ARD-alpha - Kunstraum


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Kunstraum Max Mannheimer – ben jakov

Max Mannheimer war einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust. Er war Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und führte jahrzehntelang Besucher durch die KZ-Gedenkstätte. Seit 1954 malte er unter dem Pseudonym "Ben Jakov" abstrakte Bilder.

Stand: 11.07.2017

Wiederholung unserer Sendung vom 07.02.2016:

Ein bald 96jähriger Überlebender von Auschwitz und Dachau gibt Malunterricht: "Die Stunde kostet bei mir 60 Minuten". Und lacht dabei, es geht ihm gut. Max Mannheimer ist einer der letzten Zeitzeugen aus der furchtbaren Zeit des so genannten Dritten Reiches, dessen Vergangenheit uns immer wieder einholt.

Und er meldet sich besonnen, nicht anklagend zu Wort, sei es zur Veröffentlichung von "Mein Kampf" oder zum NSU-Prozess ist. Er organisiert als Vorstandsmitglied des internationalen Dachau-Komitees unter anderem den Besuch der deutschen Bundeskanzlerin und des US-Vizepräsidenten in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Und besucht Schulen, hält Vorträge, reist viel.

Max Mannheimer ist aber auch ein großer Zeichner und Maler. Sein Oeuvre, das seit den 1960er Jahren entstanden ist, schlummert teilweise immer noch in den Keller-Räumen seines Hauses. Vergleichsweise wenig davon ist bisher bekannt geworden.

Der Kunstraum-Film versucht, Licht in dieses einmalige Werk zu bringen. Max Mannheimer, der seine Bilder in Erinnerung an seinen in Auschwitz ermordeten Vater mit ben jakov (Sohn Jakobs) signiert, ist nämlich immer noch künstlerisch aktiv. Er zeichnet, macht Collagen, malt Aquarelle. In früheren Jahren aber schuf er gewaltige Werke großen Formats, Ölbilder mit starkem Gestus und leuchtenden Farben, sowie eine Vielzahl beachtlicher Hinterglas-Bilder, deren Faszination in ihrer ganz besonderen Maltechnik liegt: er lässt die Farben auf dem Glas kontrolliert zerfließen, wodurch ungeahnte Formen und Farbkombinationen entstehen.

Dabei war der Weg des von amerikanischen Truppen befreiten KZ-Häftlings zum Maler alles andere als selbstverständlich. Zunächst litt Max Mannheimer wie alle Überlebenden an Depressionen, die er durch allerlei Selbst-Therapien zu bekämpfen suchte. Dazu zählte neben dem Kino auch das Zeichnen und Malen. Doch erst die Begegnung mit dem Werk Wassily Kandinskys, das die Stadt München zu ihrem 800jährigen Jubiläum von Gabriele Münter geschenkt bekam, eröffnete ihm den Zugang zur Malerei. "Ich habe sofort gemerkt: das ist auch mein Thema", sagt ben jakov heute.

In unermüdlicher Schaffenskraft entstand seither ein Werk, das mehrere hundert Arbeiten umfasst und dem Künstler Max Mannheimer immer noch große Freude und Genugtuung bereitet. "Abstrakt malen kann jedes Kind", pflegt er zu sagen. Seine Arbeiten sind spontan und dem Augenblick gewidmet. Man soll nicht zu stark in der Vergangenheit grübeln, sondern nach vorne schauen, in der Kunst wie in der Politik, meint ben jakov – Max Mannheimer.

Biografie ben jakov – Max Mannheimer 

  • 6. Februar 1920 in Neutitschein (Mähren, heute Tschechien) geboren.
  • Februar 1943 mit seinen Eltern, Geschwistern und seiner Frau über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern, zwei Brüder, seine Frau und seine Schwester werden dort ermordet.
  • September 1943 wird er mit seinem einzig noch lebenden jüngeren Bruder nach Warschau in das zerstörte Ghetto zum Aufräumen bestimmt. Von dort werden sie August 1944 in das KZ-Dachau, später in das Außenlager Mühldorf kommandiert.
  • Nach der Befreiung 1945 kehrt er mit seinem Bruder zunächst in seine Heimatstadt zurück. Seine zweite Frau überzeugt ihn, in Deutschland ein neues Leben aufbauen zu können. Mit ihrer Tochter lassen sie sich 1946 in München nieder.
  • Max Mannheimer arbeitet in Frankfurt bei verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsorganisation. Als seine zweite Frau 1964 an Krebs stirbt, schreibt er für seine 17-jährige Tochter seine Geschichte auf, die 1985 in den Dachauer Heften und 2000 als Spätes Tagebuch bei Piper erscheint.
  • Ab 1986 beginnt eine umfangreiche Vortragstätigkeit. Seit 1990 ist er der Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, 1995 wird er Vizepräsident des Internationalen Dachau Komitees.
  • Seit 1954 hat er sich mit der Malerei beschäftigt und ab 1975 unter dem Pseudonym ben jakov seine Bilder im In- und Ausland ausgestellt.
  • Max Mannheimer ist mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt worden.
  • Max Mannheimer ist am 23. September 2016 in München gestorben.

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