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Die Französische Revolution (1/3) Frankreich vor der Revolution

Im Mai 1789 ruft Ludwig XVI. die Generalstände ein. Er braucht dringend Geld, die Versammlung soll es bewilligen. Aber Bauern und Bürger wollen ein neues Abstimmverfahren. Als das Zugeständnis ausbleibt, bricht die Revolution aus.

Von: Edeltraud Glaser, ein Film von Wolf Schneider

Stand: 15.03.2013

Zeitgenössischer Stich von der Französischen Revolution | Bild: picture-alliance/dpa

Das Alte Regime hat abgewirtschaftet

Fünfzehn Jahre vor der Revolution besteigt Ludwig XVI. den Thron von Frankreich. Die Staatsordnung ist seit Jahrhunderten unverändert. Der Wille des Königs ist oberstes Gesetz, niemand hat das Recht, seine Entscheidungen in Frage zu stellen, so die Theorie. Aber regiert Ludwig XVI. wirklich - träge, gutmütig und unentschlossen wie er ist? Sein Finanzminister Necker hat es schwer, ihm den drohenden Staatsbankrott klarzumachen.

Leere Kassen und ständische Privilegien

Die Staatskasse ist leer. Die eingehenden Steuergelder reichen nicht aus für das Heer, die Beamten, die großzügigen Adelspensionen und den Luxus am Hof von Versailles: Denn nur der Dritte Stand - die Bürger in der Stadt und die Bauern auf dem Land - wird vom Staat zur Kasse gebeten. Die beiden oberen Stände, die Geistlichkeit und der Adel, genießen das Vorrecht, von jeder Steuer befreit zu sein, obwohl sie über großen Grund- und Immobilienbesitz verfügen. Auch freiwillige Beiträge wollen sie nicht leisten, und sie weisen den König auf das alte ständische Recht hin, die Steuerbewilligung. 180 Jahre lang hat der König von Frankreich die Steuern allein festgesetzt.

Der König braucht frisches Geld

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Jetzt sieht sich Ludwig XVI. gezwungen, zum letzten Hilfsmittel zu greifen, um zu Geld zu kommen. Er beruft die Generalstände ein, die 1614 zum letzten Mal zusammengetreten waren. Bisher schickte jeder Stand 300 Abgeordnete in die Versammlung. Von Necker gedrängt, stimmt Ludwig XVI. einer ungeheuren Neuerung zu: Der Dritte Stand, der 96 Prozent des französischen Volkes vertritt, erhält so viele Abgeordnete wie die beiden oberen Stände zusammen. In den Salons, auf den Straßen, sogar in den Bauerndörfern wird heftig diskutiert, um die Beschwerden zu formulieren, die die Abgeordneten zur Sprache bringen sollen.

Im Ballhaus beginnt der Tanz

Im Mai 1789 treten die Generalstände in Versailles zusammen; Ludwig XVI. hält die Eröffnungsrede. Gespannt warten die Abgeordneten des Dritten Standes, wie er die wichtigste Verfahrensfrage entscheiden wird: Abstimmung nach Ständen wie bisher oder Abstimmung nach Köpfen. Nur im letzten Fall hätte der Dritte Stand die Chance, sich durchzusetzen. Aber der König lässt alles offen. Die Enttäuschung darüber schlägt in Empörung um. Da der Dritte Stand tatsächlich das Volk vertritt, erklärt er sich zur Nationalversammlung und fordert die beiden oberen Stände zum Beitritt auf. Das ist ein revolutionärer Akt, den der König nicht hinnehmen will. Er zieht Truppen zusammen, aber er schlägt nicht zu. Sein Zögern gibt Anlass zu den wildesten Gerüchten. In Paris rotten sich Volkshaufen zusammen und machen sich mit Erfolg auf die Suche nach Waffen. Mit Kanonen und Gewehren ziehen sie vor die Bastille, eine alte Festung, die als Gefängnis dient. Soldaten des Königs solidarisieren sich mit dem Volk und am 14. Juli 1789 wird die Bastille, das Symbol für die Willkür des absoluten Königs, gestürmt. Die Revolution beginnt.


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