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Frauen des 18. Jahrhunderts Angelica Kauffmann (1741-1807)

Viele Wunderkinder welken früh. Doch manche halten, was sie versprechen. Die Malerin Angelica Kauffmann ist eine dieser Ausnahmeerscheinungen. Sie war eine der bekanntesten Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts.

Von: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Angelika Finger

Stand: 13.01.2012

Angelika Kauffmann | Bild: BR

Mit dem Nachruhm ist es so eine Sache. Während Gainsborough, Hogarth und Reynolds noch heute als Dreigestirn der Malerei des 18. Jahrhunderts glänzen, ist Angelica Kauffmann meist nur noch Kennern der Epoche geläufig.

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Vor 200 Jahren sah das ganz anders aus. Dass die 1741 geborene und 1807 verstorbene Malerin je in Vergessenheit geraten könnte, hätte jeder auch nur halbwegs gebildete Zeitgenosse vehement bestritten. Schließlich war die Kauffmann um 1800 eine europäische Berühmtheit, eine gefeierte Künstlerin, deren Können die größten Geister der Zeit unisono rühmten. Johann Gottfried Herder etwa schätzte sie als "kultivierteste Frau Europas". Goethe empfand ihre Gesellschaft als anregend, vertraute auf ihren Kunstverstand, lobte ihr "unglaubliches, ungeheures" Talent.

In England, wo sie zwischen 1766 und 1781 lebte, stieg sie gar zur "göttlichen Angelica" auf und löste, so ein zeitgenössisches Briefzitat, eine regelrechte "Angelica-Madness" aus. Ihre Werke, in erster Linie die als "seelenvoll" gepriesenen Aristokraten- und Künstlerporträts, erzielten Höchstpreise und verhalfen der äußerst geschäftstüchtigen Kauffmann zu einem überaus ansehnlichen Vermögen. Die Malerin selbst avancierte aufgrund ihrer wachsenden Prominenz, ihrer Anmut, ihres einnehmenden Wesens sowie geschliffener Umgangsformen zum Darling der feinen Gesellschaft und kunstsinniger Zirkel. Dass sie darüber hinaus auch in Künstler- und Gelehrtenkreisen fraglos als Autorität anerkannt wurde, belegt nicht zuletzt ihre Rolle als Gründungsmitglied der Royal Academy of Arts (1768).

Der triumphale Aufstieg bis hin zur "englischen Apotheose" scheint früh vorgebahnt. Bereits die Sechsjährige macht durch Zeichentalent auf sich aufmerksam und gilt als "Wunderkind". Ihr erstes erhaltenes Selbstporträt malt sie dreizehnjährig, kaum 16 Jahre alt freskiert sie die Apostelbilder der Schwarzenberger Pfarrkirche. Einen ersten großen malerischen Coup, der sie schlagartig bekannt macht, landet die erst 23-Jährige mit dem Porträt Johann Joachim Winckelmanns. Auch künstlerisch leitet die Begegnung mit dem Archäologen und bedeutenden Kunstschriftsteller, der maßgeblich zur Rezeption der Antike durch die "Klassiker" beitrug, eine entscheidende Wende ein. Winckelmanns Einfluss bringt eine intensive Auseinandersetzung mit den Werken der klassischen Antike in Gang, die ihr Schaffen nachhaltig prägen und dem Frühklassizismus verpflichten.

Als Angelica Kauffmann am 5. November 1807 in Rom starb, veranstalteten die römischen Künstler ein riesiges Trauerfest – angeblich das prächtigste seit Raffaels Tod.


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