ARD-alpha - Schulfernsehen


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Der Geist Gottes gründet die Kirche Kirchenfenster erzählen Geschichten - Pfingsten

Himmelfahrt und Pfingsten gehören zu den wichtigsten Festen der Christenheit. Sie feiern die Verherrlichung des auferstandenen Christus, seine Inthronisation zur Rechten Gottes, und die Ausgießung des Heiligen Geistes als Gründungsakt seiner Kirche.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Monika Buscher

Stand: 24.05.2013

Das Kirchenfenster von Gustel Stein zeigt in der Katharinenkirche die Kreuzabnahme | Bild: SWR

Von der Auferstehung bis zur Ausgießung des Geistes: die österliche Freudenzeit

In der Osterzeit, die fünfzig Tage dauert und mit dem Pfingstfest endet, erfüllt sich das Mysterium Christi und seiner Kirche. Das Heilsgeschehen dieser sieben Wochen begründet wesentliche Glaubensinhalte des Christentums. Es steht daher im Zentrum der Glaubensbekenntnisse beider Konfessionen und fasst die Lehre von der Person Christi knapp zusammen: "gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten."

Christi Himmelfahrt: Verherrlichung und Bevollmächtigung des Auferstandenen

Die Osterzeit beginnt mit dem Ostersonntag, an dem die Christen alljährlich die Auferstehung Jesu von den Toten feiern. Nachdem sich Jesus am Ostermorgen den Jüngerinnen und Jüngern erstmals leibhaftig gezeigt hatte, tritt er vierzig Tage lang immer wieder in ihre Mitte. In dieser Zeit trinkt und isst er mit seinen Freunden, belehrt sie, erteilt Anweisungen und spricht über das Reich Gottes.

Auch am 39. Tag nach Ostern zeigt sich Jesus im Kreis seiner Jüngerinnen und Jünger. Es ist ihr letztes gemeinsames Mahl, das Jesus mit einem Auftrag und einem Versprechen beendet. Der Auftrag besteht darin, Zeugnis für ihn abzulegen bis an die Grenzen der Erde und der Zeit. Das Versprechen kündigt die Ausgießung des Heiligen Geistes an, der von Himmel herabkommen wird, um die Apostel für das Werk der Verkündigung zu stärken: "Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde", berichtet die Apostelgeschichte (Apg 1,8) und fährt fort: "Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken" (Apg 1,9).

Entrückung und Verheißung der Wiederkehr

Die Himmelfahrt Christi markiert einen entscheidenden Wendepunkt. Sie vollendet das Auferstehungsgeschehen durch die Verherrlichung Christi, der nun seinen Sitz zur Rechten Gottes einnimmt und jetzt, wie zuvor nur Gott selbst, der Anbetung würdig ist. Untrennbar mit der Entrückung verknüpft sind auch die Ankündigung der Wiederkunft Christi am Ende der Zeit und die Bestätigung seiner richterlichen Vollmacht. Im Katechismus der Katholischen Kirche kennzeichnet die Himmelfahrt Christi

"den endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in den himmlischen Bereich Gottes, von dem er wiederkommen wird, der ihn aber in der Zwischenzeit den Blicken der Menschen entzieht. Jesus Christus, das Haupt der Kirche, geht uns in das herrliche Reich des Vaters voraus, damit wir alle als Glieder seines Leibes in der Hoffnung leben, eines Tages für immer bei ihm zu sein. Da Jesus Christus ein für allemal in das Heiligtum des Himmels eingetreten ist, legt er unablässig Fürbitte für uns ein als der Mittler, der den Heiligen Geist fortwährend auf uns ausgießt."

(KKK, 665, 666, 667)

Im Heidelberger Katechismus bekennt die Evangelische Kirche: "Jesus Christus wurde vor den Augen seiner Jünger von der Erde zum Vater in den Himmel erhöht und ist dort uns zugut, bis er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten (Frage 46). Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht mehr auf der Erde, aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er niemals von uns (Frage 47). Was nützt uns die Himmelfahrt Christi? Erstens: Er ist im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher. Zweitens: Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus im Himmel die Gewissheit, dass er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich nehmen wird. Drittens: Er, sitzend zur Rechten Gottes, sendet seinen Geist zu uns, der uns die Kraft gibt, zu suchen, was droben ist, und nicht das, was auf Erden gilt (Frage 49).

Pfingsten: Der Geist Gottes gründet die Kirche Christi

Nachdem Jesus ihren Blicken entschwunden ist, bleibt die Jüngergemeinde in jenem Obergemach zusammen, wo sie mit ihm das letzte Abendmahl gefeiert und die Zeit nach der Auferstehung verbracht haben. Auch zehn Tage nach der Himmelfahrt, also am fünfzigsten Tag nach Pessach, sind sie wieder hier vereint. An diesem Tag feiern die Juden das Siebenwochenfest Schawuot, um der Verkündigung der Zehn Gebote am Berg Sinai zu gedenken. Für die Jüngergemeinde ist es der Tag, an dem sich das Versprechen Christi erfüllt, ihnen die Kraft des Heiligen Geistes vom Himmel zu senden. Die Apostelgeschichte überliefert das Geschehen:

"Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden"

(Apg 2 1-7).

Gestärkt durch den Heiligen Geist, treten die Apostel ihr Bekehrungs- und Lehramt an. Sie beginnen unverzüglich zu predigen und im Namen Christi zu taufen. Noch am selben Tag nehmen 3.000 Menschen die Taufe an und "beharrten in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten" (Apg 2,42). Aufgrund dieser Ereignisse gilt Pfingsten als eigentliches Gründungsfest der christlichen Kirche. Mit dieser Glaubensgewissheit schließt auch das Credo: "Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische / christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben."

Drei pfingstliche Glasfenster: Verkündigung durch Licht und Farben

Katharinenkirche

Als zentrale Elemente der christlichen Glaubenslehre sind die Himmelfahrt, das Pfingstwunder und die Herabkunft des Heiligen Geistes immer wieder auch auf Kirchenfenstern dargestellt worden. Aus der Fülle dieser bildlichen Zeugnisse greifen wir drei zeitgenössische Beispiele heraus. Die beiden ersten Fenster hat der Glaskünstler Gustel Stein 1978 für die Katharinenkirche in Oppenheim am Rhein geschaffen. Anschließend betrachten wir das 2001 an der Südseite des Ulmer Münsters eingelassene "Weltvollendungsfenster" des 1932 geborenen Künstlers Johannes Schreiter.


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