ARD-alpha - Schulfernsehen


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Welt der Ritter Die Burg im Mittelalter

Burgen waren nicht nur Festungen, sondern auch wichtige Kommunikations- und Wirtschaftszentren. Hier dichteten Minnesänger, hier lebten Ritter mit Familie und Gesinde. Doch mit den Feuerwaffen kam das Ende des Rittertums.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Frank Haase

Stand: 12.04.2013

Symbolbild: Burg Hornberg im Nebel | Bild: picture-alliance/dpa

Raubzüge der Wikinger und Ungarn

Drohte im frühen Mittelalter ein feindlicher Überfall, flohen die Menschen in die Wälder oder suchten Schutz in Fliehburgen, die von Erdwällen umgeben waren. Wohnhaus und gesicherter Unterschlupf waren nicht selten voneinander getrennt. Erst im 9. Jahrhundert wurden beide Elemente zusammengefasst, Türme gebaut und Ringmauern gezogen.

Den Anstoß für den Burgenbau dürften die seit Ende des 8. Jahrhunderts stattfindenden Züge der Wikinger gegen die Küsten Europas und ihr Eindringen auf Flüssen landeinwärts gegeben haben. 836 plünderten die Normannen London, 845 Paris und Hamburg, 881/882 Köln. Daneben fielen ihnen zahlreiche Dörfer und kleinere Städte zum Opfer.

Für das Territorium des ostfränkischen Reiches waren vor allem die Ungarn eine ernste Bedrohung. Zwar gelang es 933 durch den Sieg bei Riade an der Unstrut die Ungarneinfalle vorübergehend zu stoppen, doch die Gefahr blieb. König Heinrich I. (reg. 919-936) ordnete deshalb den Bau von Burganlagen an. So entstand eine Kette von Befestigungen, die den Feind abwehren und zugleich Verwaltungsaufgaben übernehmen sollten.

Adel verpflichtet - Burgenbau im Mittelalter

Verantwortlich für den Burgenbau waren Adelige. Sie hatten bislang unter den Bauern in den Dörfern gelebt. Nun errichteten sie Bastionen, die einstige Fluchtburg wandelte sich zur Wohnburg. Der Burgenbau-Boom erreichte seinen Höhepunkt im 12. Jahrhundert. Noch heute sind im Gebiet des Mittelrheins, entlang des Neckars und anderer Flüsse, im Elsass und auf den Bergen Tirols zahlreiche Burgruinen zu finden.

Unterschiedliche Typen von Burgen

Die frühen Burgen waren noch recht kleine Bollwerke mit einfachen Holzhäusern, doch bald wurden wuchtige Steinblöcke zum Haus- und Mauerbau verwendet. In Bergregionen oder hügeligen Gegenden entstanden Höhenburgen. Sie unterschieden sich von Anlage zu Anlage sehr stark, denn es musste gebaut werden, wie der Berg es eben zuließ. In den Ebenen errichtete man Wasserburgen, die mit breiten Gräben umgeben waren oder in einen Flussbogen eingepasst wurden.

Die Funktion der mittelalterlichen Burg war, verglichen mit der Stadt, sehr einfach. Während Städte die Bedürfnisse viele Bürger, Handwerker, Händler etc. zu berücksichtigen hatten, war die Burg ganz auf die (Schutz-)Ansprüche des adligen Burgherren und seiner Familie zugeschnitten.

Spielszenen geben Einblick ins Burgleben

Ein Ritter reitet durch einen Torbogen.

In szenischen Rekonstruktionen schildert die Sendung das Leben auf einer Ritterburg, erklärt ihren Aufbau und die Funktion der verschiedenen Räumlichkeiten. Die Burg war ein militärischer Stützpunkt, Verteidigung und Kampf spielten eine große Rolle. Die Söhne der Burgherren wurden auf Nachbarburgen zu Rittern ausgebildet, bewiesen ihr kämpferisches Können in Turnieren und setzten es in Kriegen ein.

Der Niedergang des Rittertums

Die Erfindung des Schießpulvers änderte in der frühen Neuzeit die Kriegstaktik grundlegend, die Voraussetzungen für die Sonderstellung des Ritters entfielen. Burgen konnten mit Geschützen nun sturmreif geschossen werden. Der noble Einzelkämpfer, der im Krieg einen Gegner zum entscheidenden Zweikampf herausfordern konnte, hatte zu Zeiten der Massenheere keine Bedeutung mehr.


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