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Frauen des Barockzeitalters (2) Die Gelehrte - Anna Maria van Schurmann

Geballte Frauenpower im Barock: Anna van Schurmann beherrschte zwölf Sprachen, tauschte sich mit den Größen der europäischen Geisteswelt aus, malte, schrieb lateinische Gedichte, verfasste eine philosophische Denkschrift und erregte mit ihrer umfassenden Bildung das Staunen der Zeitgenossen.

Von: Ein Film von Ursula Schlude

Stand: 17.11.2011

Anna Maria von Schurmann | Bild: BR

Geboren wurde Anna Maria Schurmann am 5. November 1607 in Köln, wohin schon ihre Großeltern von Antwerpen wohl aus Glaubensgründen geflüchtet waren. Später zog die Familie wieder nach Holland, ins fortschrittliche Utrecht, zwischendurch lebte die nicht sehr wohlhabende adlige Familie in der friesischen Universitätsstadt Franeker, um den zwei Brüdern Anna Marias ein kostengünstiges Studium zu ermöglichen. Anna Maria war voll in die Familienpflichten eingespannt, wohl aus Geldgründen verzichtete sie auf Heirat, über vierzig Jahre lang blieb sie im Haus der Mutter und pflegte dort auch noch Verwandte.

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Wie konnte sie so gebildet werden? Sie besuchte keine Schule, "durfte" aber mit den Brüdern am Hausunterricht teilnehmen. Sie war sicherlich eine sogenannte Hochbegabte. Von ihrem Vater lernte sie Latein und Französisch. In ihrem Lebensrückblick, den sie mit dem Anspruch einer Gelehrten selbstverständlich auf lateinisch verfasste, berichtet sie von weiteren Studien im Schlepptau der Brüder: Griechisch, Arithmetik, Geographie, Astronomie, Musik und Malkünste. Sie las alle griechischen und lateinischen Klassiker, entwickelte auch hohe Fertigkeiten in verschiedenen kunstgewerblichen Techniken.

Ein glücklicher Umstand machte Anna Maria zu einer europaweit bekannten Frau. In Utrecht wurde 1737 eine neue Universität gegründet, der Gründungsrektor bat die damals schon stadtbekannte Anna Maria, ein Lobgedicht auf das Ereignis zu verfassen, in Latein. Sie wurde damit zu einer Art Maskottchen, zur Muse der neuen Lehranstalt.

Um 1638 verfasste sie, durch den Briefwechsel mit einem Gegner des Frauenstudiums herausgefordert, eine "Dissertatio" zu diesem Thema, in der sie schon alle Argumente aufführte, die noch fast 300 Jahre lang unermüdlich wiederholt werden mussten, um den Zugang der Frauen zu formeller Bildung endlich zu ermöglichen. Menschenrecht, Gleichheit der Geschlechter vor Gott, die von Gott auferlegte Pflicht zur "Selbstverbesserung" des Menschen, waren ihre wichtigen Argumente.

Eine seltsame Wende machte Anna Maria, als sie frei von familiären Pflichten endlich ihren eigenen Weg gehen konnte. Sie war ohne Familie und unverheiratet und schloss sich wohl deshalb der protestantischen Sekte der sogenannten Labadisten an. Mit dieser Sekte lebte sie vorübergehend auch in Deutschland und im damals noch dänischen Altona bei Hamburg. Gestorben ist sie am 4. Mai 1678 in Wiewert.


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