ARD-alpha - Schulfernsehen


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Muslime in Deutschland Das Kopftuch

Das Kopftuch der Musliminnen ist ein umstrittenes Glaubenssymbol. Einige sehen es als Zeichen für die Unterdrückung der Frau. Manche betrachten es als schlichtes Sinnbild religiöser Lebensführung. Wir stellen die Standpunkte vor.

Von: V. Eklkofer, S. Demmelhuber & S. Zeiler-Haas, ein Film von Gudrun Friedrich

Stand: 02.11.2012

Eine der interviewten Protagonistinnen mit Kopftuch | Bild: BR

Muslimische Frauen in Deutschland

In Deutschland leben etwa vier Millionen Muslime, 47 Prozent von ihnen sind Frauen. Alle islamischen Strömungen - Sunniten, Schiiten, Aleviten, Sufis etc. - sind in der Bundesrepublik vertreten. Bei Männern wie Frauen finden wir verschiedene Lebensformen und Religionsauslegungen. Der Grad der Frömmigkeit ist unterschiedlich.

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Nach Schätzungen wird das Kopftuch von einem Drittel aller Musliminnen in Deutschland getragen. Die einen kombinieren das islamische Kleidungsstück mit westlicher Mode, andere tragen dazu dunkle Mäntel oder knöchellange Keuschheitsroben. Manche verstehen das Kopftuch als Symbol religiösen Lebens nach strengen moralischen Werten. Andere wollen damit nur ausdrücken, dass sie an Gott glauben. Daneben gibt es eine Minderheit, die mit dem Kopftuch ihre islamistische Grundhaltung zeigt und ein deutliches Signal gibt: Abschottung.

Ein Kopftuch kann für eine religiöse Überzeugung stehen, es kann aber auch ein Zeichen sein für Unfreiheit und patriarchalische Zwänge. Fest steht jedenfalls: Kopftuchträgerinnen sorgen für Irritationen in unserer säkularen Gesellschaft. Die Frauen zu akzeptieren und das politische Symbol zu verurteilen, ist stets eine Gratwanderung.

Plädoyer für das Kopftuch

Das Kopftuch soll nach Ansicht der 16-jährigen Seynep, die sich mit 14 Jahren bewusst für den Islam entschieden hat, muslimische Mädchen und Frauen vor zudringlichen Blicken schützen. Sie sollen vor der Ehe keusch sein und in der Ehe treu. Im Film zitiert Seynep aus dem Koran: “Oh Prophet, sag deinen gläubigen Frauen und den Kindern, dass sie sich verhüllen sollen….”. Für Seynep ist die Hingabe an Gott besonders wichtig. Das Leben als Muslimin sieht sie als Vorteil für ihr nächstes Leben. Durch das Tragen des Kopftuchs fühlt sie sich als Persönlichkeit. Für das Kopftuch hat sich auch die Studentin Sümmeye entschieden. Es hat sie nach eigenem Bekunden vor “schlimmen Augen” bewahrt. Es bereitet Sümmeye ein schönes Gefühl, nicht wegen Äußerlichkeiten bewertet zu werden, sondern dass ihr Inneres, ihre Gedanken, interessant sind.

Bewusster Verzicht auf das Kopftuch

Im krassen Gegensatz dazu tritt in der Sendung eine junge Türkin auf, die kein Kopftuch tragen will, sich gerne ausdrucksvoll schminkt und modisch kleidet. Das Mädchen wächst durchaus behütet auf, doch in ihrer Familie ist man anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen. Noch drei weitere junge Frauen erweitern das Meinungsbild. Die eine fühlt sich auch ohne Kopftuch als Muslimin, die andere wünscht, “dass jeder machen soll, wie er glücklich wird”, die dritte bringt einen neuen Aspekt in die Debatte ein: Sie will erst dann ein Kopftuch tragen, wenn sie selbst Kinder bekommt, damit die Werte ihrer Religion dem Nachwuchs nicht verloren gehen.


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