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Weihnachtswetter Statt Schnee: Nass, windig und relativ warm

Mit weißen Weihnachten wird's wohl wieder nichts. Nur wer in mindestens 800 Metern Höhe wohnt, kann Glück haben. Dort oben könnte es schneien. Bis zu 12 Grad warm soll es an Heiligabend werden, am zweiten Weihnachtstag sogar noch wärmer. Eigentlich ist in puncto Weihnachtswetter also alles so wie im vergangenen Jahr - nur eben noch ein paar Grad wärmer. Früher war das doch ganz anders, da war an Weihnachten immer Schnee. Oder?

Von: Silke Schmidt-Thrö

Stand: 23.12.2016

An Heiligabend soll es dieses Jahr zehn Grad warm werden. | Bild: picture-alliance/dpa

Grün und matschig – so kommt dir Weihnachten vielleicht vor. Da war es früher doch viel besser. Zumindest, wenn du den Erzählungen von Eltern und Großeltern glaubst:  meterhohe Schneemassen und klirrende Kälte. So ganz stimmt das allerdings nicht, sagt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe und Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst. Die perfekten weißen Weihnachten von damals seien eher ein Effekt des Langzeitgedächtnisses: "normale Ereignisse werden ausgeblendet und man erinnert sich nur noch an die Extremereignisse. Während normale Weihnachten aus dem Gedächtnis gestrichen werden." Tatsächlich ist das Wetter um Weihnachten nicht erst seit gestern wankelmütig. Unsere Stichprobe:

Weihnachtswetter-Stichprobe

1953

Kein Schnee in der Adventszeit? Da ist Hamburg 1953 keine Besonderheit. Auch an Weihnachten bleibt es in den meisten Orten grün und mild. Selbst in Oberstdorf sind es durchschnittlich 1,8 Grad. Nur 1 Zentimeter Schnee misst die Station des Deutschen Wetterdienstes. Neuer Schnee kommt bei der Wärme nicht dazu. Auch sonst fällt nur wenig Schnee, später Regen.

1962

Dieser Winter hat es sich. Auch an Heiligabend: In Erfurt-Weimar sinken die Temperaturen auf bis zu minus 16 Grad. In Nürnberg hat es durchschnittlich nur minus 10 Grad. Und selbst auf Helgoland zeigt das Thermometer nicht mal eine Null an. Neuen Schnee gibt es nicht oft. Zu kalt. Aber Altschnee: Wie hier zum Beispiel im Schwarzwald. In Nürnberg misst die DWD-Station immerhin 9 Zentimeter. Fast sibirisch ist Oberstdorf mit um die minus 20 Grad und 1 Meter Schnee.

1981

Nicht nur Costa Cordalis geht zum Langlaufen. Ganz Deutschland liegt an den Weihnachtstagen unter einer Schneedecke. Sogar auf der milden Insel Helgoland ist es am 24. ein bisschen weiß: 3 Zentimeter Schnee. In Berlin sind es 20 Zentimeter, in Oberstdorf 77. Und es schneit weiter. Die Temperaturen knapp unter null Grad sorgen weiter dafür, dass nichts auftaut. Auf ein Comeback dieser gesamtdeutschen Winterlandschaft muss man allerdings bis 2010 warten.

1990

Einfach nur mild, dieses Weihnachtswetter. Die Rostocker tummeln sich bei 6,7 Grad auf dem Weihnachtsmarkt. Auch an den Messstationen in Köln-Bonn, Nürnberg, Helgoland, Hannover und Berlin steigen die Temperaturen auf ein paar Grad über Null. Schnee? Fehlanzeige. Natürlich mal wieder abgesehen von Oberstdorf und den höher gelegenen Gebieten. In Berlin ist statt Schnee ein bisschen Sprühregen angesagt.

2012

Nur 1977 und 1983 war es in Deutschland ähnlich warm. Obwohl Anfang Dezember noch Schnee liegt, taut es pünktlich zum Fest gewaltig. Im Chiemsee kann man nicht nur als Eisschwimmer baden, in München steigt das Thermometer auf rekordverdächtige über 20 Grad. Während man sich im Süden sonnen kann, ist es im Norden eher bewölkt. 13,4 misst dort die Station in Köln-Bonn, in Hannover sind es maximal rund 13 Grad.

Selbst wenn im Dezember Schnee liegt, kommt oft noch das berüchtigte Weihnachtstauwetter dazwischen. Typisch Wehnachten ist aus Meteorologensicht "eher grün statt weiß". Mit regionalen Unterschieden (siehe Karte), aber wer’s richtig schneesicher will, sollte Weihnachten auf die Zugspitze. Alles wie früher? Oder hat vielleicht doch der Klimawandel seine Finger im Spiel? Noch nicht, sagt Andreas Friedrich: "Bisher gibt es noch keine statistischen Aussagen, dass Weihnachten schneeärmer geworden ist im Gegensatz zu vor 30 bis 40 Jahren."

Schneewahrscheinlichkeit

Aber das kann sich ändern. Zwei Grad soll es bis 2100 mindestens wärmer werden. "Dann wird sich auch die Schneefallgrenze nach oben verschieben, so dass die Schneewahrscheinlichkeit nach unten geht", sagt Friedrich. Auch an Weihnachten. Wobei: Selbst dann noch kann ein Kälteeinbruch Schnee bringen. Ein Glücksspiel eben, dieses Weihnachtswetter.


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