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FAQs und Hilfsmöglichkeiten

Infos für Helfer FAQs und Hilfsmöglichkeiten

Stand: 09.10.2015

Bescheid wissen über alles, was die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland betrifft, das was sie am meisten beschäftigt - und was man tun kann, wenn man ihnen helfen möchte. Für alle Fragen sind die Flüchtlingsräte vor Ort die erste Anlaufstelle. Unten auf der Seite finden Sie weiterführende Links - etwa zu Hilfsprojekten in den einzelnen Bundesländern oder kostenlose Deutschlernmaterialien.

Praktische Probleme von Flüchtlingen

Leitungswasser

Die meisten Flüchtlinge haben in ihrer Heimat kein Trinkwasser, das aus der Leitung kommt. Deshalb wissen sie nicht, dass deutsches Leitungswasser problemlos getrunken werden kann.

Sitztoiletten

In den meisten arabischen Ländern gibt es nur Toiletten, die man im Stehen bzw. Hocken benutzt. Ein WC, auf das man sich setzt, kennen die meisten Flüchtlinge nicht.

Bewegungsfreiheit

Insbesondere auf dem Land, aber auch in der Stadt, ist es für Flüchtlinge schwierig, Strecken zurückzulegen. Deshalb hilft es ihnen sehr, ein Fahrrad zu haben oder das Prinzip "öffentlicher Verkehr" mit Fahrplan und Fahrkarten erklärt zu bekommen.

Einkaufen

Für Flüchtlinge ist es schwierig, die deutsche Infrastruktur zu verstehen: Supermärkte, Drogeriemärkte, ihre Angebote und Öffnungszeiten müssen erst erklärt werden.

Ernährung

Wegen der Sprachbarriere brauchen Flüchtlinge Hilfe beim Herausfinden, was in abgepackten Lebensmittteln enthalten ist (Schweinefleisch, Allergene). Für Muslime wichtig ist: halal - das bedeutet ohne Schweinefleisch. Um Schweinefleisch zu vermeiden, hilft etwa der Hinweis, dass sie auf das Wort vegetarisch oder vegan achten sollen.

Privatsphäre

Fast alle Flüchtlinge leiden darunter, ständig mit vielen fremden Menschen zusammen sein zu müssen. Gerade nach den Strapazen, die sie erlebt haben, bräuchten sie eigentlich Rückzugsmöglichkeiten und Ruhe.

Kulturelle Unterschiede

Umgangsformen

Vieles, was für uns normal ist, ist Flüchtlingen aus ihrer Heimat unbekannt: Dass auch Männer und Frauen sich zur Begrüßung die Hand schütteln und dabei in die Augen schauen; die Begrüßung mit Kuss, auch zwischen Männern und die deutsche Art, "effizient" und sachlich zu kommunizieren.

Nein-Sagen

In manchen Kulturen kann ein direktes "Nein" als unhöflich empfunden werden. Deshalb brauchen Flüchtlinge mitunter Ermutigung und Übung, bis sie sich dazu durchringen können, so etwas zu sagen oder auch nur anzudeuten. Wenn sich jemand beim Antworten windet, sollte man das im Hinterkopf haben.

Hilfe

Um Hilfe zu bitten, oder bei Missverständnissen noch einmal nachzufragen, fällt manchen Flüchtlingen auch kulturell bedingt schwer. Deshalb ruhig immer wieder einladen zu fragen, es nicht persönlich nehmen und sich nicht vorschnell zurückziehen.

Lautstärke

Lautes Sprechen ist in arabischen Kulturen positiver besetzt als bei uns. Dort gilt es etwa häufig als Ausdruck von Freude, während es auf uns aggressiv wirken kannn.

Kinder

Kinder zu schlagen, gilt in manchen Kulturen, aus denen Flüchtlinge kommen als gesellschaftlich akzeptiert.

Kleidung

Der als "freizügig" empfundene Bekleidungsstil deutscher Frauen (zum Beispiel Minirock) wirkt auf Flüchtlinge in der Regel stark irritierend.

Termine

Pünktlichkeit ist eine zentrale deutsche Tugend. In den Kulturen aus denen die Flüchtlinge kommen, spielt sie eine weniger wichtige Rolle.

Alkohol

Alkohol spielt in muslimischen Ländern keine so gesellschaftlich zentrale Rolle. Der öffentliche Konsum hier in Deutschland wirkt auf muslimische Flüchtlinge daher befremdlich.

Wie kann ich helfen?

Zuerst Hilfsorganisationen vor Ort fragen, was gerade gebraucht wird.
Sachspende: auch Fahrräder, Fußballausrüstung, Koffer, Lernmaterial, Musikinstrumente, Laptops, Babytragetücher; bei Klamotten: kleine Männer- und Frauengrößen!
Zeitspende: Nachhilfe, Kleider sortieren in einer Spendenannahme, Hilfe zur Selbsthilfe - z. B. Fahrradreparatur
Wohnraum: Ob Flüchtlinge privat unterkommen können und zu welchen Bedingungen, ist von Land zu Land sowie von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Die Flüchtlingsräte vor Ort helfen weiter. Pro Asyl hat in diesem PDF die wichtigsten Fragen schon mal beantwortet.

Wer entscheidet, wohin Flüchtlinge kommen?

Im Grunde entscheidet das kein Mensch, sondern ein Computerprogramm namens "EASY" - was zu deutsch "leicht" bedeutet und als Abkürzung steht für "Erstverteilung der Asylbegehrenden". Hinter dem Programm steht der "Königsteiner Schlüssel". So heißt die Verteilungsquote, auf die sich die Regierungen der Bundesländer geeinigt haben. Je höher die Bevölkerungszahl und das Steueraufkommen, desto mehr Flüchtlinge nimmt das Land auf.