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Bauer, Ketzer, Kirchenmann Die Reformen des Martin Luther

Martin Luther, ein von Glaubenszweifeln geplagter Augustinermönch und Theologieprofessor, begehrt 1517 gegen den Sündenfreikauf auf. Er bringt die katholische Kirche ins Wanken, die Reformation nimmt ihren Lauf und verändert die Welt. Eine neue Glaubensrichtung, der Protestantismus, entsteht.

Von: S. Demmelhuber, V. Eklkofer & Katrin Tjaden, ein Film von Franz Deubzer

Stand: 19.10.2012

Luther-Denkmal in Wittenberg | Bild: picture-alliance/dpa, Jens Wolf

Luthers Ablassagitation

Luthers Veröffentlichung seiner 95 Thesen gegen den Ablasshandel am 31. Oktober 1517 gilt als Beginn der Reformation. Ob der Mönch, der seit 1513 Bibelexegese an der Universität Wittenberg lehrte, seine Thesen tatsächlich an der Wittenberger Schlosskirche anschlug, ist umstritten und vielleicht auf eine missverstandene Überlieferung zurückzuführen. In jedem Fall versandte er seine Kritik am Sündenfreikauf an Erzbischof Albrecht II. von Mainz. Dieser hatte dank üppiger Finanzhilfen des Bankhauses Fugger zahlreiche kirchliche Ämter angehäuft. Die Rückzahlung des Kredites ermöglichte ihm der Papst höchstpersönlich, indem er den Verkauf von Ablässen auf mehrere Jahre hin gestattete. Gegen diesen Missstand wandte sich Luther und erwartete eigentlich eine akademische Disputation. Doch es kam anders.

Luther unter Anklage

Der Dominikanerorden in Rom erhob Anklage gegen Luther. Auf dem Reichstag von Augsburg lehnte Luther 1518 einen Widerruf ab. Dass die Zeit reif für Erneuerungen war zeigt die Tatsache, dass kurz nach Luther auch in der Schweiz die Reformation begann. Das Zeitklima des Humanismus, die Erschütterung des tradierten Weltbildes durch die Erkenntnisse des Kopernikus und die Entdeckung Amerikas bereiteten den Boden für solche Entwicklungen. Hinzu kam die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg, die erst die Vervielfältigung und weite Verbreitung von Schriftgut möglich machte.

Luther geht in die Offensive

1520 veröffentlichte Luther drei reformatorische Programmschriften:

  • "An den christlichen Adel deutscher Nation"
  • "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche"
  • "Von der Freiheit eines Christenmenschen"


Darin äußerte er die Forderung nach der wahren Kirche als Gemeinschaft der Gleichgestellten und Freien, nicht als der Gefangenen in einem perfekten Herrschaftssystem, in dem die kirchliche Hierarchie alle Wahrheit und alles Heil vermittelt. Rom reagierte streng: Als der Augustinermönch sich nicht von seinen als ketzerisch eingestuften Sätzen distanzierte, wurde er exkommuniziert. Luther verbrannte die päpstliche Bulle, die ihm den Bann androhte.

Der Reichstag zu Worms

1521 wurde Luther wurde unter dem Versprechen eines freien Geleits zum Reichstag nach Worms zitiert, wo er am 18. April seinen großen Auftritt hatte und den Widerruf seiner Lehre erneut verweigerte. Schon wenige Tage später verließ Luther Worms wieder, da das sichere Geleit nur noch drei Wochen gelten sollte. Während in Worms die Ächtung Luthers, die auch die Verbrennung seiner Schriften beinhaltete, vorbereitet wurde, griff der Landesherr des Reformators in das Geschehen ein. Kurfürst Friedrich III. der Weise von Sachsen ließ Luther auf dem Heimweg ohne Vorwarnung kidnappen und versteckte ihn unter dem Namen "Junker Jörg" auf der Wartburg bei Eisenach. Das Wormser Edikt vom 8. Mai 1521 gegen Luther und seine Schriften blieb ohne Wirkung.

Die lutherische Lehre breitet sich aus

Auf der Wartburg begann Luther die Bibel ins Deutsche zu übersetzen, 1534 waren die Arbeiten abgeschlossen. 1522 kehrte er nach Wittenberg zurück. Im Bauernkrieg 1524/25 stand er auf Seiten des Adels. 1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Luthers Lehre breitete sich rasant aus, schon deshalb, weil sich einflussreiche Fürsten dazu bekannten. Die Anhänger der Reformation nannte man Protestanten. Ein blutiger konfessioneller Konflikt begann.


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