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Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik Frederick Banting, Charles Best und das Insulin

1921 entdeckten der kanadische Arzt Frederick Banting (1891-1941) und der US-Medizinstudent Charles H. Best (1899-1978) den Zusammenhang zwischen dem Hormon Insulin und der Zuckerkrankheit. Weltweit spritzen sich heute Millionen Menschen Insulin und halten damit die Diabetessymptome im Griff.

Von: Ein Film von Manfred Baur

Stand: 16.12.2011

Charles Best | Bild: BR

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, war schon im Mittelalter bekannt. Ihren Namen bekam sie vom süßen Geschmack des Urins der Erkrankten, damals die einzige Nachweismethode. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse als Ursache der Zuckerkrankheit erkannt. 1869 entdeckte der Physiologe Paul Langerhans in der Bauchspeicheldrüse besondere Regionen, die 1883 nach ihrem Entdecker Langerhanssche Inseln genannt werden. Die Funktion dieser Zellhaufen wurde erst Jahrzehnte später erkannt, sie produzieren ein Hormon, das Insulin, das beim Abbau und der Verwertung von Zucker im Organismus unentbehrlich ist.

Ohne das Insulin würde sich die Zuckerkonzentration im Blut unzulässig erhöhen, schwere Organschäden wären die Folge. 1889 gelang es Joseph von Mehring und Oskar Minkowski in Straßburg bei Hunden, denen sie die Bauchspeicheldrüse entfernt hatten, die Zuckerkrankheit künstlich zu erzeugen. Versuche, Zuckerkranke mit Extrakten aus der Bauchspeicheldrüse zu behandeln, blieben aber weitgehend erfolglos.

Immerhin war Anfang des 20. Jahrhunderts schon bekannt, dass bei Zuckerkrankheit die Langerhansschen Inseln weitgehend zerstört sind. Sie also mussten den gesuchten Wirkstoff produzieren. Eine Forschungsgruppe um den kanadischen Mediziner Frederic Banting und Charles Best konnte 1921 aus Bauchspeicheldrüsen von Versuchshunden Insulin gewinnen, das sie einem künstlich zuckerkrank gemachten Tier einspritzten. Der Zuckergehalt im Blut des Tieres sank auf einen Normalwert und sein Zustand verbesserte sich. Durch verbesserte Extraktionsmethoden konnte so viel Insulin gewonnen werden, dass damit 1923 erstmals die Zuckerkrankheit eines Jugendlichen wirksam bekämpft werden konnte.

Ab 1923 war es möglich, das Insulin in Pharmafabriken großtechnisch zu gewinnen. 1923 erhielten Banting und sein Kollege John McLeod den Nobelpreis für Medizin. In den ersten 30 Jahren nach seiner Isolierung wurde durch das Insulin zwischen 20 und 30 Millionen Menschen das Leben gerettet. Dadurch stieg allerdings die Zahl der Zuckerkranken ständig an, da immer mehr von ihnen ins zeugungsfähige Alter kamen und die Krankheit an ihre Nachkommen vererbten.

Nachdem die Struktur des Insulinmoleküls aufgeklärt werden konnte, wurde es 1964 erstmals synthetisiert, die Produktion aus tierischen Bauchspeicheldrüsen erwies sich aber weiterhin als wirtschaftlicher. Damit wird die Krankheit aber nicht geheilt, sondern nur die Symptome werden bekämpft. Moderne Therapiekonzepte bemühen sich daher, die Ursachen der verschiedenen Formen der Zuckerkrankheit aufzuklären. Längst wird die Produktion von Insulin aus Tierorganen durch gentechnische Methoden ergänzt bzw. abgelöst; dabei produzieren gentechnisch veränderte Bakterien in sogenannten Fermentern Humaninsulin, das so billiger und verträglicher hergestellt werden kann.


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