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Frauen des 18. Jahrhunderts (2) Karoline Kaulla, Hebräerin aus Hechingen

In jüdischen Familien des 18. Jahrhunderts übernahmen Frauen oft die Geschäfte verstorbener Ehemänner oder sprangen für sie zu Lebzeiten ein, wenn sie wenig Unternehmergeist zeigten. Karoline Kaulla, Begründerin einer Stuttgarter Bankiersdynastie, finanzierte so Österreichs Kriege gegen Napoleon.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Ursula Schlude

Stand: 16.12.2011

Karoline Kaulla | Bild: BR

Karoline Kaulla (1739–1809) war die Tochter eines "Hofjuden", der für die Häuser Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen arbeitete. Nach ihrer Hochzeit wurde sie selbst unternehmerisch aktiv und machte als Hoffaktorin eine glänzende Karriere. Im späten 18. Jahrhundert galt sie als reichste Frau Deutschlands. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie im schwäbischen Hechingen.

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Die Aufgabe der Hoffaktoren bestand im 17. und 18. Jahrhundert darin, Hof und Heer eines Landesherrn mit Material und Ausrüstungsgegenständen zu beliefern. Sie arbeiteten zudem als Bankiers und Finanzberater. Den Herrschern verhalfen sie zu Krediten, mit denen diese ihre aufwendige Hofhaltung und ihre Bauprojekte finanzierten. Weil christliche Kaufleute nur wenig Interesse an solch riskanten Geschäften zeigten, fiel die Aufgabe meist jüdischen Unternehmern zu. Sie verfügten über internationale Verbindungen, konnten Verwandtschaftskontakte nutzen und hatten Zugang zu den begehrten Kreditgeldern. In der Finanzverwaltung spielten die "Hofjuden" seit der Mitte des 17. Jahrhunderts eine unentbehrliche Rolle nicht nur an kleinen Höfen, sondern auch in Österreich, z. B. während der Regierungszeit Maria Theresias (1717-1780). Hofjuden, die in der Gunst eines Fürsten standen, erhielten Schutz und Privilegien, liefen aber auch Gefahr, Intrigen zum Opfer zu fallen.

Die ehrgeizige, höchst erfolgreiche Unternehmerin Karoline Kaulla finanzierte den Krieg des deutschen Reiches gegen Napoleon. Sie versorgte die kaiserlichen Truppen mit Nachschub und gründete unter dem Schutz ihres Landesherrn, des Herzogs und späteren Königs von Württemberg, die erste Kreditbank für Handel und Industrie in Stuttgart.


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