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Europäische Kostbarkeiten (6) Theologie in Stein - Die Kanzel des Giovanni Pisano in Pisa

Eigentlich sind Kanzeln nur Redebühnen, auf denen Prediger die Bibel auslegen. Die Kanzel des Doms in Pisa ist weit mehr als das: Sie ist selbst symbolische Verkündigung, eine in Bildern, Gesten, Figuren sprechende Glaubensunterweisung und eine in Stein gehauene Summe der Theologie ihrer Zeit.

Von: Josef Ilg, Hakon Ruprecht, Volker Eklkofer & Hans Leitner, ein Film von Franz Baumer

Stand: 06.07.2012

Blick auf die Fassade vom Dom in Pisa | Bild: picture-alliance/dpa

Im ersten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts schuf der Bildhauer Giovanni Pisano mit der Kanzel für den Dom zu Pisa ein Meisterwerk der italienischen Gotik. Die frei im Kirchenraum stehende "architektonische Skulptur" verdichtet durch ihren sinnbildhaften Aufbau sowie die Anordnung und die Bedeutung des reichen Figurenschmucks die theologischen Grundlagen des Hochmittelalters in einem ebenso materiellen wie geistigen Lehrgebäude.

Bildhafte Verkündigung und Laienbibel

Den gelehrten Zeitgenossen Pisanos war diese Theologie in Stein vertraut. Sie nutzten das Kunstwerk als kompakten Wissensspeicher, lasen es als sprechendes Abbild der göttlichen Heilsordnung und Kompendium zentraler Glaubensaussagen. Angeleitet und unterwiesen durch die Auslegungen der Prediger fanden auch leseunkundige Laien in der Bilderkanzel eine hilfreiche Verständnis- und Gedächtnisstütze.

Leseanleitung für Augen und Hirn

Detail an der Kanzel im Dom

Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Zeitgenossen Pisanos beim Betrachten der Kanzel gültiger Glaubenswahrheiten versicherten, haben wir Heutigen verloren. Wir müssen uns die ferne Bilder- und Gedankenwelt erst wieder neu erschließen. In diese versunkene Welt taucht die filmische Studie ein. Sie erkundet das philosophisch-künstlerische Programm der Pisano-Kanzel und macht das facettenreiche Beziehungsgeflecht zwischen Antike und Christentum, zwischen Altem und Neuem Testament, zwischen Philosophie und Theologie für unsere Augen sichtbar.


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