ARD-alpha - Schulfernsehen


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Geomorphologie Vergletscherung

Gletscher gehören zu den mächtigsten "Landschaftsarchitekten" der Erdgeschichte. Ihre Eismassen wirkten wie riesige Hobel, die den Felsuntergrund geschliffen und typische Landschaftsformen des Alpenraums geschaffen haben.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Jürgen Bundy

Stand: 08.03.2013

Pasterzengletscher am Großglockner | Bild: picture-alliance/dpa/Thomas Muncke

Mit ihren langsam zu Tal strömenden Eiszungen und den mitgeführten "Schmirgelstoffen" haben Gletscher das Antlitz der Erde entscheidend geprägt. Die Spuren der Jahrmillionen dauernden Glazialerosion sind noch heute weltweit zu entdecken. Die abtragenden Eisbewegungen haben Trog- und U-Täler, Fjorde oder an Amphitheater erinnernde Kare hinterlassen. Nach dem Rückzug des Eises sammelte sich Schmelzwasser in vielen ausgefrästen Hohlformen und füllte im Lauf der Zeit mächtige Gletscherseen auf.

Wasserspeicher und Risikopotenzial

Diese imposanten Naturphänomene bilden nicht nur wichtige Süßwasserspeicher und Klimastabilisatoren, sie bergen auch tödliche Risiken: Gletscherseen können durch den übermäßigen Zufluss von Schmelzwasser oder nach Starkregen überlaufen bzw. nach Großabstürzen von Fels oder Eis überschwappen. Wenn dann die natürlichen Dämme aus Gesteinsschutt oder Eis bersten, drohen gewaltige Umweltkatastrophen durch Sturzfluten aus Wasser, Geröll und Schlamm, die tiefere Region in Sekundenschnelle verwüsten.

Gradmesser des Klimawandels

Inzwischen sind viele der kalten Schönheiten jedoch selbst erheblich gefährdet. Nicht nur an den Polen, sondern auch in den Alpen schrumpfen die Eisriesen rasant. Glaziologen führen die Gletscherschmelze mittlerweile klar auf den vom Menschen geschürten Treibhauseffekt zurück. Ihren Schätzungen zufolge werden bei einem mittleren Temperaturanstieg von 3°C etwa 80 Prozent der alpinen Gletscher verschwinden. Die Auswirkungen eines ungebremsten Schwundes sind alles andere als banal: Gletscherrückgänge beeinflussen nicht nur den Wasserhaushalt der Umwelt. Sie lösen auch Hangrutschungen und Muren aus, weil Geröll und Gestein, das bislang von den Eismassen gebunden wurde, schlagartig in Bewegung kommt.


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