ARD-alpha - Schulfernsehen


1

Weggesperrt Knast als Therapie

Jugendgefängnis soll abschrecken und Täter durch Schulabschlüsse und psychologische Betreuung "nacherziehen". So weit die Theorie. Doch was taugt der "therapeutische Knast" wirklich? Kann er den Gestrauchelten zu einem besseren Leben verhelfen?

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Petra Cyrus

Stand: 14.06.2013

Baketball hängt im Stacheldraht | Bild: picture-alliance/dpa

Justizvollzugsanstalt Wriezen in Brandenburg: Junge Untersuchungs- und Jugendstrafgefangene sitzen hier ein. Wer wie Christopher und Henry nach Wriezen kommt, hat oft schon eine kriminelle Karriere hinter sich. Der Knast ist für die meisten Neuankömmlinge ein Schock. Die Jugendlichen müssen damit fertig werden, einem völlig anderen Rhythmus und festen Regeln unterworfen zu sein.

Jugendknast - Chance zum Neubeginn

Doch was passiert in der Zeit der Haft? Werden die Täter als bessere Menschen entlassen? "Der Knast ist zu Unrecht negativ besetzt" sagt Anstaltsleiter Wolf-Dietrich Voigt, "denn nur hier vor Ort kann man wirksam eingreifen". In Wriezen haben die jungen Männer die Chance, fehlende Schulabschlüsse nachzuholen. Hier es gibt ausreichend Arbeitsmöglichkeiten, auch Berufe können erlernt werden. Die Jugendstrafgefangenen werden psychologisch betreut, sie durchlaufen ein Anti-Aggressionstraining und lernen neue Formen der Auseinandersetzung durch Theaterinszenierungen. Zum Programm gehören auch Schachnachmittage unter Leitung eines Vollzugsbeamten und Informationsveranstaltungen zum Thema gesunde Ernährung.

Wenn es sein muss: Härte zeigen

Dennoch ist man in Wriezen weit entfernt von einer verharmlosenden Kuschelpädagogik. Es gilt, berichtet ein Betreuer, auch "zuzupacken", damit die Straftäter nicht zu der trügerischen Einsicht gelangen, Verbrechen würden sich lohnen.


1