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Adam, Eva und die Evolution Kreationismus auf dem Vormarsch?

Muss man die Bibel wörtlich nehmen? Ja, sagen die Kreationisten: Eine Evolution hat nie stattgefunden, Darwin irrt. Gott hat die Welt in einem Zug so geschaffen, wie sie heute ist. Gegen diesen Fundamentalismus wehren sich Wissenschaft und Theologie.

Von: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer, ein Film von Dirk Neumann und Hans-Jürgen von der Burchard

Stand: 12.07.2013

Affe liegend | Bild: picture-alliance/dpa

Von welcher Schöpfung berichtet die Bibel?

Die Schöpfung dauerte sechs Tage. Am ersten Tag schuf Gott das Licht und trennte es von der Dunkelheit. Am zweiten Tag teilte er die Wasser und wölbte den Himmel. Am dritten Tag schied er die Wasser vom Land und rief die Pflanzen ins Leben. Am vierten Tag setzte er die Gestirne an den Himmel. Am fünften Tag schuf er die Tiere des Wassers und der Luft und schließlich am sechsten Tag zuerst die Tiere des Landes und zuletzt den Menschen. Er schuf ihn zu seinem Bilde, ihm gleich, bestimmt, die Erde zu füllen und zu herrschen "über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte."

Darwin und die Vielfalt der Arten

Flugsaurierskelett

So steht es in der Bibel. Die moderne Wissenschaft präsentiert eine andere Version. Für sie haben sich die Lebewesen auf natürliche Weise in einem Jahrmillionen dauernden Evolutionsprozess durch funktionale Anpassungen und Auslese, durch Mutation und Selektion, entwickelt. Nach Charles Darwin (1809-1882), dem Entdecker dieser Theorie, stammen alle heutigen Lebewesen, auch der Mensch, von früheren, andersartigen Lebewesen ab: "Die Arten sind nicht durch wunderbare Schöpfungsakte entstanden, sondern infolge langsam wirkender und noch fortdauernder Ursachen!"

Tatsache oder Mythos?

Von dieser breit akzeptierten wissenschaftlichen Leittheorie sind jedoch längst nicht alle Zeitgenossen überzeugt. Die Erkenntnis, dass Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren haben, und die biblische Schöpfungsgeschichte keinesfalls ein handfester Tatsachenbericht ist, überfordert noch heute viele Menschen. Vor allem in den USA verteidigen evangelikale Christen beharrlich die naturkundliche Autorität der biblischen Urgeschichte. Überzeugt von der einmaligen Schöpfungstat Gottes, bezeichnen sie sich selbst als Kreationisten, als Schöpfungsgläubige.

Biblische Fundamentalisten

Schätzungen zufolge lehnen etwa 40 Prozent aller Amerikaner die Evolutionstheorie zugunsten eines allgewaltigen göttlichen Weltenerschaffers ab. Und es sind beileibe nicht nur die Ungebildeten, die Rückständigen, die diese Sicht favorisieren. Zum Kreationismus bekennen sich auch Akademiker, Naturwissenschaftler und Politiker aller Parteien. Den stärksten Rückhalt haben die Schöpfungsgläubigen dabei in konservativen Kreisen: Immerhin 68 Prozent aller Anhänger der Republikaner halten am Schöpfungsglauben fest, doch selbst unter Demokraten und unabhängigen Wählern bezeichnen sich noch 40 Prozent als Evolutionsskeptiker.

Die Sintflut schwappt über

Trotz seiner ursprünglichen Herkunft aus dem bibeltreuen amerikanischen Evangelikalismus ist der Kreationismus mittlerweile auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Etwa 1,3 Millionen Bundesbürger verwerfen die Evolutionstheorie und rund 32 Prozent der Bevölkerung können sich einer TNS Infratest-Umfrage vom November 2005 zufolge nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass Affen und Menschen gemeinsame Vorfahren haben.

Unterwandern Kreationisten die Schulen?

Tatsächlich aufschrecken dürfte indes, was eine Umfrage unter 1200 Lehramtsstudenten in Dortmund ergab: Rund 15 Prozent der Lehramtsstudenten aus allen Fachrichtungen lehnten die Evolutionstheorie ab. Sogar bei künftigen Bio-Lehrern lag der Anteil immerhin noch bei sieben Prozent.


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