ARD-alpha - Prinzip Lernen


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Das Prinzip Lernen Kindheit (0 - 5 Jahre)

In den ersten Kindheitsjahren wird der Grundstein für das Netzwerk der Nervenzellen gelegt. Im Kindergarten von heute wird daher vor allem spielerisch gelernt. Spezielle Bildung für Kleinkinder gab es aber schon in der Antike.

Stand: 21.03.2018

Wie sich Kleinkinder entwickeln, darüber existieren heutzutage jede Menge Forschungsanalysen. Experimente haben gezeigt, dass bestimmte Fähigkeiten in bestimmten Phasen erworben werden. In den ersten Jahren der Kindheit wird der Grundstein für das Netzwerk der Nervenzellen gelegt. Damit können sich Kinder schon im Vorschulalter viele geistige, soziale und körperliche Fähigkeiten aneignen.

Doch über das Prinzip Lernen macht sich nicht erst die moderne Wissenschaft Gedanken, bereits frühe Kulturen beschäftigten sich damit, unter anderem auch die griechische Antike. Schließlich leitet sich aus dem Altgriechischen der Begriff Pädagogik her: "Paideia" beinhaltet sowohl Bildung als auch Erziehung - ein ganzheitliches Konzept. Von Anfang an erkannte man dabei den Zusammenhang von Lernen und Spielen. So stammt bereits vom Philosophen Platon ein Entwurf für eine Art Kindergarten.

Comenius' Vorschulerziehung

In der Neuzeit richten sich die Bildungskonzepte zunächst vor allem an die Eltern. 1633 verfasst der böhmische Ordensbruder Johann Amos Comenius die erste umfassende Theorie der Vorschulerziehung: das "Informatorium der Mutterschul". Comenius erkennt bereits die Potenziale der frühen Kindheit und will sie für Bildung und Erziehung nutzen. Für die einzelnen Entwicklungsstufen gibt er Ratschläge, wie Eltern ihre Kinder in "Tugend, Arbeit und Beredsamkeit" über können. Das vorrangige Erziehungsziel bleibt auch bei Comenius - ein Erbe aus dem Mittelalter - die Gotteserkenntnis.

Friedrich Fröbel gründet ersten Kindergarten

Begründer und Namensgeber des Kindergartens war Friedrich Fröbel. Der Pfarrerssohn holt sich Anregungen unter anderem beim großen Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi und startet 1840 den ersten Modellversuch für einen Kindergarten im thüringischen Bad Blankenburg. Fröbel setzt auf das didaktische Element des Spielens und lässt von Handwerkern spezielle Spielgaben entwickeln. Sie bauen aufeinander auf und vermitteln je nach Altersstufe gezielte Lerninhalte. Fröbels Konzept ist zukunftsweisend, allerdings kann sich nur das Bürgertum den Kindergartenbesuch leisten. Arme Kinder lernen Lesen und Schreiben allenfalls in Kinderbewahranstalten.

Montessori-Pädagogik

In der folgenden Zeit setzt sich immer mehr die Vorstellung des Kindes als eigenständige Persönlichkeit durch. Eine Wegbereiterin dafür ist die italienische Ärztin und Pädagogin Maria Montessori. "Hilf mir, es selbst zu tun", ist der Grundsatz ihres Erziehungskonzepts. Montessori entwickelt Fröbels Spielmaterialien weiter. Obwohl ihre Methode auch Kritiker fand, praktizieren bis heute Kindergärten in aller Welt die von ihr geschaffene Lernumgebung.

Korczak: Kind hat Recht auf Achtung

Noch stärker die Individualität des Kindes betont der polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak. Er fordert "Das Recht des Kindes auf Achtung", so der Titel seines Buches von 1928. In seiner Heimatstadt Warschau macht er sich als Leiter des jüdischen Waisenhauses einen Namen und setzt dort sein Gedankengut in die Praxis um. Er führt dort demokratische Strukturen ein. Die Kinder dürfen Erzieher und Betreuer in offenen Gesprächen kritisieren.

Früher Drill in der NS-Zeit

Liberale Ansätze wie die von Korczak haben im NS-Regime keine Chance mehr. Auch das Erziehungssystem wird gleichgeschaltet, Kinder sollen zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft gedrillt werden - und damit beginnt man schon in frühester Kindheit: "Es geht hinaus auf den 'Kasernenhof' zum Exerzieren. In Rolf erkennt man jetzt schon die Führernatur ... Jetzt spielen sie nicht mehr Soldaten, jetzt sind sie Soldaten", heißt es über die Vorschulkinder in einer Ausgabe der Zeitschrift "Kindergarten" von 1940.

UN: Kind hat Recht auf Bildung

Nach Kriegsende dauert es noch eine geraume Zeit, bis das Kind nicht mehr als Befehlsempfänger, sondern als Partner von Erziehern und Eltern verstanden wird. Dieses Denken setzt sich erst im Zuge der antiautoritären Erziehung der 70er-Jahre und mit neuen Ansätzen in der Entwicklungspsychologie durch. Die UN hält das Recht des Kindes auf Bildung in der UN-Kinderrechtskonvention fest.

Heutzutage sind die Bildungsangebote für Kleinkinder in Deutschland sehr vielfältig. Die Eltern haben die Auswahl zwischen verschiedensten Kindergärten: staatliche, kirchliche oder solche mit besonderer pädagogischer Ausrichtung. In den 90er-Jahren importiert man aus Skandinavien verstärkt die Idee der Wald- und Naturkindergärten.


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