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Ich mach's! Zimmerer/Zimmerin

Stolz auf Holz müssen Zimmerleute schon sein, wenn sie in ihrem Job Erfolg haben wollen. Wer diesen klassischen Handwerksberuf ergreift, ist im Wohnungsbau aktiv, kümmert sich um Dachkonstruktionen, errichtet Treppen, Brücken oder Türme. Zum Einsatzspektrum gehört auch die Denkmalpflege.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Matthias Rex

Stand: 02.02.2012

Holz | Bild: colourbox.com

Holz hat rundum erstaunliche Eigenschaften. Es vereint hohe Festigkeit und Flexibilität mit geringem Gewicht, isoliert gleichermaßen gut gegen Wärme und Kälte, ist leicht zu bearbeiten, wächst ständig nach und hinterlässt keinen Problemmüll. Aufgrund dieser Vorzüge ist Holz seit Jahrtausenden der ideale Werkstoff für vielfältigste konstruktive Einsatzgebiete und zugleich ein Material mit großer Zukunft.

Zimmerer und Zimmerinnen sind seit je Experten für Holzarbeiten am Bau. Sie fertigen Sie Dachstühle, Treppen, Rahmengerüste, Fachwerk, Türen und Tore, stellen aber auch Gerüste auf oder bauen Dachgeschosse aus, legen Holzfußböden, rüsten Verschalungen vor, ziehen Trockenbauwände, bekleiden Innenflächen und Fassaden. Im so genannten Ingenieurholzbau errichten sie zudem komplexe Konstruktionen wie frei tragende Hallendächer oder Brücken.

Dazu wählen sie zunächst die jeweils am besten geeigneten Holzarten aus, entwerfen und berechnen die gewünschte Holzkonstruktion und beginnen dann, die benötigten Balken, Bretter und Platten anzumessen, anzureißen und zuzurichten. Anschließend werden die Bauwerksteile mit verschiedenen Füge- und Verbindungstechniken zusammengesetzt.

Das Hantieren mit den nicht immer ungefährlichen Werkzeugen erfordert in jeder Arbeitsphase höchstes Können und Vorsicht. Der sorglose Umgang mit Sägen, Beilen, Stechbeiteln, Nagelschussgeräten, Elektrotackern, Bohrmaschinen und schwebenden Lasten birgt erhebliche Verletzungsrisiken. Absolute Konzentration, entsprechende Schutzkleidung und viel Erfahrung sind unerlässlich, um die vielfältigen Gefahren zu vermeiden. Äußerst unfallträchtig ist vor allem das Aufrichten eines Dachstuhls. Wer hier nicht wirklich schwindelfrei ist und stets auf höchstmögliche Sicherheit achtet, gefährdet sich und andere.

Egal ob auf dem Dach oder in der Werkstatt: Jeder Handgriff muss sitzen, jedes Maß muss stimmen. Mit dem Lot, dem Winkelmesser und der Wasserwaage prüfen die Zimmerer, ob die vorgegebenen Neigungen, Winkel und Maße stimmen. Erst dann kann die Endmontage erfolgen.

Sobald der Dachstuhl steht, wenden sie sich dem Innenausbau zu. Dazu zählen beispielsweise die Treppenmontage, das Verlegen des Fußbodens, das Anbringen von Deckenverkleidungen oder das Einpassen von Türen und Fenstern.

Im Lauf der Zeit hat sich das traditionelle Arbeitsfeld erheblich ausgeweitet. Moderne Zimmerer sind Experten für Energie sparende Isolierungen und schadstofffreies Bauen. Sie beraten den Bauherrn bei der Materialauswahl und bauen auch Dämmstoffe für den Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz ein. Auf vielen Baustellen übernehmen versierte Zimmerer obendrein Teilaufgaben anderer Gewerke bis hin zum Eindecken von Dächern oder zur Montage von Solarpanelen.

Um für den äußerst abwechslungsreichen Beruf gerüstet zu sein, durchlaufen Zimmerer und Zimmerinnen eine dreijährige, dreistufige Ausbildung im Betrieb, an der Berufsschule und in der überbetrieblichen Ausbildung der Innung. In Bayern sowie einigen anderen Bundesländern absolvieren Azubis ihr erstes Ausbildungsjahr als schulisches Berufsgrundbildungsjahr, bevor sie im Betrieb und auf der Baustelle arbeiten.

Nach dem Abschluss der Lehre können sich die Gesellen auf bestimmte Berufsrichtungen wie etwa die Fertighausmontage, die Bauzimmerei oder die Tätigkeit als Bühnenzimmerer für Theater und Opernhäuser spezialisieren. Als Aufstiegschance steht ihnen die Weiterbildung zum Vorarbeiter, Werkpolier oder Bautechniker. Wer sich als Zimmerer mit einem eigenen Betrieb selbstständig machen möchte, muss den Meistertitel erwerben.


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