ARD-alpha - Schulfernsehen


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Mensch - Affe Experiment Verwandtschaft

Affen sind unsere Urahnen und ein Spiegel der Evolutionsgeschichte. Der Paläontologe Oliver Sandrock will herausfinden, wann, wie und warum sich unsere Wege trennten. Die Schimpansin Sina begleitet ihn auf einer Reise zu den Wurzeln des Menschen.

Von: Ein Film von Axel Wagner

Stand: 12.07.2013

Paläontologe Oliver Sandrock und Schimpansin Sina | Bild: BR

Begleitet von der Schimpansendame Sina erforscht der Paläontologe Oliver Sandrock die Verwandtschaft zwischen Affe und Mensch. Seine Reise in die Vergangenheit beginnt vor mehr als drei Millionen Jahren. Damals lernten unsere Vorfahren gerade das Laufen auf zwei Beinen.

"Lucy" beherrscht den aufrechten Gang

Die erste Station ist "Lucy", einer der berühmtesten Hominidenfunde. Ihr Entdecker, der Amerikaner Donald Johanson, taufte das 3,2 Millionen Jahre alte Skelett einer Äffin nach dem Beatles-Song "Lucy in the Sky with Diamonds". Sein Team hörte bei Ausgrabungen 1974 in der äthiopischen Afar-Senke gerade das Lied, als es auf die Knochen stieß. Nach ihrem Knochenbau handelt es sich bei "Lucy" um einen Australopithecus afarensis. Sie war etwa 1,10 Meter groß und verfügte über lange Arme, die es ihr ermöglichten, auf Bäumen zu leben. Doch "Lucy" konnte bereits aufrecht gehen. Sie hatte also einen der maßgeblichen Meilensteine auf dem Weg zum modernen Menschen schon hinter sich.

Der Frühmensch vom Rudolfsee

Dann wendet sich Oliver Sandrock dem Homo rudolfensis zu, der 1,8 bis 2,4 Millionen Jahre alt ist. Sein runder Schädel lässt auf ein relativ großes Hirnvolumen schließen. Er entwickelte die erste Werkzeugkultur. Sein Fundort liegt in Ostafrika nahe des Turkanasees, der früher nach einem österreichischen Kronprinzen Rudolfsee genannt wurde.

Auch der Neandertaler steckt in uns

In der Zeitreise darf der 1856 im Neandertal bei Mettmann entdeckte Homo neanderthalensis nicht fehlen. Er lebte vor 30.000 bis 200.000 Jahren. Sein Gehirnvolumen lag zwischen 1.300 und 1.750 Kubikzentimenter. Nach aktuellen Forschungen stecken ein bis vier Prozent Neandertalergene im Erbgut des modernen Homo sapiens. Im Nahen Osten sollen sich beide Arten vermischt haben. Die Neandertaler sind dann in einer Zeit großer Klimaschwankungen ausgestorben.

Als Jäger und Sammler unterwegs

Der Homo heidelbergensis lebte vor 200.000 bis 600.000 Jahren. Er jagte Großwild, konnte mit Werkzeugen umgehen und nutzte vermutlich eine einfache Sprache. Sein Gehirnvolumen betrug circa 1.200 Kubikzentimeter. Der Homo erectus war vor 1,8 Millionen Jahren die erste Menschenart, die dank ihrer langen Beine bis weit über Afrika hinaus wanderte. Der Homo erectus lebte als Jäger und Sammler, war mit Arbeitsgeräten vertraut, nutzte das Feuer, verzehrte Früchte und aß Fleisch. Sein Gehirnvolumen lag zwischen 900 und 1.300 Kubikzentimeter. Der Homo sapiens (100.000 Jahre bis heute) ging ebenfalls von Afrika aus auf Wanderschaft. Heute besiedelt er die ganze Welt.

Das Experiment Verwandtschaft

Der aufrechte Gang

Die Zweibeinigkeit war für die Evolution von entscheidender Bedeutung. Ein Skelettvergleich zeigt deutliche Unterschiede zwischen Affe und Mensch. Die Zweibeinigkeit unserer Vorfahren könnte auch mit einer ökologischen Veränderung zusammenhängen, die vor etwa sieben Millionen Jahren stattfand. Infolge eines Klimawandels zog sich der tropische Regenwald, der den gesamten afrikanischen Kontinent bedeckte, nach Westafrika zurück. Der Baumbestand dünnte sich aus, im Wald klafften Lücken. Nun war im Vorteil, wer den aufrechten Gang beherrschte, denn man konnte sich nicht mehr von Baum zu Baum hangeln.

Werkzeuggebrauch

In einer Phase extremer Trockenheit vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann wiederum in Afrika eine weitere Etappe der Menschwerdung. Während die so genannten Nussknackermenschen starke Kaumuskeln und Kieferknochen entwickelten, erfanden unsere Vorfahren der Gattung Homo Werkzeuge. Die Erfindung von Werkzeugen brachte für die Vormenschen enorme Vorteile, sie wurden unabhängiger von Klima und Umwelt. Mit Steingeräten konnten sie zum Beispiel Kadaver zerlegen. Der Entwicklung hin zum Allesfresser stand nichts mehr im Wege. Aas und Beutetiere lieferten die nötige Energie für das Gehirnwachstum.

Sprache

Das Gehirn eines Affen ist kleiner als das eines Menschen - der Grund, warum er aber nicht spricht, ist das nicht. Denn beim Menschen sorgt das Zusammenspiel von Zunge, Gaumen und Kehlkopf für die Erzeugung der Sprechlaute. Auch ein Affe erzeugt hier Töne - für uns allerdings sind diese unverständlich.





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