ARD-alpha - Prinzip Lernen


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Das Prinzip Lernen Jugend (13 - 21 Jahre)

In der Jugend werden die Weichen für das Berufsleben gestellt - vor allem über den Schultyp. Das erste deutsche Gymnasium wurde 1524 gegründet, später kamen Haupt-, Real-, Berufsschule und Reform-Institutionen dazu.

Stand: 21.03.2018

Während der Jugend werden wichtige Weichen für Selbstständigkeit, Persönlichkeitsbildung und Identität gestellt. Schule und Berufseinstieg stehen in dieser Phase im Vordergrund. Während sich ein Hauptschüler mit 16 Jahren schon auf die Suche nach einer Lehrstelle begeben muss, befindet sich ein Gymnasiast immer noch in der Orientierungsphase. Die Ausbildung des Hauptschülers verläuft in der Regel mehr praxisorientiert, die des Oberschülers eher theoretisch.

Aushängeschild Gymnasium

Als Aushängeschild im deutschen Schulwesen gilt immer noch das Gymnasium. Auch die Anfänge dieser Institution reichen bis ins alte Griechenland zurück. Im antiken Athen ist es die Bildungseinrichtung für Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren. Die staatliche Institution vermittelt der antiken griechischen Oberschicht die notwendigen kulturellen Fertigkeiten. Das erste deutsche Gymnasium entsteht 1526 in Nürnberg nach dem Konzept von Philipp Melanchthon. In den frühen Gymnasien unterrichtet man in erster Linie Deutsch, Latein, Griechisch und Religion. Die Naturwissenschaften werden zunächst noch vernachlässigt.

Die europäische Aufklärung setzt im 18. Jahrhundert auch für die Pädagogik neue Maßstäbe. Vernunft, Freiheit und Würde sind die Schlagwörter der Epoche, die überzeugt davon ist, den Menschen durch Bildung und Erziehung verbessern zu können. Das entsprechende Schlüsselwerk jener Zeit ist der Roman "Émile oder über die Erziehung" von Jean-Jacques Rousseau. Darin betrachtet der französisch-schweizerische Autor die Pubertät als zweite Geburt: Zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr setze das eigentliche Lernen und Denken ein.

Berufsschule: Schule als Ergänzung zur Lehre

Den Abschluss des Gymnasiums bildet das Abitur, das zum Besuch einer Universität berechtigt. Vermittlung von theoretischem Wissen steht bei dieser Schulform also im Vordergrund. Praxisorientiert arbeiten dagegen Haupt- und Berufsschule.

Die Berufsschule bildet im sogenannten dualen System aus: Ergänzend zur Lehrzeit im Betrieb nehmen die Auszubildenden am theoretischen und praktischen Unterricht teil. Das Konzept geht auf Georg Kerschensteiner zurück. Der damalige Münchner Stadtschulrat musste den gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Bedarf an Arbeitsschulen decken.

Im Jahr 1900 reformiert Kerschensteiner das Ausbildungssystem grundlegend und beseitigt den Missstand, dass die Lehrlingsschulen keinen Bezug auf das betreffende Handwerk nehmen. Kerschensteiners Innovation erlangt in kürzester Zeit internationale Vorbildfunktion und gilt als Vorläufer der modernen Berufsschule.

Gesamtschule und andere Reformen

Das dreigliedrige deutsche Schulsystem - Haupt-, Realschule, Gymnasium - besteht in Bayern und Baden-Württemberg heute noch in dieser Fom. In den neuen Bundesländern sind Haupt- und Realschule oft zur Mittelschule zusammengefasst. Die höhere Schulbildung ist auf Bundesebene seit den 50er-Jahren vereinheitlicht. Nach dem Krieg dauerte es zum Teil Jahrzehnte bis zu Neugliederungen im Ausbildungssystem. So wird die Koedukation (gemeinsamer Unterricht der Geschlechter) erst in den 60ern allgemein eingeführt. Während der Bildungskrise in den 70er-Jahren wird dann die Benachteiligung von bestimmten sozialen Gruppen stark thematisiert. Als Folge davon entwickelt man neue didaktische Methoden sowie Strukturreformen und erneuert Lehrpläne. Man richtet Förderstufen für den Übergang in die Sekundarstufe ein, führt die Gesamtschule ein und reformiert die gymnasiale Oberstufe.

Viele Experten sehen dennoch Deutschland immer noch - oder wieder - in einer Bildungskrise. So wird die Sekundarstufe, wie sie heute existiert, häufig kritisiert. Vielen Pädagogen zufolge kommt Abhilfe nur durch eine neue große Strukturreform, durch mehr Autonomie der Schulen und durch einheitliche Bildungsstandards.

Braune Elite

Während der NS-Zeit versucht man, die individuelle Identität auszulöschen, sie soll der Identifikation mit dem "Führer" weichen. Jugend spielt im Nationalsozialismus eine wichtige Rolle, um sie wird geradezu ein Kult betrieben. Einen Teil der jungen Leute schottet man in Elite-Instituten wie Hitlerschulen und Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NAPOLAs) ab. Dort werden die künftigen höheren Beamten und Offiziere mit Nazi-Ideologie durchtränkt und militärischen Übungen gedrillt.


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