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Ich mach's! Pharmakant/-in

Pharmakanten sind die moderne Variante der Pillendreher: Sie stellen u. a. industrielle Arzneimittel und pharmazeutische Produkte her und sind für die Einhaltung der Arzneimittel- und Hygienevorschriften verantwortlich.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Rüdiger Baumann (Kamera: Harald Lehner, Christian Körner)

Stand: 27.01.2012

Tabletten | Bild: colourbox.com

Ampullen, Tabletten, Pillen, Pulver, Emulsionen, Kapseln, Zäpfchen, Tropfen, Salben oder Sprays werden schon lange nicht mehr in der Apotheke, sondern industriell hergestellt. Für die großtechnische Produktion, die Qualitätskontrolle und die Verpackung der Arzneimittel sind Pharmakantinnen und Pharmakanten zuständig.

Dazu müssen sie zunächst die nötigen Wirkstoffe in präzise überwachten Mengenverhältnissen zusammenmischen. Im Rahmen dieser vorbereitenden Aufgaben gewährleisten Pharmakanten obendrein, dass die verwendeten Wirkstoffe den international verbindlichen Richtlinien der pharmazeutischen Herstellungspraxis und dem Arzneimittelgesetz entsprechen. Wie jeder weitere Arbeitsschritt wird auch das Abwiegen der Ausgangsmaterialien sorgfältig dokumentiert, damit jedes Detail später nachvollziehbar ist

Um Tabletten oder eine der anderen zahlreichen Arzneiformen herzustellen, mengen sie den pharmakologisch wirksamen Anteilen weitere Hilfsstoffe wie Fette, Öle Wasser, Zucker oder Stärke bei. Beim eigentlichen Fertigungsprozess kommen meist elektronisch gesteuerte Anlagen zum Einsatz, die der Pharmakant einrichtet, steuert, überwacht und anschließend reinigt. Während der Fabrikation ist er überdies für die Qualitätskontrolle verantwortlich. Dafür bedient er Mess- und Prüfgeräte, protokolliert die Ergebnisse und nimmt Proben für die laufende Analyse. Zu den hohen technischen Anforderungen des Berufs zählt zudem, dass der Pharmakant geringere Störungen selbst beheben und die komplexen elektronischen Steuerungssysteme kalibrieren und warten kann.

Im Anschluss an die eigentliche pharmazeutische Fertigung werden die Medikamente mithilfe geeigneter Form-, Füll- und Verschließmaschinen in Tuben, Gläser, Dosen oder Folien verpackt. Die Pharmakanten beaufsichtigen und steuern die nötigen Anlagen und stellen außerdem sicher, dass alle Verpackungen die vom Arzneimittelgesetz festgelegten Angaben wie Bezeichnung, Zulassungsnummer und Verfallsdatum enthalten. Als abschließende Arbeitsschritte folgen zuletzt die Kontrolle der sachgerechten Lagerung und die umweltgerechte Beseitigung der Produktionsabfälle.

Da bereits kleinste Verunreinigung die Produktqualität beieinträchtigen und sogar zum Verkaufsverbot führen könnten, müssen die Pharmakanten strenge Hygiene- und Reinlichkeitsauflagen einhalten. Dazu tragen sie besondere Schutzkleidung und achten darauf, ihre Hände sowie alle Instrumente wie auch Werkzeuge regelmäßig zu desinfizieren. Da manche Arbeitsstoffe die Gesundheit gefährden, hat die penible Einhaltung der Arbeitsschutzauflagen auch im eigenen Interesse oberste Priorität.

Das pharmazeutische und chemische Wissen, die Fertigkeiten auf dem Gebiet der Anlagen- und Prozessleittechnik sowie die Kenntnis der einschlägigen Vorschriften und Regelungen des Arzneimittelrechts, der Arbeitssicherheit sowie des Gesundheits- und Umweltschutzes erwerben Pharmakanten durch eine dreieinhalbjährige, duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre können sie sich zum Meister der Pharmazietechnik weiterbilden oder bei entsprechender schulischer Qualifikation ein Pharmazie- bzw. Pharmaingenieursstudium anschließen.


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