ARD-alpha - punkt.einfach wissen


23

Das Geld der Zukunft? So funktionieren Bitcoins

Krypto-Geld ist nur was für Nerds und Kriminelle? Regierungen und Bundesbanker diskutieren längst über passende Steuern und Finanzaufsicht, die USA könnte in Zukunft FEDcoins anbieten. Wie geht das Bezahlen mit Zahlen?

Von: Silke Schmidt-Thrö

Stand: 03.02.2015

Finger zeigt auf Bitcoin-Logo | Bild: picture-alliance/dpa

Gefährlich oder demokratisch?

Ein Burger in der Uni-Mensa? Eine App? Oder Bargeld im Ausland? Mit Bitcoins bekommst du heute immer mehr Dinge - längst nicht mehr nur im Netz. Ein gewaltiger Markt ist gewachsen. Ende 2012 hatten User gerade mal 22.000 digitale Brieftaschen, "Wallets" angelegt. Inzwischen sollen es um die drei Millionen sein. Neue Dienste wollen die Währung vor allem für den Normalo schmackhaft machen.

Wem das digitale Geld nützt, da gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche halten es für eine gute, demokratische Alternative zum derzeitigen Geld, weil weder Staaten noch Zentralbanken die Geldflüsse kontrollieren. Andere bringen es mit Geldwäsche in Zusammenhang, weil das Geld anonym verwendbar ist. Und manche benutzen es einfach als diebstahlsichere Reisewährung.

Spekulanten jedenfalls mögen Bitcoin-Geschäfte. Und Hacker, die aus der größten - mittlerweile insolventen - Bitcoin-Börse Mt. Gox angeblich hunderttausende Bitcoins gestohlen haben.

Wer ist Satoshi Nakamoto?

Wer die Bitcoins in die Welt gesetzt hat, weiß keiner so genau. 2008 tauchte das Konzept auf, wie sich aus Rechenprozessen ein digitales Zahlungsmittel herstellen lässt. Der oder die Entwickler der Bitcoins verwenden das Pseudonym Satoshi Nakamoto. Wer das ist, glaubte ein Hacker zwar Anfang September herausgefunden haben und forderte Lösegeld für den Namen. Passiert ist seitdem bisher nichts.

Der Unterschied zu einer normalen Währung ist, dass beim virtuellen Geld das Usernetzwerk selbst zum Funktionieren beiträgt. Und eine ganze Reihe von Verschlüsselungstechniken im System soll das Geld fälschungssicher machen. Eine zentrale Stelle, die Geld ausgibt oder Banken, die das Geld verwalten, gibt es dagegen nicht. Trotzdem vermehren sich die Bitcoins ständig und es wird eifrig damit gehandelt. Und seit Kurzem gibt es in den USA die erste staatlich lizensierte Bitcoin-Börse.

Bitcoins: Was du wissen solltest

Bitcoins "prägen"

Durch komplizierte mathematische Rechenaufgaben kannst du mit deinem Computer neue Bitcoins erzeugen. Aber: Nicht jeder Computer ist für dieses "Bitcoin-Mining" leistungsfähig genug. Es gibt sogar spezielle "Mining"-Chips. Außerdem musst du den Strom für die ganze Rechenarbeit zahlen. Und: Die Rechenaufgaben werden automatisch immer schwerer, je mehr Bitcoins es schon gibt. Deswegen gibt es inzwischen viele Mining Pools, in denen du im Team mit anderen Usern rechnest. Das geht solange, bis 21 Millionen Bitcoins erzeugt sind. Mehr soll es nach den Entwickler-Vorgaben nie geben.

Bitcoins kaufen

Bictoins kannst du auch kaufen. Im Prinzip so, als wenn du für den Urlaub Geld tauschst. Bloß, dass du dafür nicht zur Bank gehen musst, sondern anderen Usern Bitcoins auf Marktplätzen oder auf Bitcoin-Börsen abhandelst. Du gibst ein Kaufangebot ab (Börse), oder schreibst einen Verkäufer an (Marktplatz). Zugestellt werden Bitcoins wie E-Mails. Um sie zu empfangen, brauchst du ein Benutzerkonto. Im Vergleich zum analogen Geld schwankt der Bitcoin-Kurs viel stärker. Im August 2013 musstest du rund 80 Euro für einen Bitcoin bezahlen. Im Dezember dann teils 700, Ende Oktober 2014 gut rund 300 Euro.

Riskante Geschäfte

Ein Bitcoin geht zwar (fast) nie verloren, aber auch Sparen kannst du sie nicht wirklich. Es gibt keine Zinsen wie bei einer Bank. Weil der Kurs schwankt, kannst du zwar sehr viel gewinnen, wenn du etwa an einer virtuellen Börse spekulierst, aber eben auch alles verlieren. Zum Beispiel, wenn Hacker wieder eine Bitcoin-Börse ausrauben, die dann pleite geht. Oder wenn du meinen privaten Schlüssel verlierst, z.B. weil meine Festplatte crasht und du dir die 64-stelligen Zahlen-Buchstabenkombination nicht gemerkt hast. Die Bitcoins liegen zwar noch in deiner App, aber niemand kann sie mehr ausgeben. Wer das nicht mag, kann sich Bitcoins auch ausdrucken oder samt Code auf eine Pseudo-Banknote speichern.

Bitcoins lagern und verwalten

Beim Anlegen des Kontos - deiner Wallet - bekommst du eine lange Buchstaben/Zahlenkombination als Namen, deine erste Bitcoin-Adresse. Zu jeder Adresse gibt es auch eine Art Geheimnummer, den Private-Key. Um Bitcoins zu kaufen oder mit ihnen zu zahlen, musst du immer den passenden Schlüssel für deine Adressen benutzen. Wann wie viele Bitcoins von einer Adresse zur anderen wandern, verrät eine lange öffentliche Liste im Netz, die Blockchain. Fast so, als ob jede Überweisung automatisch veröffentlicht würde, mit Kontonummer aber ohne den richtigen Namen.

Mit Bitcoins einkaufen

Burger, Schuhe oder Dienstleistungen kannst du mit Bitcoins zum Beispiel kaufen. Per Überweisung am Rechner oder per App mit dem Smartphone, sogar im Laden. Da erzeugt der Verkäufer als Rechnung einen QR-Code. Sobald du den eingescannt hast, ist der Kauf perfekt, allerdings kennt der Verkäufer jetzt auch das Gesicht zur Bitcoin-Adresse. Wenn du anonym bleiben willst, kannst du mehrere Adressen verwenden und das Geld hin und her tauschen. Das macht Bitcoins auch interessant für illegale Geschäfte. Übrigens muss jeder Kauf vom Netzwerk bestätigt werden. Das kann schon einmal eine Stunde dauern.

Und wer kontrolliert das Ganze?

Wo waren Bitcoins zu welcher Zeit? In der Block Chain kann jeder alles nachlesen. Sonst könntest du Bitcoins ja fälschen oder kopieren und mehrfach ausgeben. Nach dem Motto "Wir sind die Bank!" kontrollieren im Bitcoin-System die User. Mit großem Rechenaufwand dokumentieren sie jede Transaktion - ihr Lohn: Bitcoins.


23