ARD-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Glasbläser/-in

Die Zeiten, als Glasbläser billige Standardware herstellten, sind längst vorbei. Wirtschaftlichen Erfolg haben in Deutschland nur mehr Betriebe, die innovative Glaskreationen mit Top-Designs auf den Markt bringen. Wir informieren über Karrierechancen in einer Branche mit jahrhundertealter Tradition.

Von: ein Film von Matthias Rex

Stand: 04.11.2011

Gläser | Bild: BR

Künstlerisches Gespür, Kreativität, Kraft, gute Lungen und Teamgeist sind Eigenschaften, die jeder Glasbläser oder Glasmacher mitbringen sollte. Die künstlerische Ader ist nötig, weil ein Glasbläser heute mit billigen Gebrauchsgläsern nichts mehr zu tun hat. Diese Massenware wird längst industriell am Fließband gefertigt. Was der Glasbläser herstellt, ist in aller Regel ein mundgeblasenes, exklusives Einzelstück. Daher kommt es auf handwerkliches Können, Fingerspitzengefühl und Kreativität an.

Kraft und gute Lungen braucht der Glasbläser, weil er seine Werkstücke mit der eigenen Atemluft und durch ständige Bewegung modelliert. Eine Glaspfeife, so heißt das wichtigste Werkzeug, bringt zusammen mit der glühenden Glasschmelze bis zu 20 Kilo auf die Waage. Anstrengend ist die Arbeit auch wegen der beständigen Hitze, die von den Schmelzöfen abstrahlt. Aber nicht nur die Temperaturen bringen den Glasbläser ins Schwitzen. Denn die Arbeit wird in der Regel nicht pauschal, sondern nach abgelieferter Stückzahl bezahlt. Das bedeutet erstens Akkordarbeit und zweitens Schichtbetrieb, weil die Öfen nie abgeschaltet werden. Für Hänflinge ist der Beruf daher eher ungeeignet. Weil ein Glasbläser außerdem immer mit anderen Kollegen zusammen an einem Ofen arbeitet und nur eingespielte Teams gutes Glas machen, haben Einzelkämpfer keine Chance. Obendrein hängt der Akkordlohn davon ab, wie viel Stück die Mannschaft an der gemeinsamen Werkstelle, das heißt an einem Ofen, pro Schicht produziert.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Sie findet zum Teil in der Berufsfachschule, zum Teil im Betrieb statt. Die ersten beiden Jahre drücken alle künftigen Glasbläser gemeinsam die Schulbank. Im dritten Jahr müssen sie sich für eine Fachrichtung entscheiden. Zur Auswahl steht erstens Glasgestaltung, also das Herstellen, Umformen, Veredeln und Gestalten künstlerischer Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände aus Voll- oder Hohlglas. Arbeitsplätze bieten Betriebe der Glasbläserindustrie, Glasbläserwerkstätten aber auch Ateliers für Fantasieschmuck oder in Schauglashütten. Die zweite Fachrichtung bereitet die Auszubildenden auf die Herstellung und Verzierung von Christbaumschmuck vor. Wer diesen Zweig wählt, ist später vor allem in kunsthandwerklichen Glasbläsereien tätig. Die dritte Fachrichtung bildet zur Herstellung von Kunstaugen aus. Wer sich dafür entscheidet, fertigt später farblich gestaltete Halbfabrikate für individuelle Augenprothesen oder auch Kunstaugen für Tierplastiken, Puppen und Stofftiere. Typische Arbeitsplätze stellen Handwerksbetriebe und Manufakturen bereit.

Nach der Gesellenzeit kann der Glasbläser zum Meister, Hüttenmeister oder Techniker aufsteigen. Eine Alternative für besonders kreative Glasbläser mit kaufmännischem Geschick ist die Gründung eines eigenen Betriebs.


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