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Orkan, Taifun, Tornado... Welcher Sturm ist welcher?

Ein Orkan wütet in Europa. Ein Tornado eher in den USA. Aber wo genau gehören Taifune hin und was ist eigentlich ein Sandsturm? Eine Übersicht zur Begriffsklärung.

Von: Roland Schenke

Stand: 09.01.2015

Aufgepeitsche Wellen am Bodensee bei Lindau | Bild: Bayerischer Rundfunk

Sturm heißt unter Meteorologen jeder Wind ab einer Geschwindigkeit von 75 Kilometer pro Stunde (Beaufort-Windstärke 9). Bei über 117 km/h (12 Beaufort) ist es ein Orkan. Ab da aber wird die Namensgebung unübersichtlich. Zwar geht es meistens danach, wie ein Sturm geformt ist, in welcher Weltgegend er tobt und was er mit sich trägt. Doch zumindest in den Medien kann ein Zyklon statt im Indischen oder Pazifischen Ozean schon auch mal im Mittelmeer wüten und neuerdings wird auch mancher europäische Sturm als Hurrikan bezeichnet.

Sturmarten und wie sie heißen

Wirbelsturm

Eigentlich jedes Windphänomen, bei dem Luft schnell um eine Achse kreist. Meistens sind tropische Wirbelstürme gemeint. Sie entstehen auf dem Meer, wo Luft über warmem Wasser aufsteigt, immer mehr Luft mit sich reißt und durch die Drehung der Erde in Rotation versetzt wird. Treffen die bis zu 1000 km großen Wirbel auf Küsten, können sie enorme Zerstörungen anrichten.

Hurrikan

Ein tropischer Wirbelsturm, der im Nordatlantik oder dem Nordostpazifik auftritt. Die typische Saison dauert von Ende Mai bis Ende November und bringt ein bis zwei Dutzend Hurrikans, die in alphabetischer Folge Vornamen bekommen. 2005 werden es über 30. Der schlimmste ist Nr. 11: Katrina, die New Orleans völlig verwüstet und über 1000 Menschen tötet.

Taifun

In Ost- und Südostasien heißen die tropischen Wirbelstürme Taifune. Im Durchschnitt sind sie noch größer, noch stärker und bringen noch mehr Regen mit als Hurrikans oder Zyklone. Bis zu 380 Kilometer pro Stunde messen Meteorologen bei Supertaifun Haiyan im November 2013. Auf den Philippinen tötet er viele tausend Menschen und macht Millionen obdachlos.

Zyklon

Zyklon im Mittelmeer? Ein Übersetzungsfehler. Unwetter „Cleopatra“, das im November 2013 auf Sardinien Städte überflutet und 18 Menschen tötet, ist kein Wirbelsturm und stammt nicht aus dem Indischen Ozean oder Südpazifik. Die dortigen Zyklone wüten tödlicher als alle anderen Wirbelstürme: 2008 sterben beim Zyklon Nargis in Myanmar 100.000 Menschen.

Tornado

Luftwirbel, die über Land entstehen, heißen Tornados, in Deutschland auch Windhose, in den USA Twister. Sie sind meist kleiner als ihre über dem Meer entstandenen Geschwister, aber schneller – bis zu 500 km/h – und extrem unberechenbar. Tornados entstehen überall, wo es Gewitter gibt. Die USA zählen jährlich über 1000 Tornados, Deutschland mehrere Dutzend.

Orkan

Das Wort stammt zwar aus Südamerika, von huracán, dem Windgott der Maya. Doch Orkan steht heute für starke Stürme in Mitteleuropa - manchmal fast 300 km/h schnell. Sie entstehen vor allem im Herbst und Winter, wenn heiße Tropen- auf eisige Polarluft trifft. Seit Jahren richten sie immer extremere Schäden an, wie Kyrill 2007: 47 Tote, 10 Milliarden Euro Sachschäden.

Blizzard

Ein seltener, heftiger Schneesturm, oft in Orkanstärke, mit starken Schneeverfrachtungen. Vor allem in Nordamerika gefürchtet. Dort legt der Great Lakes Blizzard Ende Januar 1977 mehrere US-Bundesstaaten und große Gebiete in Kanada tagelang lahm, bringt haushohe Schneeverwehungen und tötet 29 Menschen.

Sandsturm

Spektakuläre Sandstürme wie hier in China sind eigentlich meist Staubstürme, die vom Boden kilometerweit in die Luft reichen und Millionen Tonnen Material verfrachten können. Ein echter Sandsturm ist eine bodennahe Welle aus Sand. Die aber wird so dicht, dass sie das Atmen unmöglich, Mobilfunknetze stören und Straßen unpassierbar machen kann.

Hagelsturm

Feuchte Luft, starke Aufwinde und labile Luftschichten führen am 12. Juli 1984 zum bis dahin größten Schadensfall für deutsche Versicherungen: Beim Münchner Hagelsturm donnern eine halbe Stunde lang teils tennisballgroße Hagelkörner zu Boden. Eine Viertel Million Autos sind danach zerbeult, 70.000 Häuser beschädigt und hunderte Menschen verletzt.


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