ARD-alpha - Schulfernsehen


2

Angst im Nacken Casey will ihre Angst besiegen

Casey hat Angst vor der Schule. Montagmorgen ist es am schlimmsten. Dann ist die Angst manchmal so arg, dass sie Bauch- und Kopfschmerzen bekommt und ihre Haut zu jucken beginnt. Damit muss Schluss sein. Sie will angstfrei leben!

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Sylvia Koschewski

Stand: 24.05.2013

Casey wird krank weil sie Angst davor hat, in die Schule zu gehen | Bild: MDR

Mobbing macht die Seele krank

Casey ist zwölf und eine gute Schülerin. Trotzdem hat sie Angst vor der Schule. Nicht vor den Lehrern, nicht vor den Prüfungen oder dem Unterrichtsstoff. Sondern vor ein paar Mädchen aus ihrer Klasse, die sich einen Spaß daraus machen, andere Kinder zu mobben. Auch Casey gehört zu ihren Opfern. Sie kleben ihr Zettel mit Spott- und Schmähgedichten auf den Rücken, pöbeln, "suchen sich immer wieder jemanden aus, den sie ärgern und schikanieren können". Natürlich nicht im Unterricht. Aber auf dem Schulhof, wenn die Lehrer nicht hinsehen. Im Klassenzimmer fühlt sich Casey sicher, doch sobald die Pause kommt, ist die Angst wieder da.

"Der Fehler bist du!"

Einmal nimmt Casey ihren ganzen Mut zusammen und fragt die Anführerin der Mädchengang, warum sie so gemein sind. "Du lebst, das ist dein Fehler", lautet die lapidare Antwort. Casey ist so geschockt, dass sie nicht mehr weiter weiß.

Die Hölle, das sind immer die andern

Angst macht klein, Angst macht einsam. Das muss auch Casey erleben. Am liebsten wäre sie unsichtbar geworden, für ihre Peiniger sowieso, aber auch für ihre Freundinnen. Weil sie sich schämt, weil sie mit keinem über ihre Sorgen sprechen kann und niemandem mehr vertraut, zieht sie sich zunehmend zurück. Schon der bloße Gedanke an die Schule löst Panik aus. Wehren kann sie sich gegen das Chaos ihrer Gefühle und ihre düsteren Vorstellungen genau so wenig wie gegen die Mädchen.

Der Körper leidet mit

Irgendwann fangen die Bauch- und Kopfschmerzen an, später kommt noch ein böser Juckreiz dazu. Vor allem am Montag ist es so arg, dass sie nicht mehr zur Schule gehen will. Keiner der Ärzte, die sie mit ihrer Mutter aufsucht, kann eine körperliche Ursache für ihre Leiden entdecken. Trotzdem hat sie die Schmerzen nicht erfunden, und die juckende Haut auch nicht. Die Symptome sind real, sie sind die Sprache des Körpers für den Aufruhr in ihrem Inneren, im Kopf, in der Seele. Caseys Angst ist zu einer echten Krankheit geworden, zu einer Angststörung.

Casey holt sich Hilfe beim Profi

Als Casey immer häufiger dem Unterricht fernbleibt und der Strudel ihrer Angst sie immer weiter hinabzieht, sucht sie Hilfe bei einem Kinder- und Jugendtherapeuten. Dort lernt sie Schritt für Schritt und spielerisch, sich ihrer Angst zu stellen. Sie versteht, was mit ihr passiert, macht sich klar, woher die Angst rührt, wann sie auftritt und übt, wie sie ihr wirksam entgegentreten kann.

"Nur Mut, das wird schon!"

Die Arbeit mit dem Therapeuten ist anstrengend, mühsam, langwierig aber auch erfolgreich. Nach und nach erfährt Casey, dass sie durch die Angst durchgehen kann und nicht vor ihr stehen bleiben muss. Auch ihre negativen Gedanken, die früher automatisch da waren und nicht weichen wollten, bekommt sie in den Griff. "Man muss sich halt Gutes und Hilfreiches einreden statt Schlechtes", weiß sie jetzt.

Sich stellen, heißt die Angst stellen

Nach einem halben Jahr hat sie es geschafft, auch weil ihre Freundinnen zu ihr halten, sie bestärken und ihr Mut zusprechen. Die Angst ist deutlich geringer geworden, die Bauchschmerzen sind weg. Es gelingt ihr immer öfter, die Angst ganz zu vergessen. Nun kann sie wieder ganz normal und ausgelassen mit anderen Kindern feiern. Auch mit der Schule klappt es wieder. Casey freut sich auf den Unterricht, sogar am Montag.

Casey hat die Angst besiegt

Casey ist stolz, dass sie so viel erreicht hat und froh über die Therapie: "Seitdem ich beim Psychologen war, ging es mir besser", sagt sie. "Früher hatte ich das Gefühl, ich müsste mir jetzt weiterhin angucken, wie ich geärgert werde, aber jetzt weiß ich, was ich tun kann, wen ich um Hilfe fragen kann." Sie hält nichts mehr davon, sich zu verkriechen, aus Scham zu schweigen und fremde Menschen um Beistand zu bitten: "Weil manchmal kann man sich halt nicht mehr an die Eltern wenden, manchmal braucht man halt mehr Hilfe, jemanden, der sich da auskennt."

"Ich möchte, dass es vorbei ist!"

Jetzt geht es ihr wieder richtig gut. Aber sie ist auf der Hut. Weil sie weiß, dass eine Angst nie ganz verschwindet. "Immer noch wird etwas Kleines von ihr da sein. Es könnte sein, dass die Angst wiederkommt", sagt Casey. Dennoch hofft sie, dass es vorbei ist. "Ich möchte nicht noch einmal diese schmerzenden Gefühle erleben, das war echt nicht sehr angenehm."


2