ARD-alpha - Schulfernsehen


4

Fortsetzung folgt! Voy! Edis will ins Team

Edis muss einen harten Schlag verkraften. Vor drei Jahren ist er blind geworden, seither müssen seine Ohren die Augen ersetzen. Das ist nicht leicht, schon gar nicht, wenn man unbedingt Fußball spielen möchte. Aber Edis lässt sich nicht entmutigen und trainiert hart für seinen großen Traum.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Nicole Volpert

Stand: 01.03.2012

Edis auf dem Fußballplatz | Bild: BR

Edis war zehn, als seine Augen immer schlechter wurden. Jetzt ist er dreizehn und völlig blind. Dadurch hat sich sein Leben komplett verändert. Er besucht nun eine Förderschule für Blinde und Sehbehinderte, wo ihn speziell ausgebildete Lehrer unterrichten. Aber anders als seine früh erblindeten Mitschüler war Edis mit der Braille-Blindenschrift nicht vertraut. Die musste er zusätzlich zum Lehrstoff auch noch pauken. Das war und ist nicht leicht. Angefreundet hat er sich mit der Punktschrift noch immer nicht, daher liest er auch noch lange nicht so flüssig wie die anderen in der Klasse.

Was ihn aber wirklich nervt ist seine Abhängigkeit. Um zur Schule und nach Hause zu kommen, ist Edis auf einen Fahrdienst angewiesen. Das ist zwar bequem, engt jedoch seine Bewegungsfreiheit ein. Wenn er nachmittags etwas unternehmen möchte, braucht er immer jemanden, der ihn fährt. Dann heißt es bitten, warten und häufig auch verzichten.

Edis will auf eigenen Füßen stehen

PDF-Download

Davon hat der Dreizehnjährige jetzt endgültig genug. Er möchte unbedingt selbstständiger sein und zumindest den Schulweg alleine bewältigen. Mit seiner Mobilitätstrainerin, die ihm beibringt, wie er sich mit dem pendelnden Langstock sicher in der Stadt bewegen kann, hat er deshalb hart geübt und seinen Schulweg buchstäblich auswendig gelernt. Doch seine Mutter hat Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte, dass er noch nicht so weit ist, um sich alleine zurechtzufinden.

Da hilft nur eins: Er muss ihr klar machen, dass sie sich täuscht, dass sie ihm vertrauen und ein Stück mehr Freiheit zugestehen kann. Das geht am Besten durch einen praktischen Beweis. Mit einem Probegang, den die Trainerin und seine Eltern im Hintergrund begleiten, will er die Bedenken zerstreuen. Und Edis schafft es tatsächlich. Nur mit Hilfe seines Stocks, seines Gehörs und seiner Erinnerung bewältigt er den einstündigen Weg von der Schule nach Hause. Er findet sich souverän im Gewirr der Treppenauf- und -abgänge zurecht, geht sicher um Hindernisse herum, steigt in die richtige S-Bahn ein und landet wohlbehalten an der Wohnungstür. Seine Selbständigkeit und sein starker Wille überzeugen schließlich die Mutter. Obwohl sie natürlich immer noch besorgt ist, willigt sie ein: Künftig darf Edis alleine zur Schule gehen.

Die Bundesliga ruft

Das wäre geschafft! Edis hat einen wichtigen Schritt gemeistert. Aber es gibt noch einen Wunsch, einen großen, den er sich unbedingt erfüllen möchte. Edis will Fußball spielen. Und zwar in der Bundesliga. In der Blindenfußball-Bundesliga, um genauer zu sein. Die gibt es seit 2008, und der Berliner Verein, in dem Edis zusammen mit anderen blinden und sehbehinderten Kickern trainiert, wird am kommenden Wochenende in Hannover um den Meistertitel kämpfen.

Doch obwohl er sich tüchtig ins Zeug legt, Mut und Orientierungssinn beweist, und aus seinem Ehrgeiz keinen Hehl macht, ist sein Trainer Moritz unentschlossen. Edis ist mit 13 noch sehr jung, hat wenig Spielerfahrung und gleich der erste Gegner am Samstag ist ausgerechnet der Bundesliga-Meister aus Marburg. Ein harter Brocken, nichts für Anfänger. Das weiß auch Edis. Dennoch gibt er beim letzten Vorbereitungstraining alles, um aufgestellt zu werden. Er schont sich nicht, bringt vollen Einsatz. Trotzdem: Der Trainer bleibt skeptisch. Aber immerhin darf Edis als Auswechselspieler mit nach Hannover. Wieder eine Chance. Wieder ein Schritt!

Endlich auf dem Rasen!

Am Samstagmorgen sitzen die Berliner Blindenfußballer im Zug nach Hannover. In ein paar Stunden steigt das erste Spiel. Die Spannung ist groß, noch einmal werden taktische Feinheiten und strategische Grundlinien durchexerziert. Äußerlich gibt sich Edis gelassen und glaubt fest daran, dass er für seine Mannschaft aufs Feld darf. Doch die erste Halbzeit verstreicht und Edis sitzt immer noch auf der Ersatzbank. Auch nach der Pause wechselt ihn Trainer Moritz nicht ein. Das ist ein Dämpfer, mit dem er nicht gerechnet hat. Als er die Hoffnung schon fast begraben hat, passiert es: Moritz schickt ihn auf den Rasen. Endlich! Es ist soweit. Edis hat es gepackt. Sein großer Wunsch ist doch noch wahr geworden: Er spielt in der Bundesliga, als jüngster Kicker! Da macht es auch nichts, dass der Marburger Meister die Partie mit 1:0 für sich entscheidet. Morgen ist auch noch ein Tag mit neuen Chancen. Außerdem ist dabei sein und an seinen Träumen arbeiten manchmal wichtiger als gewinnen! Und wer weiß, vielleicht klappt das mit der Nationalmannschaft auch noch eines Tages.


4