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Bauberufe des Mittelalters Berufe im Wald

Holz war neben dem Stein das wichtigste Bau- und Konstruktionsmaterial des Mittelalters. Wir verfolgen den Weg des Holzes vom Wald über die verschiedenen Werkstätten bis hin zu seinen vielfältigen Einsatzorten.

Stand: 29.04.2013

Arbeit mit Holz beim Mittelalterlichen Burgbau | Bild: SWR

Der Name Guédelon steht für ein weltweit einmaliges Projekt: Mitten in Burgund, im Departement Yonne, bauen rund 50 Menschen seit 1997 eine mittelalterliche Wehrburg ausschließlich mit Materialien und Techniken des 13. Jahrhunderts.

Guédelon: Ein historisches Live-Experiment

Was in einem aufgelassenen Steinbruch nahe der kleinen Stadt Saint-Sauveur-en-Puisaye langsam Gestalt annimmt, ist weit mehr als eine touristische Attraktion, die Geld in die Region spülen soll. Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen, vor allem Architekten, Kunsthistoriker, Baukundler, erhoffen sich praxisnahe Einblicke in bislang unerforschte und theoretisch nicht rekonstruierbare Einzelheiten des mittelalterlichen Baubetriebs. In Guédelon können sie bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2023 alle Etappen der Errichtung buchstäblich hautnah mitverfolgen, dokumentieren und auswerten.

Bauen wie im Mittelalter

Das zentrale Anliegen des Projekts besteht darin, den Mikrokosmos einer mittelalterlichen Baustelle wirklichkeitsnah abzubilden und dabei ein Höchstmaß an Autarkie zu erreichen. Daher werden alle benötigten Werkzeuge soweit irgend möglich von Töpfern, Seilern, Korbmachern, Schmieden, Zimmermännern und Böttchern unmittelbar vor Ort und mit den Mitteln und Materialien des 13. Jahrhunderts erzeugt.

Arbeit mit Steinen

Eine mittelalterliche Mauer wird nachgebaut | Bild: SWR zum Artikel Bauberufe des Mittelalters Der Weg des Steins

Die Burgen und Kathedralen des Mittelalters begeistern noch heute. Aber wie wurden sie gebaut? Mit welchen Materialien und Techniken? Um das herauszufinden, versetzen sich französische Burgenbauer zurück ins 13. Jahrhundert. [mehr]

Auch die Steine werden in einem Steinbruch auf dem Gelände gebrochen, das nötige Bauholz stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Um den Eindruck einer mittelalterlichen Großbaustelle zu vervollkommnen, leben die Handwerker während der Sommermonate in Hütten auf dem Gelände. Schafe, Ziegen und Kühe sorgen für die wichtigsten Grundnahrungsmittel, sogar ein Teil der Kleidung wird in den über das Waldgelände verstreuten Werkstätten angefertigt.

Berufe im Wald

In der zweiten Folge stellt der Archäologiestudent Frank handwerkliche Tätigkeiten und Arbeitstechniken rund um das Holz vor.

Holzfäller liefern das Rohmaterial

Am Beginn der Holzverarbeitungskette steht das Fällen der Bäume. Diese schwere und gefährliche Arbeit gehörte, wie auch die den Bau vorbereitende Rodung, zu den Aufgaben der Waldarbeiter. Meist wurden die Stämme vor Ort nur grob bearbeitet, zu Balken geschlichtet und dann zwei bis drei Jahre gelagert. Danach sind sie ausgetrocknet und leichter zu transportieren. Zudem kann sich das Holz nicht mehr verziehen.

Experten für Holzkonstruktionen

Holzkonstruktion

Der Zimmerer übt eines der wichtigsten Bauhandwerke des Mittelalters aus. Er ist von Beginn bis zum Ende mannigfach ins Baugeschehen eingebunden und daher, im Gegensatz zu anderen Gewerken, meist dauerhaft auf der Baustelle beschäftigt. Die Zimmerer verarbeiten das angelieferte Holz zu Gerüsten, Tischen, Dachstühlen oder Laufrädern. Sie arbeiten nicht nur wesentlich genauer als die Holzfäller, sondern beherrschen auch den Umgang mit Maßschnur und Winkeleisen. Nägel waren im Mittelalter sehr teuer, deshalb setzte man beim Bau von Tischen, Dachstühlen oder Türstöcken auf Holzverbindungen. Je mehr man die Einzelteile ineinander verzahnt, desto besser hält die Verbindung. Selbst schwere Balken für Gerüste und Brücken lassen sich mit ineinander greifenden Nut- und Federverbindungen stabil zusammenfügen.

Transportbehälter für alle Gelegenheiten

Der Korbflechter stellt u. a. die zum Transport von Baumaterial notwendigen Körbe her. Dazu werden Weiden im Winter geerntet und getrocknet. Vor der Verarbeitung stellt man sie ins Wasser, damit sie biegsam sind. Wird die Rinde entfernt, sind die Körbe elastischer, lässt man die Rinde dran, ist der Korb später wasserabweisend. Zuerst wird der Boden geflochten, dann die Seitenwände und als Abschluss werden die Griffe befestigt. Auf Schönheit braucht der Korbflechter keinen Gedanken verschwenden. Was zählt, ist alleine die Stabilität seiner Produkte, die als Transportbehälter für schwere Lasten, Mörtel und Steine hart heran genommen werden.


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