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Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik Die Fotografie des Louis Daguerre

1837 gelang es dem Franzosen Louis Daguerre (1787-1851), flüchtige Jodsilberbilder dauerhaft auf einer Glasplatte zu fixieren. Seine zerbrechlichen "Daguerrotypien" bannten den vergänglichen Augenblick durch Körperspuren des Wirklichen und machten den Maler zu einem Pionier der modernen Fotografie.

Stand: 13.04.2012

Louis Daguerre | Bild: BR

Das Prinzip der Bildprojektion mit einer Lochkamera, der sogenannten Camera Obscura, ist schon seit der Renaissancezeit bekannt. Sie erleichterte das perspektivische Zeichnen und war daher vor allem bei Malern ein äußerst gesuchtes Hilfsmittel. 1727 fand Johann Heinrich Schulze heraus, dass sich Silbersalze unter dem Einfluss von Licht dunkel färben. Der Franzose Nicéphore Nièpce versuchte Anfang des 19. Jahrhunderts, Bildinformationen in Schichten von Asphalt zu speichern. Die Belichtungszeiten betrugen allerdings schon bei Sonnenlicht einige Stunden. Wenig später versuchte auch Louis Daguerre, der sich schon als Besitzer eines Dioramas und als Maler einen Namen gemacht hatte, mit Hilfe einer Kamera Bilder fotografisch zu speichern. Die beiden Forscher brachten ihre Kenntnisse 1829 in eine gemeinsame Firma ein.

Daguerre hebelt die Vergänglichkeit aus

1835 entdeckte Louis Daguerre, dass sich die bisher stundenlangen Belichtungszeiten seiner mit Silbersalzen beschichteten Aufnahmeplatten unter dem Einfluss von Quecksilberdämpfen auf Minuten verkürzen ließen. Der Physiker Arago machte erstmals 1839 die sogenannte Daguerrotypie in der Pariser Akademie der Wissenschaften der Fachwelt bekannt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten verkaufte Daguerre seine Erfindung dem französischen Staat, der Bürgerkönig Louis-Philippe machte sie daraufhin der Menschheit zum Geschenk. Auch als Staatspensionär förderte Daguerre die Verbreitung seiner Erfindung und den Bau von Kameras nach seinen Angaben.

Positiv-negativ: Das Bild der Welt als Umkehrverfahren

Als Konkurrent trat nun der Engländer Henry Fox Talbot auf, der das Negativ-Positiv-Verfahren entwickelt hatte, mit dem sich beliebig viele Abzüge einer Aufnahme machen ließen. Bald beschäftigten sich auch deutsche Erfinder mit der Fotografie, so baute Voigtländer 1840 die erste Ganzmetallkamera mit einem lichtstarken Objektiv.

Die Kamera wird mobil

Jahrzehnte lang wurden für die Fotografie beschichtete Glasplatten verwendet, die samt den schweren Fotoapparaten eigentlich nur von Berufsfotografen bedient werden konnten. Den Durchbruch brachte George Eastman 1888 mit der Einführung des Rollfilms, eines mit lichtempfindlicher Emulsion beschichteten Celluloidstreifens. Der Film wurde in einer einfachen Kamera, der "Box", ausgeliefert, nach der Belichtung an die Entwicklungsanstalt eingeschickt und schließlich mit den fertigen Papierbildern und einem neuen Film an den Besitzer zurückgesandt. Die Kameras wurden nun so klein und leicht, dass sie von Fotojournalisten in alle Erdteile mitgenommen werden konnten und ihre Zeitungsbilder informierten die Leser bis in den letzen Winkel über das Weltgeschehen.

1913 schuf Oskar Barnack mit der "Leica" die erste Kleinbildkamera. Sie benutzte den in der Kinematografie längst bekannten Film mit 35 mm Breite und beidseitiger Perforation, bis heute das weltweit meist verbreitete Aufnahmeformat. In den 1940er Jahren entstand die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera, bis heute die Königsklasse der Kleinbildkameras.

Das analoge Bild wird digital

In den 1960er Jahren musste die einst führende deutsche Fotoindustrie ihren Spitzenplatz an die japanische Industrie abgeben. Moderne Kopierautomaten in Großlabors senkten die Preise für Farbbilder unter das frühere Niveau von Schwarz-Weiß-Aufnahmen und ließen das dem Fotografieren ein Hobby für Jedermann werden. Die "Polaroid"-Kameras von Edwin Land schließlich machte dem Publikum Lust auf das Sofortbild. Sie werden zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Digitalkameras abgelöst, die auf die überlieferte Fotochemie verzichten und das von einem lichtempfindlichen Siliziumchip elektronisch erfasste Bild digital speichern und am Computer ausdrucken lassen.


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