ARD-alpha - Prinzip Lernen


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Das Prinzip Lernen Mittleres Erwachsenenalter (31 - 60 Jahre)

Um im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben, ist heutzutage beinahe jeder gezwungen, sich ständig weiterzubilden. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen dem Lernverhalten eines 30- und dem eines 60-Jährigen.

Stand: 21.03.2018

Viele Menschen drücken auch im Erwachsenenalter wieder die Schulbank - aus verschiedensten Gründen: Erwerb von Sprachkenntnissen angesichts der Globalisierung, berufliche Weiterentwicklung, Umschulung oder einfach bislang auf die lange Bank geschobene Bildungswünsche.

Spielen, Lernen, Arbeiten, Ausruhen - das war früher das Lebensmuster in Industriegesellschaften. Heutzutage ist es kaum noch einem Berufstätigen möglich, mit seinem einmal in der Ausbildung erworbenen Know-how bis zur Pensionierung auszukommen. Außerdem wird meist bis zum letzten Arbeitstag volle Leistung erwartet. Auch nach 30 Berufsjahren muss er mit jüngeren Kollegen konkurrieren - und sich dazu ständig weiterbilden.

Denken in Schubladen

Lernen als älterer Erwachsener - geht das? Studien zeigen, dass diese Altersgruppe nicht schlechter oder langsamer lernt, sondern anders. Entsprechende Erkenntnisse stammen aus der Hirnforschung: Der englische Psychologe Raymond Bernard Cattell fand Anfang der 70er-Jahre heraus, dass man als älterer Erwachsener ein mentales Ordnungssystem entwickelt hat - also quasi die sprichwörtlichen Schubladen, in die man neu gewonnenes Wissen ablegen und daraus abrufen kann. Jüngere müssen diese Schubladen erst organisieren. Entsprechend dazu gibt es laut Hirnforschung eine feste ("kristalline") und eine flüssige ("fluide") Intelligenz.

Lernen im Erwachsenenalter - schon in der Antike war das nicht unüblich: Die berühmten Symposien waren willkommener Anlass für Wissensaustausch zwischen den Generationen. Übrigens konnten auch Bauern und Handwerker an diesen Gastmählern teilnehmen.

Buchdruck und Bibeln

Steht bei Kirchenvater Augustinus (354-430) Bildung noch unter dem Motto "Erinnerung göttlicher Wahrheit", betont der Scholastiker Thomas von Aquin (1225-1274) das Prinzip des autonomen Denkens. Im Mittelalter werden die sogenannten Sieben Freien Künste gelehrt: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Musik, Astronomie, Arithmetik, Geometrie. In den Genuss dieser Bildungsinhalte kommen nur die, die lesen und schreiben können: Kleriker und Adelige. Der Rest wird in der Kirche unterwiesen: durch die Predigt.

Erst mit Reformation und Gegenreformation lernt auch das "einfache Volk" lesen. Die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts ermöglicht es, Bibeln massenhaft und billig zu produzieren. Im 18. Jahrhundert breiten sich Lesegesellschaften und Diskussionszirkel in Bürgersalons aus, zum Beispiel die "Berliner Mittwochsgesellschaft", an der der Philosoph Immanuel Kant teilnimmt. Vernunftgebrauch und Charakterbildung stehen im Mittelpunkt der Bestrebungen der Aufklärung.

Bildung: Arbeiter ausgeschlossen

Im 19. Jahrhundert übernimmt der Staat die Aufgabe, die Gesellschaft zu bilden. Doch nach wie vor ist Bildung ein Privileg: Mit den Arbeitern ist der größte Teil der Gesellschaft davon ausgeschlossen. Keine Gesellschaft hat es bisher geschafft, solche Diskriminierungen auszuschalten. Anstelle dessen hat man Kompensationsangebote für die Erwachsenenbildung geschaffen. Eine davon ist die Volkshochschule. Diese Initiative des dänischen Pädagogen Nikolai Grundtvig stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Erfindung der Volkshochschule

Die Volkshochschule (VHS) ist in Deutschland auch heute noch die gängigste Institution für Erwachsenenbildung. Sie dient einerseits der Persönlichkeitsbildung, andererseits bietet sie zweckorientierte Abschlüsse an, etwa berufliche Weiterbildungsangebote auf EU-Ebene. Beschäftigte nutzen die Angebote, um Karrierechancen zu verbessern oder schlicht und einfach, um den Arbeitsplatz zu erhalten. 

Andererseits schicken viele Firmen ihre Mitarbeiter in VHS-Kurse, damit diese den ständig neuen Anforderungen gerecht werden und - selbstverständlich - letztlich damit dem Wohl des Unternehmens dienen.

E-Learning

Immer mehr ältere Erwachsene nutzen inzwischen auch neue Formen der Wissensvermittlung wie das E-Learning, also Lernen mit Hilfe des Computers. Der Erziehungswissenschaftler Johannes W. Erdmann von der Berliner Universität der Künste: "Mit dem E-Learning werden auch eigene Sinnbildungs- und Auswahlprozesse verbunden, wenn etwa im Internet über Suchmaschinen, über entsprechende Lexika selbst recherchiert und die Auswahl auch getroffen werden muss zwischen dem, was für einen als wichtig und sinnvoll zu lernen angesehen wird und nicht einfach nur ein vorgegebenes Lernziel erfüllt wird."

Aber: "Das E-Learning macht das Lernen orts- und zeitunabhängig, kann aber definitiv nicht die einzige und einzig sinnvolle Form von Lernen sein. Insofern sind etwa kombinierte Formen, bei denen Formen des Präsenzlernens, eines angeleiteten Lernens mit einem eigenständigen E-Learning kombiniert werden, durchaus in dem Gesamtspektrum der Lernformen ebenfalls mit zu berücksichtigen", so Erdmann.


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