ARD-alpha - Schulfernsehen


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Der gläserne Kunde Wie Einkaufsdaten gesammelt werden

Tim ist genervt, er wird von Werbung überflutet. Adressmakler haben sein Einkaufsverhalten analysiert und gehen mit seiner Anschrift hausieren. Ein Bericht über das Sammeln, Sichten und Verkaufen von Kundendaten.

Von: Ein Film von M. Arellano & A. Merten

Stand: 24.05.2013

An der Einkaufskasse zeigt Tim seine Kundenkarte | Bild: WDR

Tim fühlt sich belästigt

Tims Briefkasten quillt über, der Schüler kann sich vor Prospekten kaum retten. Auch per E-Mail wird er täglich mit Werbung traktiert. Tim ist ratlos. Woher, fragt er sich, wissen all die Firmen eigentlich, für welche Produkte er sich interessiert? Was Tim nicht weiß: Seine Lust an Gewinnspielen und die Teilnahme an so mancher Kundenbefragung sind der Grund für die unerwünschte Heimsuchung.

Adressmakler sichten Daten

Besuch bei der Firma PRODATA. Hier werden Gewinnspielkarten elektronisch erfasst. All die Informationen, die Teilnehmer über sich preisgeben, wandern zur Auswertung in eine Datenbank. Auch Tim ist auf diese Weise ins System geraten. Die emsigen Datenjäger können sich ein genaues Bild über einzelne Personengruppen machen und bestimmte Waren zielgenau anpreisen. Dass Kunden durch die Aktivitäten seiner Firma "gläsern" werden, weist der Geschäftsführer von PRODATA weit von sich.

Eine gute Anschrift ist viel wert

Tim nimmt zum Shoppen häufig die Kundenkarte seiner Mutter mit. Beim Bezahlen an der Kasse wird die Karte gescannt. Informationen, die seinen Einkauf betreffen - also Name, Datum, Artikel, Betrag und Geschäft - werden gespeichert. Kein Wunder, dass Tims Familie regelmäßig Werbung von ganz bestimmten Unternehmen erhält.

Nach freiwilliger Angabe bestimmter persönlicher Daten können in verschiedenen Geschäften bei Vorlage einer Kundenkarte Punkte gesammelt werden. Bei der Firma Loyalty Partner in München laufen solche Informationen zusammen. So lassen sich Verbraucherprofile gewinnen und an Handelsunternehmen verkaufen.

Mikrogeographie - Lokalisierung von Zielgruppen

Auch bei der Firma MapChart werden Konsumentendaten gesammelt. Diese bringt man mit Stadtvierteln und deren Einwohnern in Verbindung. MapChart erhält Daten von offizieller Seite und von privaten Zuträgern. So kommt eine Mikrogeographie zustande. Bei MapChart weiß man genau, wie groß die Häuser in einer Wohngegend sind, welche Autos die Bewohner fahren, welche Sozialstruktur in einem Straßenzug vorherrscht. Will ein Geschäft eine Filiale eröffnen, hilft MapChart, einen Standort zu finden, dessen Einwohnerschaft möglichst optimal der gewünschten Zielgruppe entspricht. Wie MapChart ganz legal in den Besitz "interessanter Daten" kommt und diese auswertet, berichtet ein Mitarbeiter in der Sendung.

Tim will sich wehren

Gewinnspiele, Kundenkarten und die Analyse ausgewählter Straßenzüge helfen Unternehmen, gezielt zu werben. Tim weiß nun, was zu tun ist. Er will herausfinden, ob man Datenhändler zum Löschen von Informationen zwingen kann. Und er wird sich künftig genau überlegen, welche Spuren er beim Einkauf hinterlässt.


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