ARD-alpha - Prinzip Lernen


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Das Prinzip Lernen Spätes Erwachsenenalter (60 + Jahre)

Durch die gestiegene Lebenserwartung hat heute ein 60-Jähriger oft noch ein Drittel seines Lebens vor sich. Lernen funktioniert aber auch noch im Rentenalter, verschiedenste Fortbildungsangebote beweisen es.

Stand: 21.03.2018

"Die Weiterbildungsquote in Deutschland ist jämmerlich. Bei den Erwachsenen liegt sie unter zehn Prozent, in Schweden bei 50 Prozent." Dieses vernichtende Urteil stammt von Paul Baltes vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Doch es gibt auch Tendenzen in die Gegenrichtung.

So bietet die Universität Ulm seit 1992 Frühjahrs- und Herbstakademien für ältere Menschen an. Veranstalter dieser Angebote ist das der Universität angegliederte Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWIW). Jede ZAWIW-Akademie steht unter einem eigenen Schwerpunkt. So standen für Senioren bisher etwa Themen wie Europa, Lernen und Vergessen oder Nutzung des Internets zur Auswahl.

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" - der Wissenschaft zufolge täuscht sich das Volk mit dieser Weisheit: Manfred Spitzer, Gehirnforscher der Psychiatrischen Uniklinik Ulm sagt, auch Menschen jenseits der 60 seien sehr wohl lernfähig. Die Langsamkeit des Alters würden sie durch gesteigerte Motivation kompensieren.

Immer mehr ältere Berufstätige

Deutschland wird immer älter. In den letzten 100 Jahren hat sich die Lebenserwartung beinahe verdoppelt. Das wirkt sich auch auf das Durchschnittsalter der Berufstätigen aus. Es liegt inzwischen bei 55 Jahren. Forschern zufolge neigt sich aber die Kurve der geistigen Leistungsfähigkeit ab 40 deutlich nach unten. Die Lernfreudigkeit im mittleren Erwachsenenalter nicht zu verlieren, sei daher wichtig, um auch als Senior noch leistungsfähig zu bleiben, meint Bildungsforscher Paul Baltes. Eine weitere Voraussetzung sei körperliche Fitness.

Generationen-Miteinander

Geistige Leistungsfähigkeit im Alter - im Ulmer ZAWIW will man das mit dem Prinzip "Forschendes Lernen" erreichen. Den älteren Teilnehmern wird in den Kursen ein hohes Maß an Eigeninitiative und Engagement abverlangt. Ein weiteres ZAWIW-Motto lautet "Jung und Alt gemeinsam". Professoren, Lehramtsstudenten, Kinder und betreuende Senioren bilden Lernnetzwerke an dieser sogenannten Dreigenerationen-Universität.

In Wissenschafts-Camps forschen Senioren gemeinsam mit Kindern, denen Fragen der Natur oder Technik mit altersgemäßen Methoden nahe gebracht werden. Die Workshops funktionieren nach dem Prinzip der Symbiose: Die Jüngeren profitieren von dem Wissen der Älteren - und diese bleiben fit durch den Kontakt mit der Jugend.

Hilfe im Alter durch Technik

Einen anderen Weg, um mentale Verluste im Alter zu verringern, geht ein Projekt der Universität München: Das Generation Research Program in Bad Tölz setzt auf technische Innovationen. Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen versuchen dort, durch gezielte Tests wachsende Defizite im Alter wissenschaftlich zu analysieren. Die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung von technischen Geräten.

Unter anderem wird per Computer geprüft, wie viele Aufgaben eine Testperson gleichzeitig bewältigen kann, um festzustellen, ob sie als Autofahrer dem Straßenverkehr noch gewachsen ist. In Bad Tölz wurde auch Software entwickelt, die das Händezittern eines Parkinson-Kranken simuliert, um ihm zum Beispiel das Abwickeln von Online-Banking zu erleichtern. Die technischen Innovationen des Generation Research Program sollen dazu dienen, die Lernfähigkeit und damit auch Lebensqualität und Lebenswürde älterer Menschen möglichst lange zu erhalten.


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