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Frauen des Barockzeitalters (3) Die Naturforscherin - Maria Sibylla Merian

Mutig, zielstrebig, hochbegabt und äußerst selbstbewusst - Maria Sibylla Merian (1647-1717) wagte eine zweijährige Forschungsreise nach Surinam, erforschte die die Welt Schmetterlinge, schuf wissenschaftlich exakte, höchst ästhetische Naturdarstellungen und starb weltberühmt aber bettelarm.

Stand: 23.11.2011

Naturzeichnungen | Bild: BR

Maria Sibylla Merian (1647-1717) war in jeder Hinsicht eine außerordentliche Frau und mehr als nur die Tochter eines berühmten Vaters.

Sie lernte malen und zeichnen und entwickelte schon früh unbändige wissenschaftliche Neugier. Vor allem die Welt der Schmetterlinge hatte es ihr angetan. Knapp dreizehn Jahre alt begann sie, die Pflanzen und Insekten der Heimat zu erforschen und hielt ihre Beobachtungen in ebenso akribischen wie ästhetischen Skizzen fest.

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Die Ernte dieser leidenschaftlichen Naturerkundungen gab sie 1675 im Alter von 28 nur Jahren als "Neues Blumenbuch" heraus. Bereits vier Jahre später erschien ihr zweites Werk: "Der Raupe wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung". Damit war die wissenschaftliche Insektenkunde geboren und Maria selbst hatte die Wandlung von der bloßen Künstlerin zur Naturforscherin endgültig vollzogen.

1685 trennte sie sich von ihrem Mann und zog nach Holland. Hier schloss sie sich den Labadisten, einer am Urchristentum orientieren, reformierten Glaubensgemeinschaft an. Berichte aus Südamerika und nach Holland geschaffte Zeugnisse der reichen Tier- und Pflanzenwelt des weitgehend unerforschten Subkontinents ließen den Wunsch in ihr reifen, diese Wunder mit eigenen Augen zu sehen.

Maria Sybilla schlug alle Warnungen vor den Gefahren einer solchen Reise in den Wind. Nach gewissenhaften Vorbereitungen brach sie 1699 zusammen mit ihrer Tochter Dorothea von Amsterdam aus zu einer zweijährigen Expedition nach Surinam auf. Mehrmals unternahmen sie anstrengende Exkursionen, die sie tief ins Landesinnere und in den Regenwald führten.

Auch hier waren es vor allem Insekten, die ihre Neugier fesselten. Maria studierte ihre Lebenszyklen, die sie in unzähligen Skizzen, Zeichnungen, Aquarellen und Beobachtungen festhielt.

1701 erzwang eine schwere Malaria die frühzeitige Heimkehr nach Holland. Gestützt auf ihre Aufzeichnungen und Dokumentationen ging sie unverzüglich daran, die Reise wissenschaftlich und künstlerisch auszuwerten. In nur drei Jahren entstand so ihr Hauptwerk "Metamorphosis insectorum Surinamensium", das 1705 erschien und eine Vielzahl bis dahin in Europa völlig unbekannter Tiere dokumentierte. Ihr größtes wissenschaftliches Verdienst ist der darin geführte Nachweis, dass Insekten nicht wie damals behauptet, aus Schlamm entstehen, sondern beschreibbare Entwicklungsstadien durchlaufen.

Obwohl ihr Ruhm sich in ganz Europa verbreitete, wurde das Prachtwerk kein finanzieller Erfolg. 1717 starb Maria Sibylla Merian, weltberühmt aber bettelarm, mit siebzig Jahren in Amsterdam.


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