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Die Lücke als Chance Visionen vom Wohnen in der Stadt

Enge, Lärm, Massenverkehr und öde Wohnmaschinen: In vielen Städten ist das die Realität. Damit finden sich die Schüler eines Kunstleistungskurses nicht ab. Sie setzen bunte Visionen gegen graue Betontristesse und planen neue Wohnwelten für Morgen.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Ralf Peters

Stand: 04.06.2013

Lücke als Chance | Bild: hr

Hitlers Erbe: Bombenkrieg und totale Zerstörung

1939 fielen deutsche Kampfflugzeuge über Polen her, um durch Flächenbombardierungen ganze Städte auszuradieren und den Widerstandswillen der Bevölkerung zu brechen. Um auf deutsche Luftangriffe gegen England zu antworten und eine Wende im Krieg herbeizuführen, überzog die Royal Air Force seit dem Frühjahr 1943 Deutschland mit massiven Flächenbombardements, die bewusst auf die Innenstädte zielten. Das selbst in England heftig kritisierte Area Bombing kostete 600.000 Menschenleben und löschte eine Reihe deutscher Städte nahezu völlig aus. In Hamburg, Hannover Hildesheim, Köln, Essen, Münster, Stuttgart, Nürnberg, Chemnitz, Darmstadt und Dresden waren nach Kriegsende zwischen 90 und 98 Prozent des Stadtzentrum zerstört, in vielen anderen Städten lagen die Schadensquoten zwar deutlich tiefer, hinterließen aber auch hier städtebauliche Wunden, die zum Teil bis heute sichtbar sind.

Wiederaufbau: Viele Wunden blieben ungeheilt

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Der rasche Wiederaufbau nach dem Kriegsende konnte nicht alle Bomben- und Brandlücken schließen. Manche Bauwerke waren vielleicht höher geplant, wurden aber aufgrund finanzieller oder statischer Schwierigkeiten dann doch nur eingeschossig errichtet. Andere Gebäude lassen einen unsinnig breiten Zwischenraum zum Nachbarn hin offen oder stehen neben unbebauten Brachflächen, die meist als Abstell- oder Gerümpelhalde vergeudet werden.

Lückenfüller: Ein Kunstleistungskurs probt die Realität

Für Stadtplaner haben solche "unternutze Flächen" ihren besonderen Reiz. Zum einen ästhetisch, weil diese Leerstellen im Stadtbild oft genug einen Platz oder Straßenzug verschandeln, zum anderen ganz praktisch, weil sie in den dicht bebauten Innenstädten oft die einzige Möglichkeit bieten, neuen Wohnraum zu schaffen.

Auch die Teilnehmer des Leistungskurses Kunst der Bert-Brecht-Schule Darmstadt begreifen die Baulücken ihrer Heimatstadt als Chance. Im Rahmen eines Architekturprojekts entwickeln sie eigene Visionen urbaner Lückenfüller. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler gleichsam nebenher, mit welchen Schwierigkeiten Stadtplaner und Architekten in der Wirklichkeit kämpfen: Da müssen Bauordnungen und Budgets eingehalten, Verkehrsbedürfnisse beachtet, Umweltauflagen und Gestaltungsvorgaben umgesetzt werden. Schön und architektonisch aufregend, aber dennoch funktional und dem vorhandenen Baubestand angemessen soll der Neubau zudem sein.

Darmstadts Zukunft im Maßstab 1: 100

Bunte Visionen als Lückenfüller in Darmstadt

Ein bisschen einfacher haben es die Leistungskursteilnehmer schon. Sie müssen ihre Gebäude zwar realitätsgerecht, doch lediglich als maßstabsgetreue Modelle errichten. Aber auch das hat es in sich, wie der dokumentarische Beitrag zeigt. Ohne Frusttoleranz, Faktenbüffeln, Ausdauer und vor allem Einfallsreichtum ist das Projekt nicht zu stemmen. Am Ende haben es alle geschafft. Und die Mühe hat sich gelohnt: Statt unscheinbarer Lückenbüßer können die Kursteilnehmer echte Hingucker präsentieren.


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