ARD-alpha - Prinzip Lernen


13

Das Prinzip Lernen Schulalter (6 - 12 Jahre)

Eine staatliche Schulpflicht gibt es erst seit der Weimarer Republik. Wegbereiter für eine umfassende Volksbildung war der Schweizer Pestalozzi. Sein Bildungsideal steht heute wieder zur Diskussion, wenn es um Chancengleichheit geht.

Stand: 21.03.2018

In vielen Ländern der Erde beginnt für Kinder im Alter von sechs Jahren die Schule - und in vielen Ländern ist das Pflicht. Auch das ist keine ganz neue Errungenschaft, wie ein Blick ins alte Griechenland zeigt. Im antiken Athen verfügt König Solon eine Ausbildungspflicht für Jungen aller Stände, außer für Söhne von Sklaven. Mädchen werden von ihren Müttern in häuslichen Dingen unterrichtet. Die Erziehung der Jungen übernehmen Privatlehrer. Im Wesentlichen standen schon damals die Fächer auf dem Lehrplan, die auch heute gelehrt werden.

Comenius: Bildung für alle

Im europäischen Mittelalter liegt die Bildungshoheit zunächst bei den Klöstern. Mit dem wirtschaftlichen Erstarken der Städte gründen ab dem 12. Jahrhundert auch diese Schulen, deren Besuch allerdings den Kindern der Stadtbürger vorbehalten bleiben. Für ein breiteres Publikum wird Lesen und Schreiben erst mit der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts zugänglich. Zu Beginn der Neuzeit entwickelt der böhmische Pädagoge Johann Amos Comenius ein stufenweises Bildungssystem von der frühen Kindheit bis ins Greisenalter. Sein Motto: "Omnes omnia omnino" - "alle alles ganz lehren", und das am besten ohne Zwang. Für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren begründet er die "Muttersprachschul": Zunächst wird die Muttersprache erlernt, erst darauf folgt die Lateinschule.

Pestalozzis ganzheitliche Pädagogik

Einer der berühmtesten Pädagogen der Geschichte kommt aus der Schweiz: Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) lässt sich stark von Rousseaus Naturphilosophie beeinflussen und sieht seine Wirkungsstätte auf dem Land. Bekannt wird er durch seine Erziehungsanstalt in Iferten (Yverdon) im Kanton Waadt. Pestalozzi vertritt die Überzeugung, dass jeder gemäß seines Standes und seiner Möglichkeiten erzogen werden soll - und: Auch die Armen sollen nicht ausgeschlossen werden.

Pestalozzi hat einen ganzheitlichen Ansatz: Er will die intellektuellen, ethischen und handwerklichen Talente der Kinder fördern. Und er entwickelt konkrete didaktische Methoden. So sollen Kinder vor dem Schreiben von Buchstaben erst gerade Linien ziehen.

Allgemeine Schulpflicht seit Weimarer Republik

Pestalozzis Ideen haben großen Einfluss auf die Volkserziehung, aber erst im Lauf des 19. Jahrhunderts wird das allgemeine Schulwesen ausgebaut. Das Erlernen von Kulturtechniken, die christliche Unterweisung und aus den Kindern "gute Staatsbürger" zu machen stehen dabei im Vordergrund. Die allgemeine Schulpflicht wird in Deutschland jedoch erst in der Verfassung von 1919 verankert. Nun müssen alle Kinder mindestens acht Jahre lang die Schule besuchen.

Ein Erbe aus der Weimarer Zeit ist der frühe Zeitpunkt des Übertritts: In Deutschland müssen sich die Kinder bereits nach vier Jahren Grundschule für eine der weiterführenden Alternativen entscheiden. Pädagogen kritisieren, dass sich dadurch der Leistungsdruck schon ab der dritten Grundschulklasse erhöhe. Comenius' und Pestalozzis Ideen von Bildung für alle sei mit diesen Strukturen nicht umzusetzen. Daher fordern Pädagogen die Verlängerung der Grundschulzeit, damit sich die Kinder - ihren Anlagen entsprechend - besser entwickeln können.

Von Montessori zu "Summerhill"

Alternativ dazu werden im 20. Jahrhundert reformpädagogische Ideen entwickelt. Im Vordergrund stehen dabei meist freiere Unterrichtsformen und die Erkenntnis, der Lernprozess sei wichtiger als die reine Wissensvermittlung. So präferiert die italienische Pädagogin Maria Montessori (1870-1952) die individuelle Förderung des Kindes gemäß seiner Entwicklung und Interessen. Der Münchner Stadtschulrat Georg Kerschensteiner integriert um 1900 erstmals die Arbeit in den Erziehungsprozess: Handwerkliche Fähigkeiten sind für ihn so wichtig wie die "Buchschule". Auf Kerschensteiner geht das Konzept der Berufsschule zurück.

Weitere Reformansätze: Rudolf Steiner (1861-1925) initiiert mit seiner anthroposophischen Waldorfschule eine spirituelle, ganzheitliche Methode, die auf der Idee des Einklanges des Menschen mit Natur und Kosmos basiert. Der Reformpädagoge Peter Petersen (1884-1952) entwirft an der Universitätsschule in Jena Wochenpläne, nach denen die Kinder ihr Pensum selbst bestimmen können. Der britische Pädagoge Alexander Sutherland Neill (1883-1973) gründet die Internatsschule "Summerhill", in der das Prinzip "Selbstregulierung" gilt.

PISA-Sieger Finnland gibt kein Kind auf

Freie Elemente aus der Reformpädagogik sind auch in das Bildungssystem von Finnland eingeflossen, das seit der PISA-Studie als Vorbild gilt. Kein Kind darf dort vom System aufgegeben werden, das ist gesetzlich festgelegtes Bildungsziel. Schwächere Schüler bleiben nicht sitzen, sondern genießen individuelle Betreuung. Die Kinder werden neun Jahre gemeinsam unterrichtet, Noten erst ab der siebten Klasse verteilt. Es gibt keine starren Stundenpläne, Kinder lernen im eigenen Tempo.


13