und Geometrie verstehen musste. Oft war der erste Maurer auch der Werkmeister, der plante und die Baustelle leitete. Ohne die Hilfe der Mörtelmacher wäre seine Arbeit freilich nicht möglich.

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