ARD-alpha - Schulfernsehen


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Ich mach's! Baumschulgärtner/-in

Wo kommen eigentlich all die verschiedenen Bäume, Sträucher oder Gehölze in unseren Städten, Parks, Anlagen und Gärten her? Warum sind Alleebäume so gerade und wer bringt Spalierobst dazu, nur in die Breite, aber nicht nach vorne und hinten zu wachsen? Baumschuler kennen die Antworten.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Ulrich Detsch, Alfred Grein & Jochen Schlawne (Kamera)

Stand: 27.04.2012

Baumschulgärtner/-in | Bild: BR

Gärtner und Gärtnerinnen der Fachrichtung Baumschule ziehen Laub- und Nadelgehölze, Rosen, Obstbäume, Ziersträucher, Stauden, Hecken- und Kletterpflanzen groß, vom winzigen Setzling oder Sämling bis hin zum ausgewachsenen Baum.

So nehmen Bäume Haltung an

Die Berufsbezeichnung "Baumschuler" leitet sich von der gärtnerischen Fachsprache ab, in der "aufschulen" für anpflanzen steht. In einer Baumschule werden die Gehölze zuerst "aufgeschult" und dann mindestens alle fünf Jahre "verschult", also verpflanzt. Das "Verschulen" zwingt den Baum, immer wieder neue, besonders aktive Wurzeln am Stamm zu bilden. Dadurch bildet sich ein kompakter, dichter Wurzelballen, der das Anwachsen der Pflanze beim Käufer erleichtert. Auch die meisten übrigen Tätigkeiten eines Baumschulgärtners sind im Bild der Schule gut beschrieben. Damit die Pflanzen möglichst gerade, arttypisch und "ausdrucksstark" wachsen, setzen die Baumschuler mechanische Aufzuchthilfen ein. Die jungen Bäume, Gehölze und Sträucher werden an Stäben oder Rankgittern aufgebunden und regelmäßig beschnitten. Nur so können sich die Äste schön verzweigen und prächtige Kronen ausbilden.

Bevor es so weit ist, hat der Baumschuler bereits viel Arbeit in seine Zöglinge investiert. Er hat Jungpflanzen vermehrt, Stecklinge und Sämlinge gezogen, für optimale Bodenverhältnisse und Wuchsbedingungen gesorgt. Im Freiland kommen dabei meist schwere Geräte wie Ballengrabemaschinen, Rodegeräte, Traktoren und Hebebühnen zum Einsatz. Im Gewächshaus wird die Pflanzerde von Keimen und Unkraut befreit und mit Nährstoffen angereichert.

Nachhilfe für den Obstadel

Eine besondere Art der Vermehrung ist die Veredelung von Obstgehölzen. Dabei legen Baumschuler den schräg aufgeschnittenen Pflanzenspross einer Edelsorte auf den ebenfalls schräg angeschnittenen Sämling eines anderen Gehölzes. Die so "aufgepfropften" Reiser werden mit einem Gummiband fixiert und einer schützenden Wachsschicht überzogen, damit sie besser zusammenwachsen. Dieses Verfahren kombiniert die spezifischen Eigenschaften der Veredelungspartner und gibt der Pflanze bestimmte Wunscheigenschaften: eine bestimmte Blütenfarbe, einen reichen Obstertrag, einen besonderen Wuchs oder besondere Widerstandskraft.

Mit Hege und Pflege alleine ist es nicht getan. Die Pflanzen müssen auch verkauft werden. Daher sind Baumschuler auch gewiefte Präsentationsexperten. Attraktiv arrangierte Schaubeete und Musterpflanzungen steigern die Kauflust der Kunden. Zum Service eines guten Gartencenters gehört darüber hinaus die fachkundige Beratung über die Pflege und die besonderen Standortansprüche der empfindlichen Ware.

Hirnschmalz und Muskelkraft

Anstrengend ist der Beruf des Baumschulers nicht nur wegen der körperlichen Arbeit im Freigelände oder im Gewächshaus. Um ihre Schützlinge erfolgreich zu schulen und heranzuziehen, müssen die angehenden Gärtner selbst ein gehöriges Lernpensum absolvieren. Rund 500 verschiedene botanische, das heißt lateinische Namen muss ein Baumschuler kennen. Dazu kommt jede Menge Spezialwissen über die Pflanzen, ihre besonderen Bedürfnisse, ihre bevorzugten Standorte, optimale Wuchsbedingungen, über Krankheiten sowie artgerechte Vermehrungs- und Kultivierungsmethoden und nicht zuletzt kaufmännische Aufgaben.

Das nötige Rüstzeug vermittelt eine bundesweit geregelte duale Ausbildung in der Berufsschule und im Betrieb. Die Lehre dauert drei Jahre und schließt mit der Gesellenprüfung ab. Nach einem Gehilfenjahr können die fertigen Baumschuler und Baumschulerinnen die Technikerprüfung ablegen. Um einen Meisterkurs zu besuchen, müssen sie zwei Praxisjahre nachweisen. Weitere Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet das Studium an Fachhochschule in den Fachrichtungen Landschaftsarchitektur oder Hortikultur.


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