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Blum & Blümchen Heilpflanzen

Die Augen brennen, die Nase läuft, eine Erkältung bahnt sich an. Kein Problem, wozu gibt's Apotheken! Aber muss es immer gleich die Chemo-Keule sein? Gegen leichtere Zipperlein helfen auch natürliche Heilmittel. Die wachsen gratis direkt vor der Haustür, im eigenen Garten oder auf der Fensterbank.

Von: Udo Hampl & Beate Carla Brustmann, ein Film von Inka Friese & Simone Masarwah

Stand: 13.04.2012

Johanniskraut | Bild: picture-alliance/dpa/ Klaus Nowottnick

Bis ins späte 19. Jahrhundert hinein waren Naturstoffe und vor allem Arzneipflanzen unverzichtbare Grundlagen der Heilkunde. Mediziner und Apotheker nutzten einen in Jahrhunderten gewachsenen Wissens- und Erfahrungsschatz, der auf die Klostermedizin des Mittelalters zurückgeht. Schon seit dem 8. Jahrhundert hatten Mönche und Nonnen antike Werke über Kräuter und Heilpflanzen kopiert, volkskundliche Heilmethoden aus ganz Europa sowie eigene Beobachtung zusammengetragen und auf dem Fundament dieses Wissens pflanzliche Heilmittel hergestellt. Das Aufkommen synthetischer Medikamente fegte diese Tradition auf den Kehrrichthaufen der Geschichte. Die Heilmethoden des Mittelalters wurden als "Wunderheilerei" belächelt und standen lange Zeit unter Esoterikverdacht.

Es muss nicht immer gleich die Chemo-Keule sein

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Seit einigen Jahren wächst das Interesse an Naturheilverfahren und das Vertrauen in pflanzliche Arzneimittel nimmt zu. Diese Neubesinnung ist alles andere als ein wundergläubiger Rückfall in vorwissenschaftliche Zeiten. Im Gegenteil: Intensive Forschungen haben die erstaunliche pharmakologische Wirksamkeit natürlicher Heilmittel und Heilpflanzen hinlänglich bestätigt und eine fieberhafte Suche nach neuen "sanften" Wirkstoffen ausgelöst. Pharmaunternehmen bringen vermehrt "rein pflanzliche" Produkte auf den Markt, pflanzenmedizinische Ratgeber überschwemmen den Büchermarkt.

Die Apotheke auf der Fensterbank

Aber eigentlich muss niemand teure Bio-Arzneien in der Apotheke kaufen. Viele Kräuterheilmittel gibt es gratis, direkt vor der Haustür und im eigenen Garten. Zum Beispiel die Pfefferminze: Als altbewährtes Hausmittel hilft sie bei Bauchschmerzen und Übelkeit. Sie lässt sich, wie die meisten Heilpflanzen, mit einfachen Mitteln kultivieren. Alles was man braucht, ist ein geeignetes Gefäß, ungedüngte Kräutererde, viel Wasser und die entsprechenden Setzlinge. Eine sehr interessante heimische Arzneipflanze ist auch das Johanniskraut. Es enthält ein Öl, das die Wundheilung fördert, aber auch Depressionen vertreiben und entspannend und ausgleichend wirken soll. Die Ernte erfolgt zwischen Juni und Anfang September. Zu dieser Zeit ist die Wirkstoffkonzentration in den Blüten und den Blättern der Pflanze am höchsten. Das geerntete Johanniskraut wird gewaschen, trocken geschüttelt, gehäckselt und anschließend mit kochendem Wasser überbrüht. Nach diesen Vorarbeiten wird der rötliche Johanniskrautsaft ausgepresst. In Flaschen abgefüllt, wird das "Elexier" dann im Handel angeboten.

Nicht gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen!

Aber Vorsicht! Mit naiver Naturverklärung ist niemandem geholfen. Auch Heilpflanzen können gefährliche Nebenwirkungen haben und bei akut bedrohlichen Erkrankungen darf die Einnahme synthetisch hergestellter Medikamente nicht hinausgezögert werden. Dennoch können Heilpflanzen eine interessante Alternative sein, wenn man sie gezielt dort einsetzt, wo ihre Wirksamkeit belegt ist.



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