ARD-alpha - Schulfernsehen


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Gott als Boogieman Jazz, Rock und Pop in den Kirchen

Es muss nicht immer Bach sein. Schon klar. Aber taugen Jazz, Rock und Gospel wirklich zum Lobe des Herrn oder lenkt die Mitklatschmesse nur vom Wesentlichen ab? Und wo ist die Grenze zwischen Anmache und Andacht, zwischen Gottesdienst und Konzert?

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Thomas Klatt

Stand: 04.06.2013

Andere Kirchenmusik: Ein Gospelchor in Aktion | Bild: rbb

Jauchzet, frohlocket mit E-Bass, Keyboard und Saxofon

Altar und alternativ passen gut zusammen. Zumindest in der evangelischen Kirchenmusik. Die Bandbreite des klingenden Gotteslobs reicht von Klampfe bis Keyboard, von Pop und Rock über Folk und Funk bis hin zu Soul, Gospel und Jazz. So sehr sich die Stile und Ausdrucksformen unterscheiden, eins haben sie gemeinsam: die Freude an selbstgemachter, zeitgemäßer Musik, die das Gemeinschaftserlebnis stärkt und dem musikalischen Geschmackswandel auch in der Kirche lebendigen Raum gibt.

Mehr als nur eine Frage des Geschmacks

An der Frage allerdings, ob diese bewegte Vielfalt dem liturgischen Rahmen gerecht wird, scheiden sich die Geister. Manche begrüßen die neuen musikalischen Ausdrucksformen als "großartige Chance für die Menschen und für die Kirche", als Garant eines erstarkenden Gemeindelebens, als Wegbereiter einer ganzheitlichen Spiritualität oder Türöffner gerade für Menschen, die dem Glauben bislang eher ablehnend oder gleichgültig gegenüber stehen. Andere sehen die musikalische Neuorientierung des Kirchenvolks mit großer Skepsis. Dabei gründet das Unbehagen weniger in einem klangästhetischen Wandel als vielmehr in der Befürchtung, die populäre Musik lenke vom Eigentlichen der Messfeier ab und öffne einer Ideologie der Selbsterlösung des Menschen die Hintertür.

Alternativen zur klassischen "Lobpreisschiene"

Ob mit oder ohne den Segen aller Instanzen, in vielen Kirchen ist ein neuer Sakral-Sound eingezogen, der zwar nicht immer auf Anhieb fromm tut, aber in jedem Fall und auf seine Art fromm ist. Wir stellen drei exemplarische Vertreter vor.

  • Die Sängerin Sarah Kaiser lädt mit jazzigen Interpretationen der Lieder Paul Gerhardts (1607-1676) zur Neuentdeckung eines Traditionsschatzes der evangelischen Kirche ein.
  • Die ehrenamtliche Kirchenmusikerin Corinna Grütz und der hauptamtliche Kantor Stephan Heinroth machen sich für den Gospel stark. In Workshops eignen sie sich das Rüstzeug für die Leitung entsprechender Chöre in ihren Gemeinden an. Damit tragen sie dem anhaltenden Gospelboom Rechnung, der mittlerweile schätzungsweise 100.000 aktive Anhänger zählt.
  • Zuletzt zeigt die Amateurband Patchwork aus Brandenburg, dass man die Frohe Botschaft der Kirche auch dann mitreißend und überzeugend vermitteln kann, wenn man nicht plakativ auf der "Lobpreisschiene" fährt.

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