ARD-alpha - Prinzip Lernen


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Das Prinzip Lernen Frühes Erwachsenenalter (22 - 30 Jahre)

Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren steht einerseits der Erwerb von Fachwissen im Vordergrund, andererseits die Organisation von neuen Lebensstrukturen. Das stellt jeden Einzelnen vor völlig neue Lernaufgaben.

Stand: 21.03.2018

Mit dem Übergang ins Erwachsenenalter kommen auf den Einzelnen viele neue Lern- und Entwicklungsaufgaben zu. Dabei laufen einige Prozesse bewusst, andere unbewusst ab. Das unbewusste Lernen orientiert sich an Realsituationen des Lebens. Es gilt als die lebenslang praktizierte Grundform menschlichen Lebens. Das bewusste Lernen dient dagegen dem gezielten Erfassen von Wissen: In Bildungseinrichtungen und am Arbeitsplatz werden konkrete Fähigkeiten erworben.

Verschulung der Universitäten

Bildungseinrichtung Universität zum Beispiel: War die Ausbildung an deutschen Hochschulen bislang eher wissenschaftsorientiert, wird sie sich in Zukunft deutlich mehr an Berufserfordernisse anpassen. Verantwortlich dafür ist die fortschreitende Standardisierung der europäischen Bildungssysteme, die die EU 1999 im sogenannten Bologna-Prozess vereinbart hat. Er treibt die Entwicklung in Richtung kürzere Ausbildungszeiten und striktere Rahmenvorgaben der Bildungsinhalte. Die Vermittlung von konkreten Fähigkeiten für spezielle Betätigungsfelder wird künftig stärker im Vordergrund stehen.

Anders gesagt: Den Universitäten droht die Verschulung - eine Tendenz, die im Gegensatz steht zu den Ideen eines der größten Impulsgeber in der deutschen Universitätsgeschichte: Wilhelm von Humboldt. Der preußische Freigeist forderte eine universale Bildung, im Mittelpunkt seines Erziehungsideals steht - der Forderung der Aufklärung entsprechend - das Individuum. Humboldts Vorstellungen wird 1809 mit der Gründung der Berliner Universität verwirklicht.

Gleiche Bildungschancen? Nicht in Deutschland

Die Aufklärung forderte Gleichheit, Gleichberechtigung: "Bildung ist Bürgerrecht", formuliert der Politiker Antoine Marquis de Condorcet im Zuge der Französischen Revolution, ohne Bildung sei Gleichheit nicht zu erreichen. 1792 legt er einen Nationalerziehungsplan vor. Von der Chancengleichheit, von der Condorcet einst träumte, ist man Deutschland sehr weit entfernt: In kaum einem Industrieland wirkt sich die familiäre Herkunft so stark auf Bildungschancen aus wie hierzulande. Der Anteil der Studenten aus Akademikerhaushalten ist viermal so hoch wie der aus Arbeiterfamilien.

Studiengebühren benachteiligen Frauen

Und wie steht es beim Zugang zu Hochschulen um die Mann-Frau-Chancengleichheit? Die Einführung von Studiengebühren erhöhe sie jedenfalls nicht, ergab eine Umfrage des "Hochschul-Informations-Systems". Demnach verzichten Frauen eher als Männer auf den Besuch der Universität. Mittelfristig könnten Studiengebühren einschneidende Auswirkungen auf die künftige Berufs- und Lebensplanung junger Frauen haben.

Berufsausbildung: Hilfe zur Selbsthilfe

Auch auf dem Sektor der Berufsausbildung sind für junge Erwachsene neue Zeiten angebrochen. Während Arbeitgebervertreter gerne kritisieren, dass die Auszubildenden angeblich immer schlechtere Kenntnisse mitbringen, haben diese mit dem Problem zu kämpfen, dass ihr Start ins Berufsleben immer härter wird. Schulabgänger müssen sich heute deutlich engagierter um einen Ausbildungsplatz bemühen als noch vor 15 Jahren.

Daher haben sich auch die Ausbildungsmethoden entsprechend verändert. Das alte System "Vormachen - Nachmachen - Üben" hat man inzwischen zugunsten von handlungsorientierten Ansätzen aufgegeben. Der Azubi soll nicht einfach nachahmen, sondern das Prinzip erlernen, selbst handlungsfähig zu werden und dieses Prinzip später auf andere Lebensbereiche übertragen können. Hier spielen auch wieder die oben erwähnten Lernprozesse eine Rolle: Neben dem fachlichen Wissen, das bewusst erworben wird, machen die Auszubildenden auch viele unbewusste Lernprozesse durch - zum Beispiel in der Arbeit mit Kollegen, in der vor allem Sozialkompetenz erlernt wird. Auch viele Studenten arbeiten inzwischen lieber im Team als einsam in der Studierstube und fördern so ihr unbewusstes Lernvermögen.


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