ARD-alpha - Kunstraum


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Kunstraum Michael Scheidl, Klaus Schedl, Tato Taborda: Amazonas

"Der Amazonas ist in Gefahr. Die Welt weiß es seit langem. Aber was ist bedroht?" Dieser Frage widmete sich ein großes, über vier Jahre dauerndes Projekt, das anlässlich der Münchner Biennale für neues Musiktheater im Jahr 2010 zur Uraufführung gelangte.

Stand: 15.04.2015

Amazonas | Bild: BR

Michael Scheidl als Regisseur sowie Klaus Schedl und Tato Taborda als Komponisten wählten für dieses komplexe Thema das Musiktheater als die adäquateste Form künstlerischen Ausdrucks.

Der Kunstraum-Film konzentriert sich auf zwei der insgesamt drei Teile des Musiktheaters "Amazonas". In diesen zwei Teilen werden zwei Wahrnehmungen des Themas "Amazonas" thematisiert: die erste, das ist die europäische, damit also die kolonialistische Sichtweise am Beispiel der Aufzeichnungen des englischen Entdeckers / Eroberers Sir Walter Raleigh (1552-1618). Die zweite Wahrnehmung ist die der Yanomami, des Stammes der seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden im und vom Amazonas lebt und dessen Geschichte und Lebensweise sich bis vor relativ kurzer Zeit in keinem Geschichtsbuch fand.

"Was bleibt" ist also hier keine Frage, sondern eine Feststellung. Obwohl die ausgestellten Objekte auf den ersten Blick nichts anderes sind als gebrauchte Werkzeuge in ganz wörtlichen Sinn, vermitteln sie bei näherer Betrachtung doch tiefe und direkte Einblicke auf Fragen unserer Existenz.

"Ich habe etwas gesucht, was für die irrsinnige Idee des ewigen Wachstums steht. also eines Wachstums, das keine Grenzen nach oben kennt, selbst im Paradies gibt’s dafür kein Ende, muss man immer weiter. Symbol dafür ist das Gold. Und die gierige Suche nach immer mehr Gold und der damit verbundenen vermeintlichen Glückseligkeit führt zur Zerstörung."

Klaus Schedl

"Wir haben mit 'Tilt' und 'Einsturz des Himmels' diese zwei Wahrnehmungsdifferenzen gegenübergestellt: Die Sicht des Schamanen und die des Eindringlings in Form des Entdeckers/ Eroberers. Das ganze mündet in der Apokalypse. Wenn man sich die gegenwärtige Wirtschaftskrise anschaut, die ausschließlich von der Frage nach mehr Wachstum beherrscht wird, als ob Wachstum ein Naturgesetz wäre, - wenn es kein Wachstum mehr gibt, müssen wir alle sterben - so denke ich, dass in Moment eher Menschen dafür sterben müssen, weil es immer mehr Wachstum geben muss.'"

Michael Scheidl

Lebenslauf der Künstlers

Michael Scheidl, geboren 1954, ist Regisseur und künstlerischer Leiter von netzzeit, einem Festival für Musiktheater in Wien. Er arbeitete in den vergangenen Jahren an zahlreiche Projekten in Österreich, Deutschland, Schweiz, Ungarn, Italien und Brasilien. 1984 gründete er zusammen mit seiner Ehefrau Nora netzzeit, ein Festival zur Realisierung von zeitgenössischen Theaterprojekten. In diesem Rahmen wird Amazonas im April 2013 wieder aufgeführt.

Klaus Schedl, geboren 1966, studierte Komposition bei Hans-Jürgen von Bose. Es ist Mitbegründer des Ensembles "piano possibile" in München. Schedl erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Kammer-, Vokal- und Orchestermusik. Er beschäftigt sich intensiv mit den Möglichkeiten elektroakustischer Musik.

Tato Taborda, 1960 in Curitiba, Brasilien, geboren, studierte in Lateinamerika und in Deutschland, unter anderem bei Helmut Lachenmann und Dieter Schnebel. Er promovierte mit einer Arbeit über das Verhältnis von Bioakustik und polyphonem Denken. Taborda ist Kurator mehrerer Festivals für neue Musik.


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