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Frauen des 18. Jahrhunderts (1) Prinzessin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth

Als die preußische Prinzessin Wilhelmine 1731 den späteren Markgrafen Friedrich von Bayreuth heiratet, droht ein tristes Leben in der fränkischen Provinz. Doch mit enormer Kreativität schafft sie einen Musenhof, fördert Künstler und macht als Bauherrin das "Bayreuther Rokoko" europaweit bekannt.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Ursula Schlude

Stand: 09.12.2011

Prinzessin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth | Bild: BR

Wilhelmine Friederike Sophie (1709-58) ist die Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. (1688-1740). Schon als kleines Mädchen wird die Prinzessin von der Mutter, die aus dem Hause Hannover stammt, darauf vorbereitet, Königin von England zu werden. Als die Verbindung an Hofintrigen und einer unkoordinierten Heiratspolitik scheitert, muss sie 1731 den späteren Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth (1722-63) heiraten.

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In ihren Mémoires berichtet sie von einer trostlosen Kindheit. Wilhelmine und ihr zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder Friedrich, der spätere König Friedrich II. der Große (1712-86), sind wie die anderen Geschwister dem Geiz, Jähzorn und Drill des Vaters ausgeliefert. Ihre Mutter, Königin Sophie Dorothea, behandelt sie lieblos und ist vor allem mit Heiratsprojekten beschäftigt. Einige Historiker zweifeln allerdings an Wilhelmines Darstellung, vor allem das Bild des bösartigen Vaters halten sie für verzerrt.

Nach ihrer Hochzeit mit Friedrich von Brandenburg-Bayreuth zieht die intelligente und gebildete Wilhelmine ins "Exil", in die fränkische Provinz. Statt eines Palastes findet sie in Bayreuth ein verrottetes Schloss vor, in dem der trunksüchtige Schwiegervater das Sagen hat. Wider Erwarten verliebt sie sich in Friedrich und als dieser die Regentschaft übernimmt, kann sie sich ihre ganz persönliche Idealwelt schaffen.

In Bayreuth begründet Wilhelmine einen einzigartigen Musenhof und entfaltet eine rege Bautätigkeit. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten erweitert sie den Schlossbereich Eremitage vor den Toren der Stadt, errichtet mit dem Neuen Schloss eine prachtvolle Residenz und legt den Felsengarten Sanspareil mit dem ersten Ruinentheater in der Architekturgeschichte an. Das Markgräfliche Opernhaus gilt als Krönung ihrer Bautätigkeit. Nach ihrem Tod im Jahr 1758 versinkt der Musenhof der Markgräfin in der Bedeutungslosigkeit.


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