ARD-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Drucker/-in

Immer weniger Menschen lesen Bücher? Stimmt. Das Internet macht Zeitungen und Zeitschriften die Kunden abspenstig? Stimmt auch. Dadurch werden Drucker über kurz oder lang überflüssig? Völlig falsch! Wir zeigen, warum.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Ulrich Detsch & Christian Körner

Stand: 06.07.2012

Drucker | Bild: BR

Drucker werden auch in der Online-Ära gebraucht und auch künftig Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Anzeigenblätter, Broschüren, Comics, Kalender und Geschäftspapiere genauso wie Visitenkarten, Verpackungen, Tapeten, Folien, Textilien und viele andere Unterlagen mit Bild und Schrift und Farbe versehen.

Die Schwarze Kunst wird digital

Allerdings nicht mehr mithilfe manuell bedienter Pressen, Bleilettern oder Setzkästen wie in den ersten fünf Jahrhunderten der Zunftgeschichte. Die Schwarze Kunst ist, bis auf wenige bewusst kultivierte Nischen, längst vollständig digitalisiert. Modernste computergesteuerte Verfahren haben das Berufsbild und seine Anforderungen gründlich gewandelt. Ohne IT geht mittlerweile nichts mehr. Inzwischen werden nahezu alle Prozesse per Datentransfer, Mausklick, Tastatur und Monitor gesteuert. Wer heute das Druckerhandwerk erlernt, muss daher eine Vielzahl komplizierter, äußerst komplexer und oft hallengroßer Maschinen verstehen, einstellen, bedienen und warten können.

Nichts für Farbenblinde

Neben technischem Verständnis und dem Wissen über Druckformen, Druckmaterialien und Werkstoffe brauchen Drucker zudem ein ausgezeichnetes Farbempfinden. Schließlich müssen sie vor jedem Druck die gewünschte Farbmischung mithilfe von Farbskalen und Farbmischtafeln festlegen, in Übereinstimmung mit der Vorlage bringen und im Fortdruck sicherstellen, dass die Qualität vom ersten bis zum letzten Druckexemplar stimmt. Auch im Internetzeitalter muss daher jeder Drucker aus den vier Grundfarben Gelb, Magenta-Rot, Cyan-Blau und Schwarz alle individuellen Farbtöne mischen können und sich sehr gut mit den Wechselwirkungen von Druckfarbe, Bedruckstoff, Druckform und Druckmaschine auskennen.

Alles unter Kontrolle

Da Drucker den gesamten Druckprozess eigenständig vorbereiten, anfahren, steuern und kontrollieren, lastet eine große Verantwortung auf ihren Schultern. Jede verdruckte Palette, jeder Maschinenstillstand kostet immenses Geld. Daher ist neben der Bereitstellung aller nötigen Materialien und der sorgfältigen Maschineneinstellung die laufende Überwachung aller Funktionen und Druckparameter ein zentrales Aufgabenfeld des Druckers. Sobald Merkmale wie Passgenauigkeit, Farbgebung oder Andruckstärke die Qualitätsanforderungen unterlaufen, muss er in der Lage sein, die nötigen Korrekturen sehr rasch vorzunehmen.

Spezialisierung ist unerlässlich

Um für die fortschreitende Spezialisierung gerüstet zu sein, wählen die Azubis im dritten Lehrjahr einen Ausbildungsschwerpunkt.

  • In der Fachrichtung Flachdruck stellen Drucker ein- und mehrfarbige Drucksachen wie Flyer, Prospekte, Werbeplakate, Modekataloge, Zeitungen und Verpackungen im Bogen- oder Rollendruck her. Beim Zeitungsdruck setzen sie gewaltige, bis zu 20 Meter hohe und fast 200 Meter lange Offset-Rotationsmaschinen ein, die, mit tonnenschweren Papierrollen gefüttert, pro Stunde rund 100.000 Exemplare einer Zeitung in voller Farbigkeit drucken können.
  • In der Fachrichtung Hochdruck fertigen sie unter anderem Verpackungen, Etiketten, Plastiktragetaschen oder bedruckte Textilien.
  • In der Fachrichtung Tiefdruck stellen sie ein- oder mehrfarbige Drucksachen entweder auf Bogentiefdruck- oder Rotationstiefdruckmaschinen her.
  • In der Fachrichtung Digitaldruck werden Broschüren, Prospekte, Plakate, Kalender, Verpackungen und kleinere Auflagen bis zu 10.000 Exemplaren gefertigt. Im Gegensatz zu den traditionellen Druckberufen im Flach-, Hoch- und Tiefdruck befassen sich Drucker der Fachrichtung Digitaldruck auch mit der Weiterverarbeitung von Druckerzeugnissen. Je nach Produkt falzen, schneiden, binden oder heften sie die bedruckten Bögen mit den entsprechenden Maschinen.

Die duale Ausbildung in Handwerks- oder Industriebetrieben und Berufsschule dauert drei Jahre und schließt mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer ab. Neben der Weiterbildung zum Meister oder Techniker steht auch der Wechsel in kaufmännische und gestalterische Bereiche der Druckbranche offen.


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