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Frauen des Mittelalters (1) Die Dichterin Roswitha von Gandersheim

Sie ist die erste deutsche Dichterin und Dramatikerin: Roswitha von Gandersheim, geboren um 935. Im klösterlichen Umfeld des Stiftes Gandersheim kann sie sich, vermutlich dank bester Beziehungen zu Kaiser Otto dem Großen, entfalten und erstaunlich emanzipatorische Texte verfassen.

Von: Gertraud Wagner, ein Film von Angelika Finger

Stand: 19.10.2012

Roswitha-Gedenkstein in Gandersheim | Bild: WDR

Das adelige Stiftsfräulein

Hrotsvit (heute: Roswitha) wächst kurz vor der ersten Jahrtausendwende während der Glanzzeit des ottonischen Jahrhunderts auf. Sie stammt aus einer vornehmen Familie. Schon früh kommt sie in das Benediktinerstift Gandersheim, wo sie ihr ganzes Leben verbringt. Vermutlich ist sie keine Nonne, sondern lebt als Stiftsfräulein in Gandersheim. Töchter adeliger Familien wählen diese alternative Lebensform nicht selten, um einer aufgezwungenen Heirat zu entgehen. Nachdem sie dem Stift eine Mitgift überlassen haben, können sie unter der Obhut der Äbtissin ein eigenes Vermögen und Dienerinnen behalten. Für manches junge Mädchen ist es allerdings ein hohes Ideal, Stiftsfrau zu werden.

Die Frauenfrage ist Hrotsvit wichtig

Roswitha von Gandersheim verfasst in ihrer Klosterstube in lateinischer Sprache lustige und besinnliche, abenteuerliche und spannende Texte. Dabei hat sie auch das "sündige Leben" ihrer Zeitgenossen im Blick. Als frühe Feministin beschreibt sie ihre Frauenfiguren als Heldinnen und nicht in der damals üblichen untergeordneten Rolle. Überliefert sind aus ihrer Feder acht Legenden, sechs Dramen und zwei historische Dichtungen mit über 10.000 lateinischen Versen.

Eine amüsante Lektüre

Als Quelle ihrer unterhaltsamen Geschichten, die im Kreis der Nonnen und Stiftsfräulein vorgetragen werden, wählt Roswitha unbekannte oder sogar geheime Schriften aus der Klosterbibliothek. Meist handelt es sich um Auseinandersetzungen zwischen machtgierigen, aber einfältigen Heiden und scheinbar unterlegenen Christen, die aber durch ihre Pfiffigkeit und ihren Glauben schließlich siegen.

Hrotsvit, die Historikerin

Die Dichterin wird überregional bekannt und erhält sogar den Auftrag, über ihr Kloster und schließlich auch über die Geschichte der Ottonen zu schreiben. Später verliert sich ihre Spur. Wahrscheinlich stirbt sie um 975.


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