ARD-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Modist/-in

Sie bringen jeden unter die Haube: Modisten und Modistinnen stellen Hüte, Mützen, Kappen und andere Kopfbedeckungen nach eigenen Entwürfen oder Vorgaben her. Darüber hinaus müssen sie auch getragene Hüte reparieren können.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Birgit Leonhardt

Stand: 16.12.2011

Hut | Bild: colourbox.com

Rund drei Dutzend Arbeitsschritte sind nötig, um einen etwa 100 Gramm leichten Filzstumpen aus Hasenhaar in einen klassischen Herren- oder Damenhut zu verwandeln. Dazu braucht es neben handwerklichem Geschick und modischem Gespür auch kräftige Arme und ziemlich robuste Hände. Zum einen, weil die Arbeit mit Schere, Nadel, Zwirn und Abbindeschnur die Finger anstrengt; zum andern, weil sich nur heiße und feuchte Rohlinge in die gewünschte Form bringen lassen. Da der Filz dabei auf rund 100 Grad erhitzt wird, kommt zunächst kein Lehrling ohne Brandblasen davon. Nicht umsonst lautet ein altes Hutmacherwort: "Nass und heiß ist dem Filz sein Speis". Aber das gibt sich: Mit der Zeit schützt eine Hornhaut vor diesem unvermeidlichen Anfängerübel.

Nach dem wiederholten Ziehen, Dehnen, Beschneiden, Dämpfen, Trocknen, Säumen, Bürsten und Glätten des Filzes ist der Hut fast fertig. Nun fehlt nur noch die Garnitur. Bei diesem Arbeitsschritt wird der Hut durch modische Accessoires wie Schleier, Spangen, Bänder, Kordeln oder Federn verziert. Für viele Modisten und Modistinnen macht gerade dieser kreative Feinschliff den eigentlichen Reiz eines Handwerks aus, das neben Können und Präzision auch Einfallsreichtum und Spaß am schöpferischen Umgang mit Materialien und Modetrends voraussetzt.

Ein sicheres Auge und ein ebenso sicheres Stilempfinden braucht die Modistenzunft nicht nur beim Entwerfen, Anfertigen oder Garnieren individueller Kopfbedeckungen. Diese Eigenschaften sind zusammen mit Freundlichkeit, Geduld und einem höflichen Auftreten auch bei der typgerechten Kundenberatung im Laden unabdingbar.

Die dreijährige Lehre im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule befähigt nicht nur zur Arbeit in Handwerk oder Handel, sondern auch in der Hutindustrie. Hier fertigen Modistinnen und Modisten häufig die Erstmodelle einer neuen Kollektion und die dazugehörigen Produktionsunterlagen sowie Holz- oder Metallformen für die Serienproduktion an.

Nach dem Abschluss der Lehre öffnen sich mit der Weiterbildung zum Handwerksmeister oder zum Fachwirt Textil beziehungsweise einem Studium an der Fachhochschule für Mode- oder Produktdesign interessante Aufstiegschancen.


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